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Uni-Essen
14. März 2017

Hauptseminar Hauptseminar Französische Sprachwissenschaft Sprachenstreit und Sprachkonflikte in Frankreich

Sprache ist nicht nur Medium, sondern vielfach auch Objekt öffentlichen wie privaten Streits. Dass Sprache in der öffentlichen Wahrnehmung mehr ist als die Summe ihrer kommunikativen Funktio­nen, ist gerade der Romanistik gut bekannt. Eine Dimension des Streits um Sprache steht...

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Sprache ist nicht nur Medium, sondern vielfach auch Objekt öffentlichen wie privaten Streits. Dass Sprache in der öffentlichen Wahrnehmung mehr ist als die Summe ihrer kommunikativen Funktio­nen, ist gerade der Romanistik gut bekannt. Eine Dimension des Streits um Sprache steht im Zu­sammenhang mit der Identität ihrer Sprecher. Sprache stiftet und bestärkt Identität(en), Abgrenzungen zwischen Gruppierungen auch innerhalb einer Sprechergemeinschaft manifestieren sich über Sprache. Die Sprachenwahl hat eine eminent politische Dimension, wenn sie etwa im Kontext einer zu verteidigenden exception culturelle steht. Hinter metasprachlichen Auseinandersetzungen können sich umfassendere Konflikte konfessionel­ler oder politischer Natur verbergen. Darüber hinaus kommt es in öffentlich geführten Auseinander­setzungen zu Konkurrenzkämpfen um die angemessene Verwendung bestimmter Schlüsselbegriffe und Schlagwörter, und schließlich gehört die leidenschaftliche Auseinandersetzung um Sprach­richtigkeit und Sprachnorm zum produktiven Inventar neuzeitlicher und zeitgenössischer Streitkul­tur. Die Konflikte zwischen Sprachliebhabern und Sprachwissenschaftlern stehen symptomatisch für die Virulenz des Streits um Sprache in modernen Gesellschaften. Im Hauptseminar sollen ausgewählte Knackpunkte des Sprachenstreits v.a. der Gegenwart betrachtet werden, etwa Fragen der Orthographiereformen, der Sprachgesetzgebung, der Konflikte um politische Korrektheit und Feminisierung. Quellen dieser Konflikte können z.B. medial verbreitete Polemiken, Sprachchroniken, Internet-Foren oder Parlamentsdebatten sein. Dabei wird auch die Frage angesprochen, in welchen Formen der Streit ausgetragen wird, welche gesellschaftlichen Gruppen sich an einem solchen Streit beteiligen und welche Aussagen über die öffentliche Stellung von Sprache sich daraus ableiten lassen. Voraussetzung für den Erwerb eines Leistungsnachweises ist die Übernahme eine Referats sowie einer schriftlichen Hausarbeit. Themen können ab Mitte September übernommen werden. Literaturhinweise: Catach, Nina, Les délires de l'orthographie, Paris 1989. Calvet, Louis-Jean (1987), La guerre des langues et les politiques linguistiques, Paris 1987. Osthus, Dietmar (2006), -Laienlinguistik und Sprachchroniken. Französisch/Okzitanisch- in: Ernst, Gerhard/ Glessgen, Martin-Dietrich/ Schmitt, Christian/ Schweickard, Wolfgang (edd.), Romanische Sprachgeschichte - Histoire des langues romanes. Ein internationales Handbuch zur Geschichte der romanischen Sprachen und ihrer Erforschung, Berlin. [= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 23.2], 1533-1546. Romanistik Universität Duisburg-Essen WS 2009/10 Mag, Magisterstudiengang Professor Dr. Osthus Dietmar