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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Intertextualität in der Kinder und Jugendliteratur

Wenn in Paul Maars Kinderroman -Eine Woche voller Samstage- das Sams mit Rumpelstilzchen verglichen wird, sich selbst Robinson nennt und das Schlaflied -Schlaf, Kindchen, schlaf- parodiert, sind damit intertextuelle Bezüge zu einem Märchen der Brüder Grimm, einem Roman von Daniel...

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Wenn in Paul Maars Kinderroman -Eine Woche voller Samstage- das Sams mit Rumpelstilzchen verglichen wird, sich selbst Robinson nennt und das Schlaflied -Schlaf, Kindchen, schlaf- parodiert, sind damit intertextuelle Bezüge zu einem Märchen der Brüder Grimm, einem Roman von Daniel Defoe sowie der Sammlung -Des Knaben Wunderhorn- hergestellt. Solche Anspielungen sollten im Literaturunterricht nicht ungenutzt bleiben. Während die Bedeutung von Intertextualität in der Fachwissenschaft unbestritten ist, fällt das Urteil im Bereich der Didaktik meist zwiespältig aus: einerseits wird ein intertextueller Literaturunterricht als sinnvolle Herausforderung gesehen, andererseits das Fehlen unterrichtspraktischer Konzepte beklagt bzw. die Schwierigkeit der Umsetzung benannt. Oft geht es in den wenigen Ansätzen lediglich um den Vergleich zwischen Prä- und Posttext sowie das Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur wird zusätzlich auf die fehlende Belesenheit der Schülerinnen und Schüler verwiesen, im Lexikon der Deutschdidaktik heißt es: -Aber das Konzept der Intertextualität konnte tatsächlich keine große didaktische Bedeutung gewinnen, weil es den kundigen Leser voraussetzt bzw. den erfahrenen und kontinuierliche praktizierenden: das können Lernende im Jugendalter nicht sein.- Diesem Abgesang stehen etwa die Aussagen Paul Maars und Kaspar H. Spinners entgegen: -Es gibt ja durchaus Zitate, die belesene Kinder bestimmt verstehen. Nämlich immer dann, wenn in Kinderbüchern auf Gestalten und Themen aus dem Fundus der Kinderliteratur oder auf moderne Trivialmythen angespielt wird-, schreibt Maar und nennt Beispiele aus seinen eigenen Werken; in Spinners -Elf Aspekten literarischen Lernens- heißt es: -Zum literarhistorischen Bewusstsein gehört auch der Einblick in intertextuelle Zusammenhänge. Dies lässt sich schon in der Grundschule anbahnen, weil viele Kinderbücher auf frühere Texte, zum Beispiel auf Märchen, anspielen.- Um eine intertextuelle Kompetenz, die über den Textvergleich hinaus das ästhetische Spiel und das intellektuelle Vergnügen ins Zentrum rückt, soll es im Seminar gehen. Das Phänomen ‚Intertextualität‘ kann nämlich durchaus mit den Konzepten der Handlungs- und Produktionsorientierung oder des Literarischen Unterrichtsgespräches, aber auch mit Methoden der Medienerziehung oder analytischen Verfahren erfasst werden. Folgende Texte stehen auf dem Programm: Paul Maar: Eine Woche voller Samstage Paul Maar: Ein Sams für Martin Taschenbier Paul Maar: Sams im Glück Paul Maar: Der tätowierte Hund Uwe Timm: Der Schatz auf Pagensand Teresa Hanika: Rotkäppchen muss weinen Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und die Tieferschatten FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel SoSe 2012 Deutsch Zweitfach Germanistik/Deutsch Dr. Wicke Andreas