Uni-Siegen
14. März 2017Spanische Varietätenlinguistik
Wenn jemand von sich sagt, er studiere Spanisch, so bedeutet dies zunächst, dass er sich ganz intensiv mit der Variante (linguistisch: Varietät) des Spanischen befasst, die auch an den Schulen gelehrt und ansonsten in den meisten Bereichen des öffentlichen Lebens...
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Jetzt Lernplan erstellenWenn jemand von sich sagt, er studiere Spanisch, so bedeutet dies zunächst, dass er sich ganz intensiv mit der Variante (linguistisch: Varietät) des Spanischen befasst, die auch an den Schulen gelehrt und ansonsten in den meisten Bereichen des öffentlichen Lebens maßgebend ist - mit der spanischen Standardsprache also, die man im Sinne Coserius auch mit -die funktionelle Sprache Spanisch- bezeichnen könnte. Darüber hinaus muss er sich aber mit einer weiteren Dimension des Phänomens -Spanisch- beschäftigen, die - wiederum nach Coseriu - mit -die historische Sprache Spanisch- zu benennen wäre. Letzteres Konzept gibt Auskunft zu Fragen wie z.B. der nach dem Verhältnis von Standardsprache und Dialekten, auch hinsichtlich der zeitlichen Abfolge ihrer Entstehung, oder warum sich das in Situation A verwendete Spanisch von dem in Situation B verwendeten unterscheidet. Hier wird deutlich, dass -Spanisch- nichts Uniformes ist, auch wenn uns eine bestimmte Erscheinungsform des Spanischen - sein sprachlicher Standard, mit dem wir sehr häufig konfrontiert sind - dies suggerieren könnte. Das Konzept -historische Sprache- hilft uns, zu verstehen, aus welchen Varietäten sich das Gesamt-Phänomen Spanisch, eben die historische Sprache Spanisch, zusammensetzt und welche Architektur sich dahinter verbirgt bzw. was ein Diasystem ist. So werden auch Varietäten wie Jugendsprache und Spanglish zu behandeln sein.
Auswahl:
Abad Nebot, Francisco (1992): -Varietätenlinguistik des Spanischen/Lingüística variacional del español-, in: Holtus, Günter/Metzeltin, Michael/Schmitt, Christian (Hgg.): Lexikon der romanistischen Linguistik. Bd. VI,1. Tübingen: Niemeyer, 607-616.
Blasco Ferrer, Eduardo (1996): Linguistik für Romanisten. Berlin: Erich Schmidt.
Coseriu, Eugenio (1980): -'Historische Sprache' und 'Dialekt'-, in: Göschel, J./Ivi, P./ Kehr, K. (Hgg.): Dialekt und Dialektologie. Ergebnisse des internationalen Symposiums ‚Zur Theorie des Dialekts', Wiesbaden: Steiner, 106-116, Diskussion 116-122.
Flydal, Leiv (1951): -Remarques sur certains rapports entre le style et l'état de langue-, in : Norsk Tidsskrift for Sprogvidenskap 16, 240-257.
Kabatek, Johannes (2000): -La variation linguistique dans le domaine des langues romanes: théorie et réalité empirique-, in : Englebert (2000), 215-224.
Weinreich, Uriel (1954): -Is a Structural Dialectology Possible?-, in: WORD 10, 388-400.
Wesch, Andreas (72009): Grundkurs Sprachwissenschaft Spanisch. Klett: Stuttgart.
Romanistik - Sprachwissenschaft
Regelmäßige Teilnahme wird vorausgesetzt; 2 KP für Schluss-Klausur; 5 KP für in der vorlesungsfreien Zeit angefertigte Hausarbeit (ob mit vorherigem Referat oder nicht wird nach Absprache mit dem Dozenten festgelegt); auf Anregung des Dozenten hin können semesterbegleitend Aufgaben für 2 KP übernommen werden (Möglichkeiten begrenzt; individuell). Generell können auch 7 KP erworben werden (bei Kombination einer 2-KP- und der 5-KP-Variante).
Universität Siegen
WiSe 2011/12
Dr.
Jodl Frank