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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Intime Distanz Sprach und literaturgeschichtliche Aspekte brieflicher Kommunikation

Inhalt Vor wenigen Jahren noch wäre niemand auf die Idee gekommen, dass das eine SMS abschließende Kürzel HDL durchaus als ernstgemeinte Aussage emotionaler Nähe und Verbundenheit zu verstehen sein kann und nicht der Firmenname eines neuen deutschen Logistikunternehmens ist. Es...

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Inhalt Vor wenigen Jahren noch wäre niemand auf die Idee gekommen, dass das eine SMS abschließende Kürzel HDL durchaus als ernstgemeinte Aussage emotionaler Nähe und Verbundenheit zu verstehen sein kann und nicht der Firmenname eines neuen deutschen Logistikunternehmens ist. Es ist also zunächst gar nicht nötig, sehr weit in die Vergangenheit zu reisen, um deutlich zu machen, dass zwischenmenschliche Kommunikation in Schriftform bestimmten kultur- und epochenspezifischen Regeln folgt. Das bezieht sich sowohl auf die im engeren Sinne linguistische Ebene – auf den Wortschatz, auf die verwendeten Formeln, die syntaktischen Besonderheiten – wie auch auf die in solchen Texten verwendeten sprachlichen Bilder und Motive oder die Anspielungen auf entsprechende literarische Prätexte. Historische Distanz aber schärft bekanntlich den Blick und lässt Phänomene der Differenz wie der Kontinuität besonders deutlich hervortreten, weswegen wir in diesem Seminar literarische und 'echte' Briefe seit der Frühen Neuzeit analysieren werden. Das Seminar ist interdisziplinär angelegt, es sollen sowohl die linguistischen und sprachgeschichtlichen, wie auch die literatur- und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge des Entstehens und Wandels brieflicher Kommunikation seit dem 16. Jahrhunderts untersucht werden. Gemeint ist hier in erster Linie private Briefkommunikation, also zwischen zwei Menschen, die mit dem Brief eine räumliche oder soziale Distanz zu überbrücken suchen, die sie sonst vielleicht in einer Situation des Vier-Augen-Gesprächs herstellen könnten. Der Brief, so die Ausgangsthese, ist der Versuch, Intimität zu schaffen, wo sie eigentlich nicht möglich ist. Zu beschreiben wären hier zunächst die sprachlichen und kulturellen Rahmenbedingungen ausgewählter literarischer Briefe (eingelegt in Romane oder als Briefroman) und bestimmter historischer Briefkorpora, um dann die jeweiligen Kompositionskonventionen zu isolieren. Daran anschließend wollen wir dann zum einen versuchen zu verstehen, wie und warum sich briefliche Kommunikation verändert und in welcher Weise 'echte' und literarische Briefe in bestimmten kulturgeschichtlichen Settings miteinander interagieren. Und vielleicht verändert sich im Laufe des Semesters so auch unser Blick auf die heutige briefliche Kommunikation und ihre Entwicklungsformen, wie SMS oder Email. FB 02 Institut für Germanistik Leistung Der Besuch des Seminars setzt grundsätzlich die Bereitschaft voraus, sich – unabhängig davon, ob man einen Leistungsnachweis braucht oder nicht – an der Arbeit einer Projektgruppe zu beteiligen Die Arbeit in den Projektgruppen muss gleichmäßig verteilt sein. Dies muss auch in der Präsentation zum Ausdruck kommen. Leistungsnachweis durch Hausarbeit (Semesterarbeit, schriftliche Präsentation), durch mündliche Präsentation (Referat und mündliches Kolloquium) oder durch Projektarbeit. ‚Kleinere’ Leistungsformen wie der Erwerb von Schlüsselkompetenzen oder Teilnahmeschein sind auch möglich. Uni Kassel SoSe 2011 Germanistik/Deutsch Germanistik/Deutsch Prof. Dr. Ágel Vilmos