Uni-Dortmund
14. März 2017Hauptseminar Klassikerregie im Gegenwartstheater
Im aktuellen, 400 Seiten starken Statistik-Band -Wer spielte was?-, alljährlich herausgegeben vom Deutschen Bühnenverein, stehen die -Klassiker-, wie eigentlich in jeder Spielzeit, wieder einmal ganz oben: Die Liste der fast 4000 verschiedenen gespielten Werke an 500 deutschsprachigen Theatern wird einmal...
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Jetzt Lernplan erstellenIm aktuellen, 400 Seiten starken Statistik-Band -Wer spielte was?-, alljährlich herausgegeben vom Deutschen Bühnenverein, stehen die -Klassiker-, wie eigentlich in jeder Spielzeit, wieder einmal ganz oben: Die Liste der fast 4000 verschiedenen gespielten Werke an 500 deutschsprachigen Theatern wird einmal mehr von Goethes -Faust- angeführt, gefolgt von Shakespeares -Romeo und Julia- und Schillers -Die Räuber-. Das Interesse der Theater an der Neuinszenierung von Klassikern ist ungebrochen, ebenso wie auch das Interesse des Publikums, wie der Blick in die Besucherstatistiken zeigt.
Dass dabei keine Inszenierung desselben Stückes wie die andere ist, liegt unter anderem daran, wie sich die Regie seit dem frühen 20. Jahrhundert als eigene Kunstform etabliert hat, die der Aufführung ihren kreativen, zeitgenössischen Stempel aufdrückt. Das Verhältnis zwischen Text und Regie - oder auch zwischen der -Institution- Autor und dem den Zuschauern oft unbekannten Regisseur - ist dabei stets gut für Zündstoff, denn die Bandbreite der Klassikerregie im Theater des frühen 21. Jahrhunderts reicht von extremer Werktreue bis hin zu brachialen Bearbeitungen der literarischen Vorlage. In jeder Spielzeit stellen sich Regisseure und Dramaturgen also aufs Neue die Frage, welche Anknüpfungen an ein zeitgenössisches Interesse die Auseinandersetzung mit Klassikern ermöglicht und wie man sie künstlerisch umsetzen kann.
Das Seminar wird diesen Fragen am Beispiel aktueller Klassiker-Inszenierungen aus Dortmund und Umgebung nachgehen.
In diesem Sinne versteht sich das Seminar außerdem als Einführung in die berufliche Tätigkeit der Dramaturginnen und Dramaturgen: Als Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis ist die Dramaturgie innerhalb des Theaterbetriebs der klassische Arbeitsbereich für Geistes- und Kulturwissenschaftler. Das Spektrum dramaturgischer Tätigkeiten reicht dabei von Stück- und Inszenierungsbezogener Hintergrundrecherche über die konzeptionelle Zusammenarbeit mit Regisseuren, die Rolle des ständigen Gesprächspartners, Probenzuschauers und kritischen Reflektors künstlerischer Vorgänge bis hin zur Vermittlerfunktion zwischen Theater und Öffentlichkeit durch dramaturgische Einführungen, Werbung, Printmedien.
Das Seminar behandelt Lessings -Nathan der Weise-, Schillers -Die Räuber-, Shakespeares -Was ihr wollt- und - als Beispiel für eine dramatisierte epische Vorlage - Kleists Erzählung -Michael Kohlhaas- sowie die jeweiligen Inszenierungen dieser Werke an den Theatern in Dortmund, Bochum und Essen.
Die Texte sind in günstigen Reclam-Ausgaben erhältlich und sollten zu Seminarbeginn gelesen sein.
Der Besuch der Inszenierungen ist fester Bestandteil des Seminars und die Bereitschaft dazu ist Voraussetzung für die Teilnahme. Karten zu günstigen Konditionen können im Seminar erworben werden.
Texte:
William Shakespeare: Was ihr wollt
Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise
Friedrich Schiller: Die Räuber
Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas
Technische Universität Dortmund
SoSe 2012
Schröder Stefan