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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Konstruktionsgrammatik Construction Grammar HS SprWiss

Die grammatische Theoriebildung nimmt in der Regel eine bottom-up-Perspektive bei der Beschreibung und Erklärung von grammatischen Phänomenen ein, d. h. sie setzt bei elementaren Einheiten wie Wörtern, Morphemen oder Wortformen an und postuliert Kategorien, Relationen und Regeln, mit deren...

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Die grammatische Theoriebildung nimmt in der Regel eine bottom-up-Perspektive bei der Beschreibung und Erklärung von grammatischen Phänomenen ein, d. h. sie setzt bei elementaren Einheiten wie Wörtern, Morphemen oder Wortformen an und postuliert Kategorien, Relationen und Regeln, mit deren Hilfe diese zu größeren Einheiten (meist zu Sätzen) zusammengefügt werden können. Dieses Theorieformat hat allerdings offensichtliche Probleme bei einer Reihe von Phänomenen, etwa bei Resultativkonstruktionen (X (Peter) isst Y (den Teller) Z (leer)) oder bei syntaktisch regulären Phraseologismen (X bringt Y auf die Palme, X setzt Y in Bewegung). Hier setzt die Konstruktionsgrammatik (CG) - keine einheitliche Theorie, sondern eine Gruppe von verwandten Ansätzen - ein, die davon ausgeht, dass Sprachen aus einem strukturierten Inventar von atomaren bis sehr komplexen Sprachzeichen (Konstruktionen) bestehen, durch deren Kombinationen grammatische Strukturen beliebiger Größen hergeleitet werden können. Beispielsweise stellt nach der CG der Satz Peter isst den Teller leer nicht eine Zusammenfügung der elementaren Einheiten Peter, essen, d-, Teller und leer dar, sondern eher eine Kombination der atomaren und konkreten Konstruktion ‚X isst mit der komplexen und abstrakten Konstruktion ‚X bewirkt, dass Y Z wird. Für die CG gibt es demnach keine Dichotomie Lexikon vs. Grammatik, sondern nur Konstruktionen diverser Größen und Abstraktheitsgrades. Da sich die CG wissenschaftshistorisch als Gegenbewegung zu bottom-up-Theorien wie der generativen Grammatik formiert hat, müssen im Seminar (exemplarisch) Grundzüge und Beschreibungstechniken von bottom-up-Theorien diskutiert werden. Anschließend sollen diverse konstruktionsgrammatische Ansätze und Gegenstände erörtert und - an möglichst neuen, d. h. konstruktionsgrammatisch noch nicht aufgearbeiteten, grammatischen Phänomenen - empirisch erschlossen werden. Dabei soll immer der Frage nach Vor- und Nachteilen von traditionellen und konstruktionsgrammatischen Beschreibungen nachgegangen werden. Wichtigste Literatur Fischer, Kerstin/Stefanowitsch, Anatol (Hg.) (2007): Konstruktionsgrammatik. Von der Anwendung zur Theorie. Tübingen: Stauffenburg. Leistungsnachweis Der Besuch des Seminars setzt grundsätzlich die Bereitschaft voraus, (a) sich an der Arbeit einer Referatsgruppe zu beteiligen - unabhängig davon, ob man einen Schein erwerben will oder nicht - und (b) empirisch - mit Hilfe elektronischer Korpora - zu arbeiten. Die Arbeit in der Referatsgruppe muss gleichmäßig verteilt sein. Dies muss auch in der Präsentation zum Ausdruck kommen. Leistungsnachweis durch Referat und Hausarbeit/mündliche Prüfung. FB 02 Institut für Germanistik Der Besuch des Seminars setzt grundsätzlich die Bereitschaft voraus, (a) sich an der Arbeit einer Referatsgruppe zu beteiligen - unabhängig davon, ob man einen Schein erwerben will oder nicht - und (b) empirisch - mit Hilfe elektronischer Korpora - zu arbeiten. Die Arbeit in der Referatsgruppe muss gleichmäßig verteilt sein. Dies muss auch in der Präsentation zum Ausdruck kommen. Leistungsnachweis durch Referat und Hausarbeit/mündliche Prüfung. Uni Kassel WS 2008/2009 Germanistik HF Prof. Dr. Ágel Vilmos