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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Laboratory Sciences Das Labor in Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsforschung

Praktisch-technische Akte - nach antikem Verständnis nicht befähigt, Prinzipienwissen zu vermitteln - werden mit der Neuzeit zur bevorzugten Weise der Generierung wissenschaftlichen Wissens. Es formieren sich Laboratorien als spezifische Orte solcher epistemischen Praxen (Smith 2000, 2006). Im Zuge der Erweiterung...

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Praktisch-technische Akte - nach antikem Verständnis nicht befähigt, Prinzipienwissen zu vermitteln - werden mit der Neuzeit zur bevorzugten Weise der Generierung wissenschaftlichen Wissens. Es formieren sich Laboratorien als spezifische Orte solcher epistemischen Praxen (Smith 2000, 2006). Im Zuge der Erweiterung des wissenschaftsphilosophischen Aufmerksamkeitsbereichs auf die Berücksichtigung von heterogenen inhaltlichen Elementen (etwa practical und iconic turn) und kontextuellen Rahmenbedingungen (contextual oder cultural turn) der Genese von Wissen ist auch die Laborforschung zum Gegenstand der laboratory studies (Knorr Cetina), der laboratory history (Shapin/Schaffer; Kohler) oder der Wissenschaftsforschung (Latour/Woolgar; Latour) geworden. Wegen der sowohl unter historischen (Kohler) als auch unter systematischen (Knorr-Cetina) Vorzeichen deutlich werdenden Heterogenität der Laborforschung ist jedoch die Metaanalyse zum Labor bisher keinesfalls abgeschlossen. Auch zeichnen sich, obwohl gerade das Labor wesentliche Argumente für das Konzept einer disunity of sciences liefert, derzeit methodologische Grundzüge der Laborforschung ab, die weitere systematische Arbeit dringend erforderlich machen: Nach Hacking ist Laborforschung wegen ihrer selbststabilisierenden Qualität ein Garant für die Permanenz wissenschaftlichen Wissens. Nach Kohler repräsentieren neuzeitliche Laboratorien infolge Normierung und Standardisierung das Ideal von ortlosen Orten (-placeless places-) und werden damit zum Symbol für Universalität und Allgemeingültigkeit der wissenschaftlichen Methode. Nach Knorr-Cetina ermöglichen Labore als -gesteigerte- Umwelten eine Loslösung von der Vormacht des Gegebenen und eröffnen Wege zur Beherrschung, Modellierung und Manipulation von Naturobjekten. Zugleich gewinnen mit der Laborforschung jedoch nicht nur leibliche oder sensorische Interaktionen von Forschern und Forscherinnen mit deren (Forschungs-)Umwelten an Relevanz und es kommt zu einer Koproduktion von Gesellschaft und Natur (Knorr-Cetina), sondern vor allem erodieren in diesem Zusammenhang klassische Disjunktionen (wie die zwischen Akteuren und Sachen oder die zwischen natürlichen und technischen Entitäten) (Latour). Anhand eines Readers mit einschlägigen (auch englischsprachigen) Texten soll dieses neue Forschungsfeld der Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsforschung vorgestellt werden. FB 02 Institut für Philosophie Uni Kassel WiSe 2011/12 Philosophie FB 02 Institut für Philosophie Prof. Dr. Dr. Köchy Kristian