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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Moralischer Zufall

Zwei Menschen versuchen jeweils einen anderen umzubringen. Bei dem einen versagt der Abzug seiner Waffe, bei dem anderen nicht. Den einen verurteilen wir als Mörder härter als den anderen, auch wenn beide eine ähnliche Intention hatten, nämlich die, einen anderen...

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Zwei Menschen versuchen jeweils einen anderen umzubringen. Bei dem einen versagt der Abzug seiner Waffe, bei dem anderen nicht. Den einen verurteilen wir als Mörder härter als den anderen, auch wenn beide eine ähnliche Intention hatten, nämlich die, einen anderen Menschen umzubringen. Aber ist das eigentlich gerechtfertigt? Beispiele und Fragen wie diese haben Mitte der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts das Problem des so genannten moralischen Zufalls aufgebracht. Von -moralischem Zufall- oder -moralischer Kontingenz- spricht man, wenn man jemanden anscheinend korrekterweise moralisch lobt oder tadelt, obwohl das, wofür man ihn lobt oder tadelt, in großem Maße von Faktoren abhängt, die nicht in seiner Macht lagen. Ein Problem ist moralischer Zufall, da es einerseits so ist, dass die meisten Menschen davon überzeugt sind, dass man einen anderen Menschen nur für das verantwortlich machen darf, was dieser auch absichtlich getan hat, andererseits andere Menschen in vielen Fällen auch dann für eine Handlung oder einen Charakterzug verantwortlich machen, wenn diejenigen nur bedingt Kontrolle darüber hatten. Beides geht jedoch nur schwerlich zusammen. Im Seminar werden wir zuerst die beiden Ausgangstexten der Debatte – Bernard Williams’ -Moral Luck- und Thomas Nagels Aufsatz gleichen Titels – intensiv diskutieren. Danach werden wir aktuellere Ansätze besprechen, nach denen entweder das Problem des moralischen Zufalls nicht besteht oder nach denen dieses Problem eine grundlegende Revision unserer moralischen Praxis nach sich ziehen muss. Literatur: Ein Reader mit den entsprechenden Texten wird zu Beginn des Seminars zur Verfügung gestellt. Die meisten der zu besprechenden Texte sind in englischer Sprache verfasst, wobei einige in Übersetzungen vorliegt. FB 02 Institut für Philosophie Uni Kassel WiSe 2014/15 Lehrveranstaltungspool FB 02 Dr. Schnitker Jens