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Uni-München
14. März 2017

Hauptseminar Orientierung in der methodischen Vielfalt der AVL

Dieses Seminar richtet sich in erster Linie an Studierende, die sich im ersten Semester des MA-Studiengangs AVL befinden. Es geht davon aus, dass die Teilnehmer in ihrer ersten (typischerweise BA-) Studienphase Erfahrungen in verschiedenen

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Dieses Seminar richtet sich in erster Linie an Studierende, die sich im ersten Semester des MA-Studiengangs AVL befinden. Es geht davon aus, dass die Teilnehmer in ihrer ersten (typischerweise BA-) Studienphase Erfahrungen in verschiedenen 'Wissenskulturen' – seien es die von verschiedenen Fächern, seien es auch 'nur' die von verschiedenen Studienorten 'desselben' Fachs – gemacht haben, und soll diese Voraussetzungen miteinander konfrontieren. Als gemeinsame Grundlage wird eine Beschäftigung mit Sprechakten und deren Theorie vorgeschlagen, die vor allem von John Langshaw Austin in seinem Buch How to Do Things with Words? skizziert wurde. Wenngleich Austin nicht der erste und nicht der einzige war, der diese Frage gestellt hat – unter seinen Zeitgenossen wäre vor allem auch Ludwig Wittgenstein zu nennen –, hat er besonders prägnant zu einer Wiederentdeckung und Radikalisierung der alten rhetorischen Einsicht beigetragen, dass Sprechhandlungen mindestens ebenso sehr etwas bewirken wie sie etwas bedeuten. Jacques Derrida nennt unter den Themen, die er für das Curriculum einer 'unbedingten Universität' vorschlägt, daher nicht umsonst auch -das originelle und geniale Werk Austins-. Dessen Sprengkraft konnte weder durch das buchhalterische Verfahren von Austins selbsternanntem Erben John R. Searle noch auch durch die Inflation der Rede von der 'Performanz' neutralisiert werden. Dafür, die Sprechakttheorie gerade in der Literaturwissenschaft weiter zu diskutieren, gibt es vier Gründe: (1.) besteht Literatur selbst aus – für Lyrik, Fiktion und Drama zu unterscheidenden, jedenfalls aber schwerlich bloß 'parasitären' – Sprechakten; (2.) inszeniert und diskutiert die Literatur andere Sprechakte, von Abschwören bis Zweifeln; (3.) hat die Reflexion gerade der Literatur stets die Wirkungsdimensionen von Sprechakten betont; und (4.) sind die (noch hier in 1.-3. heuristisch beibehaltenen) Voraussetzungen zu diskutieren, mit denen etwas wie 'Literatur' von anderen Formen des Sprechens scheinbar trennscharf abgegrenzt wird; besonders aus diesem Grund ist hier auch die Expertise von Studierenden gefragt, deren erstes Studium nicht schwerpunktmäßig der Literatur galt. – Zur Vorbereitung: Erste oder erneute Lektüre von John L. Austin, How to Do Things with Words (Achtung: die deutschsprachige Ausgabe dieses Textes – Zur Theorie der Sprechakte, Stuttgart: Reclam, 1986 – weicht ziemlich stark von dem englischen Text ab); herumschweifende Lektüre in: Uwe Wirth (Hg.): Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2002; Austins (englischer) Text sowie weitere Texte werden auf lsf zur Verfügung gestellt. Ich bitte, Themenvorschläge – darunter gern auch solche, die sich am Rande der Literaturwissenschaft als Disziplin bewegen – und damit zugleich die Bereitschaft zur Mitverantwortung für einzelne Sitzungen bis 30.9. per Mail an stockhammer@lrz.uni-muenchen.de anzumelden; eine Rückmeldung erfolgt, in Sammelform, kurz vor Seminarbeginn. ECTS-Punkte: MA 12: 6 ECTS (mit Hausarbeit benotet) Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache LMU München WiSe 1415 Univ.Prof.Dr. Stockhammer Robert