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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar quot Der indiano die Kulturgeschichte einer Figur zwischen Spanien und Lateinamerika quot L3 Modul 15,17

Die Literatur- und Kulturgeschichte der indianos, jener Spanier, die nach Amerika emigrierten, und, nachdem sie dort ihr Glück gemacht haben, oftmals reich in ihre ehemalige Heimat zurückgekehrt sind, steht im Vordergrund des Hauptseminars und damit ihre Präsenz in vielen spanischen...

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Die Literatur- und Kulturgeschichte der indianos, jener Spanier, die nach Amerika emigrierten, und, nachdem sie dort ihr Glück gemacht haben, oftmals reich in ihre ehemalige Heimat zurückgekehrt sind, steht im Vordergrund des Hauptseminars und damit ihre Präsenz in vielen spanischen Texten von Cervantes bis Clarín, vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die historische Kontinuität des soziologischen Phänotyps indiano – so gibt es indianos im Grunde genommen schon seit dem Beginn der spanischen Eroberung, also seit der Wende zum 16. Jahrhundert, ist dabei ebenso bemerkenswert wie das spezifische Delegationsverhältnis, in dem sich der indiano mit Blick auf die spanische Gesellschaft befindet. Als ihr Repräsentant realisiert er stellvertretend bestimmte Erwartungshaltungen und Projektionen, die der Begriff sueño americano ('amerikanischer Traum') nur unzureichend zusammenfaßt, die jedoch allesamt mit der Vorstellung einer Transgression verbunden sind, die, einmal vollzogen, die gesellschaftliche Reintegration des zurückkehrenden indiano zu einer problematischen Angelegenheit macht. Der indiano ist ein Typus spanischer Provenienz aber internationaler Ausstrahlung vergleichbar dem ebenfalls in der frühen Neuzeit entstehenden Typ des pícaro, dessen Literatur- und Kulturgeschichte in einer gewissen Hinsicht das notwendige Komplement zur Geschichte der spanischen Auswanderung nach Lateinamerika (zwischen 1821-1932 verlassen ca. 5 Mill. Spanier ihre Heimat), ja zur Geschichte der europäischen Auswanderung nach Süd- und Nordamerika ist, deren Intensität im 19. Jahrhundert zunehmen und in deren Verlauf bis an den Vorabend der beiden Weltkriege mehr als 11 Millionen Menschen den Weg nach Südamerika antreten werden. Sie verspricht darüber hinaus Einblicke typologischer und struktureller Natur in die kulturellen Auswirkungen der Migrationsprozesse unserer globalisierten und postkolonialen Gegenwart. FB 02 Institut für Romanistik Uni Kassel WS 2006/2007 Romanische Philologie NF Prof. Dr. Gelz Andreas