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Uni-München
14. März 2017

Hauptseminar Römische Wohnkultur

Die Wohnkultur der römischen Kaiserzeit ist seit zwei Jahrzehnten Gegenstand einer intensiven Forschungsdiskussion. Dabei wird ‚Wohnen‘ nicht länger als statisches Phänomen angesehen, sondern als räumlich organisierte Lebensweise zu verstehen gesucht. Das römische Haus tritt als Schauplatz vielfältiger sozialer Beziehungen und...

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Die Wohnkultur der römischen Kaiserzeit ist seit zwei Jahrzehnten Gegenstand einer intensiven Forschungsdiskussion. Dabei wird ‚Wohnen‘ nicht länger als statisches Phänomen angesehen, sondern als räumlich organisierte Lebensweise zu verstehen gesucht. Das römische Haus tritt als Schauplatz vielfältiger sozialer Beziehungen und Aktivitäten in den Blick, an dem eine sehr heterogene Hausgemeinschaft ihr Zusammenleben gestaltete. Nachdem die Vorstellung von römischer Wohnkultur lange Zeit einseitig vom italischen Atrium-Haus geprägt worden war, ist klargeworden, dass es sehr viel vielfältigere Formen des Wohnens und dabei, abhängig von der sozialen und finanziellen Stellung der Bewohner, extrem unterschiedliche Wohnverhältnisse gab. Mit dem Bemühen um ein dynamischeres Verständnis von Wohnen ist auch der Glaube, aus Architektur, Dekoration und Kleinfunden unmittelbar Lebensweisen ablesen zu können, grundsätzlich ins Wanken geraten. Und es werden ganz verschiedene Aspekte des Wohnens untersucht, etwa die räumliche Organisation der diversen Aktivitäten des häuslichen Lebens und Arbeitens oder die Umnutzung und Umstrukturierung von Wohneinheiten zwecks Anpassung an sich verändernde Bedürfnisse. In den ersten Sitzungen werden wir uns (auch unter Einbeziehung relevanter Schriftquellen) mit grundsätzlichen Aspekten des Wohnens vertraut machen, um uns danach einigen besonders aussagekräftigen Fallbeispielen zuzuwenden. Dabei werden zunächst drei unterschiedlich große Stadthäuser in Pompeji betrachtet, um anhand dieser ungewöhnlich informationshaltigen Befunde etwas über die Organisation häuslichen Lebens unter verschiedenen sozialen Verhältnissen erfahren. Dann werden wir uns am Beispiel dreier unterschiedlich strukturierter Hauskomplexe in Pompeji, Herculaneum und Ostia mit dem weit verbreiteten und facettenreichen Phänomen des Wohnens zur Miete beschäftigen. Und schließlich werden wir uns drei repräsentative Stadthäuser in verschiedenen Provinzen des Reiches anschauen, um einen Einblick in regional unterschiedliche Formen des Wohnens zu bekommen. Ziel des Seminars ist es, einen exemplarischen Überblick über die Vielfalt an Wohnformen in der römischen Kaiserzeit zu gewinnen, sich mit dem aktuellen Stand der Forschungsdiskussion vertraut zu machen und dabei eigene Fragestellungen zu entwickeln. Einführende Literatur: • R. Laurence – A. Wallace-Hadrill (Hrsg.), Domestic Space in the Roman World. Pompeii and beyond, JRA Suppl. 22 (Portsmouth 1997) • W. Hoepfner (Hrsg.), Geschichte des Wohnens I: 5000 v. Chr. – 500 n. Chr. Vorgeschichte, Frühgeschichte, Antike (Stuttgart 1999) 609–678 (Pompeji). 679–736 (Rom und Ostia) • P. M. Allison, Using the material and written sources. Turn of the millennium approaches to Roman domestic space., AJA 105, 2001, 181–208 • S. Hales, The Roman House and Social Identity (Cambridge 2003) • C. Kunst, Leben und Wohnen in der römischen Stadt (Darmstadt 2006) • B. Bergmann, Housing and Households. The Roman World, in: S. E. Alcock – R. Osborne (Hrsg.), Classical Archaeology (Malden/ Mass. 2007) 224–243. Semesterplan: 23.10. Einführung und Verteilung der Referate I) Aspekte des Wohnens: 30.10. Zur Interpretierbarkeit von Fundkontexten: Erkenntnismöglichkeiten und Probleme Joch Lit.: P. M. Allison, Pompeian Households. An Analysis of Material Culture (Los Angeles 2004) (mit weiterer Lit.). 06.11. Lichtverhältnisse: Die Belichtung im römischen Wohnhaus Messner Lit.: H. Boman, Let there be light. Light in atrium houses in Roman Pompeii and Herculaneum, Vesuviana 3, 2011, 89–102 (mit weiterer Lit.); P. I. Schneider – U. Wulf-Rheidt (Hrsg.), Licht – Konzepte in der vormodernen Architektur (Regensburg 2011) 158–172. 173–182. 227–245. 13.11. Die Wasserversorgung römischer Wohnhäuser: Das Beispiel Pompeji De Vries Lit.: C. Ohlig, Neue Fakten zur Wasserversorgung Pompejis, in: P. E. Guzzo – M. P. Guidobaldi (Hrsg.), Nuove ricerche archeologiche a Pompei ed Ercolano (Neapel 2005) 278–294 (mit weiterer Lit.); H. Dessales, Le partage de l'eau. Fontaines et distribution hydraulique dans l'habitat urbain de l'Italie romaine (Rom 2013). 20.11. fällt aus II) Unterschiedliche Wohnformen in pompejanischen Stadthäusern: 27.11. Eine große domus und ihre Funktionsbereiche: Die Casa del Menandro in Pompeji (I 10, 4) Kirscheneder Lit.: H. Meller – J.-A. Dickmann, (Hrsg.), Pompeji, Nola, Herculaneum. Katastrophen am Vesuv (München 2011) (passim; mit weiterer Lit.). 04.12. fällt aus 11.12. Ein mittelgroßes Wohnhaus und seine Bewohner: Die Casa di Paquius Proculus in Pompeji (I 7, 1.20) Schmeck Lit.: W. Ehrhardt, Casa di Paquius Proculus (I 7,1. 20). Häuser in Pompeji 9 (München 1998); P. Kastenmeier, I luoghi del lavoro domestico nella casa pompeiana (Rom 2007) 121–123 (mit weiterer Lit.). 18.12. fällt aus 08.01.: fällt aus 15.01. Beengtes Wohnen in einem kleinen Stadthaus: Die Casa dei Cei in Pompeji (I 6, 15) Fuchs Lit.: D. Michel, Casa dei Cei (I 6, 15). Häuser in Pompeji 3 (München 1990); P. Kastenmeier, I luoghi del lavoro domestico nella casa pompeiana (Rom 2007) 120 f. III) Unterschiedliche Formen des Wohnens zur Miete: 17.01. (Nachholtermin, Beginn 9:15 Uhr): Verschiedene Wohnformen im Zusammenspiel: Die Insula Arriana Polliana in Pompeji Niederhuber Lit.: F. Pirson, Mietwohnungen in Pompeji und Herkulaneum. Untersuchungen zur Architektur, zum Wohnen und zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Vesuvstädte (München 1999) bes. 23–47. Verdichtetes Wohnen: Die Casa a Graticcio in Herculaneum (III 13-15) und ihre Einrichtung Lindemeier Lit.: F. Pirson, Mietwohnungen in Pompeji und Herkulaneum. Untersuchungen zur Architektur, zum Wohnen und zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Vesuvstädte (1999) 112–115; A. Wallace Hadrill, Herculaneum (Mainz 2012) 261–271 mit Abb. (mit weiterer Lit.). Ein Appartement-Komplex im Wandel: Die Case a Giardino in Ostia (III, IX) Herrmann Lit.: M. Heinzelmann, Die vermietete Stadt. Zur Kommerzialisierung und Standardisierung der Wohnkultur in der kaiserzeitlichen Grosstadtgesellschaft, in: R. Neudecker – P. Zanker (Hrsg.), Lebenswelten. Bilder und Räume in der römischen Kaiserzeit. Symposium Rom 2002 (Wiesbaden 2005) 113–128 bes. 121–124 (mit weiterer Lit.); A. Gering, Die Case a Giardino als unerfüllter Architektentraum. Planung und gewandelte Nutzung einer Luxuswohnanlage im antiken Ostia, RM 109, 2002, 109–140. IV) Repräsentatives Wohnen in den Provinzen: Ein Haus und seine Besitzerfamilie: Die Wohneinheit 6 des Hanghauses 2 in Ephesos Galusic Lit.: E. Rathmayr, Das Haus des Ritters C. Flavius Furius Aptus. Beobachtungen zur Einflussnahme von Hausbesitzern an Architektur und Ausstattung in der Wohneinheit 6 des Hanghauses 2 in Ephesos, IstMitt 59, 2009, 307-336; S. Ladstätter, Das Hanghaus 2 in Ephesos. Ein archäologischer Führer (Istanbul 2012) bes. 219–226 (mit weiterer Lit.). Ein Peristylhaus mit Souterrain: Die Maison d’Amphitrite in Bulla Regia Lit.: Y. Thébert, Les maisons à étage souterrain de Bulla Regia, CahTun 20, 1972, 17–44 ; M. Carucci, The Romano-African Domus. Studies in space, decoration, and function. (Oxford 2007)´118 f. (mit weiterer Lit.). 22.01. Die Maison à la Mosaïque de Vénus in Volubilis und ihre Ausstattung Colzani Lit.: S. Muth, Erleben von Raum - Leben im Raum. Zur Funktion mythologischer Mosaikbilder in der römisch-kaiserzeitlichen Wohnarchitektur (Heidelberg 1998) 402–405 Kat. A 45; M. Carucci, The Romano-African Domus. Studies in space, decoration, and function (Oxford 2007) 203 f. (mit weiterer Lit.). 29.01. Schlußsitzung Leistungsnachweis BA HF Archäologie : Der Leistungsnachweis wird über ein Referat (6 ECTS) ODER ein Referat und eine Hausarbeit (9 ECTS) erbracht. W3-Professur für Klassische Archäologie (Univ. Prof. Dr. Stefan Ritter) BA HF Archäologie : Der Leistungsnachweis wird über ein Referat (6 ECTS) ODER ein Referat und eine Hausarbeit (9 ECTS) erbracht. LMU München WiSe 1415 Prof.Dr. Ritter Stefan