Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Positionen der Wissenschaftstheorie Konstruktivismus Empirismus Realismus Überblick 20 Jahrhundert
Die Wissenschaftstheorie behandelt erkenntnistheoretische und methodologische Voraussetzungen der Naturwissenschaften. Dabei ging es lange in erster Linie um die Physik, in neuerer Zeit kamen die Biologie und die Hirnforschung hinzu. Im Zentrum steht schon seit dem Prozess gegen Galilei zu Beginn...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Wissenschaftstheorie behandelt erkenntnistheoretische und methodologische Voraussetzungen der Naturwissenschaften. Dabei ging es lange in erster Linie um die Physik, in neuerer Zeit kamen die Biologie und die Hirnforschung hinzu. Im Zentrum steht schon seit dem Prozess gegen Galilei zu Beginn der Neuzeit die Frage, wie sich naturwissenschaftliche Theorien auf die empirische Wirklichkeit beziehen - und inwieweit sich die Inhalte naturwissenschaftlicher Theorien in ein außer- oder vorwissenschaftliches Weltverständnis übersetzen lassen.
Im 20. Jahrhundert wurde die Wissenschaftstheorie zunächst durch den Sieg des logischen Empirismus (Rudolf Carnap, Hans Reichenbach, Moritz Schlick) über den Konstruktivismus der Marburger Neukantianer (Hermann Cohen, Paul Natorp, Ernst Cassirer) geprägt; dieser Sieg stand unter dem Eindruck der modenen Physik. Die Physiker vertraten eher einen wissenschaftlichen Realismus (Ludwig Boltzmann, Max Planck, Albert Einstein). Doch angesichts der wissenschaftlichen Revolutionen, die sich nicht nur in der Physik des 20. Jahrhunderts vollzogen, gewann später wieder eine tendenziell konstruktivistische Lesart naturwissenschaftlicher Theorien großen Appeal (Thomas S. Kuhn).
In der Lehrveranstaltung werden wir einerseits Texte wissenschaftstheoretischer -Klassiker- lesen, die eine konstruktivistische, empiristische bzw. realistische Sicht der Naturwissenschaften vertreten. Zur Ergänzung wird in Vorlesungsblöcken unter systematischen Gesichtspunkten die Frage behandelt, wer denn nun in welchen Hinsichten oder unter welchen Apekten Recht hat - denn einfache Antworten gibt es nicht; die naturwissenschaftliche Erkenntnis ist so komplex, dass ihr keiner der behandelten -Ismen- für sich genommen gerecht werden kann.
Die Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen, wird erwartet. Die behandelten Texte werden im EWS zur Verfügung gestellt.
Folgende meiner Lehrveranstaltungen sind zur thematischen Ergänzung geeignet:
142203 : Kants Theorie der Naturwissenschaft
142204: Grundbegriffe der Physik II: Von der probabilistischen Revolution zur Quantentheorie (mit W.Rhode)
Lektüre-Empfehlung zur Vorbereitung:
Rudolf Carnap, Philosophy of Physics. New York 1966. Dt.: Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaft. München 1969.
A.F.Chalmers, What is this thing called science? 3d edition Buckingham 1999. Dt.: Wege der Wissenschaft. Einführung in die Wissenschaftstheorie. Berlin 1986 (Springer).
Ian Hacking, Representing and Intervening. Cambridge 1983. Dt.: Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaft. Stuttgart 1996 (Reclam).
Thomas S. Kuhn, The Structure of Scientific Revolutions. 2nd edition, Chicago 1970. Dt.: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Frankfurt am Main 1976 (Suhrkamp, stw)
Erhard Scheibe: Die Philosophie der Physiker. 2., überarbeitete Auflage, München: Beck 2007.
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