Uni-Kassel
14. März 2017Hauptseminar Rudolfs von Ems Der guote Gerhard oder Was ist Altruismus
Der aus einem österreichischen Ministerialengeslschlecht stammende Rudolf von Ems (um 1200-1254) ist einer der produktivsten deutschsprachigen Autoren des 13. Jahrhunderts. Dennoch hat die Forschung sich seit Jahrzehnten lieber immer wieder neu mit den
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Jetzt Lernplan erstellenDer aus einem österreichischen Ministerialengeslschlecht stammende Rudolf von Ems (um 1200-1254) ist einer der produktivsten deutschsprachigen Autoren des 13. Jahrhunderts. Dennoch hat die Forschung sich seit Jahrzehnten lieber immer wieder neu mit den 'Klassikern' der Zeit um 1200 beschäftigt, statt sich den auch zeitgenössisch breit rezipierten Texten und Autoren zuzuwenden. Zwar gab es zwischenzeitlich einen Forschungstrend, sich verstärkt mit den 'nachklassischen' Literaturen zu beschäftigen, nachhaltig war dies jedoch nicht. Besondes gut lässt sich diese Problematik schon allein daran erkennen, dass keines von Rudolfs Werken in einer neueren Ausgabe, geschweige denn in einer neuhochdeutschen Übersetzung vorliegt. Dies ist umso unverständlicher, als beispielsweise mit dem Text, dem das Seminar sich widmen möchte, ein ganz außergewöhnlicher höfischer Roman vorliegt, in dem erstmals in der deutschen Literaturgeschichte ein Nichtadliger der Protagonist der Handlung ist. Der Kaufmann Gerhart nämlich ist hier kein Negativexempel, sondern wird dem Kaiser von Gott selber (!) als Beispiel eines gottesfürchtigen und uneigennützigen Menschen und Christen vorgehalten.
Wir werden im Seminar also zunächst versuchen, den Roman zu kontextualisieren, seine literatur- und kulturgeschichtlichen Rahmenbedingungen zu rekonstruieren und zu erklären, welche Rezeptionsangebote Rudolf seinem Publikum machte. Dann geht es in diesem Seminar um die Frage, was denn eigentlich Altruismus ist oder sein könnte. Denn es ist auffällig, dass Gerhart (bzw. sein Sohn) ein 'Opfer' bringt, davon aber mittelfristig durchaus profitiert, wenn der Kaiser ihm gewisse Privilegien im Rahmen der Handelstätigkeit zusagt. Einzuordnen ist diese Fragestellung in den Bereich der in der Mediävistik seit einigen Jahren sehr intensiv betriebenen historischen Emotionalitätsforschung. Zu analysieren sind demnach die verschiedenen narrativen Möglichkeiten, Innenräume zu konstruieren, in denen dann sowohl Reflexionsprozesse stattfinden, als auch Emotionsverläufe dargestellt werden können. Als Analyseinstrumentarium werden wir emotions-, kognitions- und evolutionspsychologische Modelle daraufhin befragen, ob sie für eine historische Literatur- und Kulturwissenschaft operationalisierbar sind.
LitWiss
Es gibt den Text von Rudolf nicht (!) in einer neuhochdeutschen Überstezung und die einzige verlässliche Asugabe ist auch schon etwas älter. Immerhin ist sie nach wie zu erhalten und noch nicht vergriffen:
• Rudolf von Ems: Der guote Gerhart. Hg. v. John A. Asher. 3., durchges. Aufl. Tübingen 1989 (ATB 56).
Schaffen Sie sich diese Ausgabe bitte bis spätestens zur zweiten Semestersitzung an!
Handbücher zu Rudolf oder seinen Roman gibt es nicht. Einen ersten Eindruck gibt der knappe Eintrag in der NDB oder im Verfasserlexikon.
Bemerkung
LitWiss
Leistungsnachweis
Alle Leistungsnachweise (Studienleistung oder Prüfungsleistung) gemäß B.A.-Studien- und Prüfungsordnung sind möglich.
FB 02 Institut für Germanistik
Alle Leistungsnachweise (Studienleistung oder Prüfungsleistung) gemäß B.A.-Studien- und Prüfungsordnung sind möglich.
Uni Kassel
SoSe 2014
Germanistik binational
Germanistik/Deutsch
Prof. Dr.
Mecklenburg Michael