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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Sprache und Identität im Deutschland der Frühen Neuzeit

Identität wird zu großen Teilen durch Sprache geprägt: unsere individuelle Identität (unsere Sprache lässt erkennen, wer wir sind) wie auch die Identität von Gruppen, denen wir angehören, seien es soziale Gruppen, mit ihrer je eigenen Sprache (z.B. Sprache der Bildungssschicht,...

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Identität wird zu großen Teilen durch Sprache geprägt: unsere individuelle Identität (unsere Sprache lässt erkennen, wer wir sind) wie auch die Identität von Gruppen, denen wir angehören, seien es soziale Gruppen, mit ihrer je eigenen Sprache (z.B. Sprache der Bildungssschicht, Sprache von Männern und Frauen usw.), seien es regionale Gruppen (die Hessen, die Deutschen usw.). Im Deutschland des 17. Jahrhunderts dient die Beherrschung des Hochdeutschen dem Bürgertum als Abgrenzung einerseits gegenüber der Sprache des -Pöbels-, andererseits gegenüber der als überfeinert empfundenen, ‚französelnden’ Sprache des Adels. Nach außen wird das Deutsche als -Haupt- und Heldensprache- gegenüber den romanischen Sprachen in Stellung gebracht, vor allem gegenüber dem Französischen. (Vermeintliche) Eigenschaften der Sprache werden auf die Sprecher übertragen: Das Deutsche gilt als -rein-, -natürlich-, -wahrhaftig-, ebenso wie seine (in der Nachfolge der Germanen gesehenen) Sprecher als -mannhaft- und -tugendsam- gelten, ganz anders als die Angehörigen romanischer Völker. Eine Gefährdung der Sprache, etwa durch französische Fremdwörter, gilt als Gefährdung der Identität und Integrität der deutschen Sprachgemeinschaft. Im Seminar werden Texte der Zeit gelesen, auch besteht die Möglichkeit, solche Texte mittels einer Datenbank eigenständig zu erschließen. Literatur zur Einführung: Andreas Gardt: Geschichte der Sprachwissenschaft in Deutschland. Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Berlin, New Yoork 1999 (Kap. 3.1-3.3); Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Band II: 17. und 18. Jahrhundert. Berlin, New York: de Gruyter 1994; FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WiSe 2011/12 Germanistik/Deutsch Germanistik HF Prof. Dr. Gardt Andreas