Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Identität und Differenz in der politischen Theorie
Identität und Differenz werden in der politischen Theorie häufig als zusammengehörende Begriffe gedacht. Identität steht nicht nur für eine Zugehörigkeit, eine Identischsetzung oder eine Übereinstimmung. Sie beinhaltet immer auch schon eine Abgrenzung von Anderen und zieht eine Grenze zum Nicht-Identischen,...
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Jetzt Lernplan erstellenIdentität und Differenz werden in der politischen Theorie häufig als zusammengehörende Begriffe gedacht. Identität steht nicht nur für eine Zugehörigkeit, eine Identischsetzung oder eine Übereinstimmung. Sie beinhaltet immer auch schon eine Abgrenzung von Anderen und zieht eine Grenze zum Nicht-Identischen, benennt indirekt eine Differenz. Ein Statement über eine Differenz setzt wiederum eine Vorstellung von einem Selbst, eine Identität voraus.
In der politischen Theorie dient der Diskurs zu Identität und Differenz der Definition von Konfliktlinien. Durch die Konstruktion von Identität sollen bestimmte politische Konflikte vermieden, durch die Abgrenzung von Anderen sollen dagegen schon mal Konflikte geschürt werden. In der Geschichte der politischen Theorie sind dem Begriff Identität höchst gegensätzliche Bedeutungen zugesprochen worden. Bei Rousseau stand Identität noch für die Idee einer homogenen Gemeinschaft, ein Volk, das mit sich identisch ist und sich somit selbst regiert. In der jüngeren Theoriengeschichte wurde daraus die Gleichsetzung von Regierenden und Regierten abgeleitet, die eine Identifikation der Massen mit einem Führer rechtfertigte und letztlich den Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur aufhob.
In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gilt die Verfassung eines demokratischen Rechtsstaats als die Identität bzw. als das Selbstverständnis dieses Rechtsstaates. Doch Identität wird auch als kollektives Selbstverständnis thematisiert, das Bürger und Bürgerinnen von der politischen Selbstbestimmung ihrer politischen Ordnung haben. Die postmoderne, postkoloniale und feministische Theorie hebt dagegen die Notwendigkeit hervor, nicht die Gemeinsamkeiten einer Nation, sondern die Differenz zwischen kulturellen, nationalen, religiösen, etc. Gruppen innerhalb von politischen Gemeinwesen anzuerkennen und ihr einen angemessenen Raum der Entfaltung zu gewähren.
Wir werden im Seminar mit Rousseau starten und uns anschließend den wichtigsten theoretischen Ansätzen des zwanzigsten Jahrhunderts zu Identität und Differenz zuwenden. Dabei soll die Entwicklung der unterschiedlichen Konzepte von politischer Selbstbestimmung in der Theoriegeschichte herausgearbeitet werden.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WS 2008/2009
Politikwissenschaften
Dr.
Ritter Claudia