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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Stummfilm und Literatur

Das Auftreten des Films hat auf vielen Ebenen in die Entwicklung der Literatur eingegriffen und verändert. Der kulturelle Anspruch, den das neue Medium stellte, zwang die verunsicherte Literatur zu einer poetologischen Diskussion, in deren Verlauf traditionelle Vorstellungen von Dichtung ebenso...

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Das Auftreten des Films hat auf vielen Ebenen in die Entwicklung der Literatur eingegriffen und verändert. Der kulturelle Anspruch, den das neue Medium stellte, zwang die verunsicherte Literatur zu einer poetologischen Diskussion, in deren Verlauf traditionelle Vorstellungen von Dichtung ebenso wie ältere Autorenkonzepte in Frage gestellt wurden. Das Spannungsverhältnis, in dem sich Literatur und Kino in der Stummfilmzeit befanden, erwies sich als durchaus fruchtbar, insoweit aus ihm eine aktive Auseinandersetzung um ästhetische Positionen beider Medien hervorging. Während Schriftsteller den Film als neues kreatives Arbeitsfeld für sich entdeckten und die Literatur sich ästhetisch am Film zu orientieren begann, wandte dieser ebenfalls sich mehr und mehr der Literatur zu, sei es, indem er renommierte Autoren für die Mitarbeit an Filmprojekten gewann, sei es, dass er auf bekannte literarische Werke zurückgriff und adaptierte. Dass der Film als „Stummfilm“ in dieses Wechselverhältnis zur Literatur trat, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Sprache als bislang unbestrittenes literarisches Ausdrucksmittel: sprachkritische Positionen konnten in die Kino-Debatte einfließen und wurden von einzelnen Filmproduktionen aufgegriffen. Das Seminar setzt sich zunächst mit dieser Kino-Debatte auseinander, behandelt dann frühe Arbeiten von Autoren für den Film und analysiert –nach den Epochen Expressionismus und Neue Sachlichkeit gegliedert – einzelne Filme, in denen Film und Literatur unterschiedliche intermediale Beziehungen eingegangen sind. Als Ergebnis sind vertiefte Erkenntnisse zu einer Mediengeschichte der Literatur und einer Literaturgeschichte des Films in dessen Stummfilmphase zu erwarten. Zur Lektüre in der vorlesungsfreien Zeit wird empfohlen: -Wolfgang Jacobsen u.a. (Hg.) Geschichte des deutschen Films. Stuttgart/Weimar: Metzler, 1. Aufl. 1993, Kapitel: Wolfgang Jacobsen: Frühgeschichte des deutschen Films, S. 13 – 38 und Anton Kaes: Film in der Weimarer Republik, S. 39 -100. -Harro Segeberg: Literatur im Medienzeitalter. Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft, 2005, Kapitel 1 und 2, S. 15 – 101. -Anton Kaes (Hg.): Kino-Debatte. Verhältnis von Literatur und Film. Tübingen: Niemeyer, 1978, Einführung, S. 1- 35. -Kurt Pinthus (Hg): Das Kinobuch 1. Aufl. 1913 (unterschiedliche Neuausgaben). - Heinz-B. Heller: Literarische Intelligenz und Film. Zu Veränderungen der ästhetischen Theorie und Praxis unter dem Eindruck des Films 1910 – 1930 in Deutschland. Tübingen: Niemeyer, 1985 (ausgewählte Kapitel) Ein Seminarapparat ist eingerichtet. BemerkungEine genaue Seminargliederung steht im Netz und hängt aus. Die Übernahme eines Referats ist Pflicht. Die Referatsthemen liegen im Sekretariat (Frau Neumeyer) aus; eine Eintragung für ein Thema wird bis zu Beginn der Vorlesungszeit erwartet. Die Eintragung bedeutet gleichzeitig die Anmeldung für das Seminar. Dreifaches unentschuldigtes Fehlen bei Seminarsitzungen bedeutet den Ausschluss vom Seminar, da damit eine erfolgreiche Teilnahme nicht mehr in Aussicht steht. FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WS 2007/2008 Prof. i.R. Seibert Peter i.R