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Uni-München
14. März 2017

Hauptseminar Vampirismus Fiktionale Passionen und Versatzstücke des Realen

Der Vampir – der auch unter Namen wie -Untoter-, -Nachzehrer-, -Upir-, -Grobnik- oder -Nosferatu- in Erscheinung tritt – ist keine neuere Mythengestalt. Im Gegenteil, der Vampir ist so etwas wie ein treuer Begleiter des Menschen, der durch alle Zeiten hindurch...

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Der Vampir – der auch unter Namen wie -Untoter-, -Nachzehrer-, -Upir-, -Grobnik- oder -Nosferatu- in Erscheinung tritt – ist keine neuere Mythengestalt. Im Gegenteil, der Vampir ist so etwas wie ein treuer Begleiter des Menschen, der durch alle Zeiten hindurch im Spiel mit dem Tod als Verlierer dasteht. Stephenie Meyers -Twilight--Romane, literarisierte Vampire im All oder im Kontext von Aids sind da nur zeitgemäße Adaptionen. Im Seminar soll eine dreifache Spurensuche aufgenommen werden. Erstens, die so genannten -Vampir-Epidemien- im osteuropäischen Raum des 18. Jahrhunderts, etwa in Serbien, Schlesien und Transsylvanien. Diese Gebiete bildeten den äußersten Rand des Habsburger Reiches und Preußens. Es kam zu medizinischen Untersuchungen und sogar zahlreiche Dissertationen wurden verfasst, die die Existenz des Vampirs belegen sollten. Zweitens, die Ebene der Literatur: Joseph Sheridan Le Fanus Erzählung -Carmilla- von 1872 verbindet auf traumatisch-psychologische Weise das Vampir-Motiv mit zwischenmenschlicher Sehnsucht und lesbischer Liebe. Bram Stokers -Dracula- von 1897 ist ein Mosaik von historischen, religiösen, psychologischen, technischen und eschatologischen Bausteinen: Das Bahnwesen, Schreibmaschinen, Bluttransfusion und Telepathie spielen ebenso eine große Rolle wie Pietà-Motive. Dazu kommt, dass mit Stokers -Dracula- die historisch verbürgte Person des Woiwoden Vlad III. Drculea (1431-1476/77) verbunden ist. Drittens, die Ebene des Films: 1992 realisierte Francis Ford Coppola -Bram Stocker’s Dracula-. Die – angeblich – Roman getreue Wiedergabe im Film beleuchtet so manch dunkle Stelle in Stokers Roman. -Only lovers left alive-, realisiert 2013 von Jim Jarmusch, versucht hingegen, traditionelle Elemente der Vampir-Existenz mit endzeitmäßiger Romantik zu verbinden. Die verschiedenen, oft disparat wirkenden Kunst-Motive des Vampir-Typus sozio-psychologisch und philosophisch-eschatologisch zu bündeln, ist das Ziel des Seminars. Für die Teilnahme am Seminar sind folgende Bücher zu kaufen: A) Bram Stoker: Dracula. Edited by Nina Auerbach and David J. Skal. Norton & Company: New York – London 1997ff. (Bitte nur diese Edition kaufen!) B) Joseph Sheridan Le Fanu: Carmilla. Zaglossus Klassik 2011. Alle weiteren Dokumente werden den Seminarteilnehmern in Kopie zur Verfügung gestellt. Erwartet wird regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, die Mitverantwortung für eine Sitzung zu übernehmen. ECTS: BA: 6 ECTS (mit Hausarbeit, benotet) MA: 6 ECTS (mit Hausarbeit, benotet/ mit Essays od. Referat, unbenotet) MA NF : P 2: 6 ECTS (ohne Hausarbeit, unbenotet) Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache LMU München SoSe 2015 Trojan Andreas