Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Von Liebe singen Zum Status des Lyrischen Ich in der Vormoderne

Kaum eine Interpretation von Goethes Gedicht -Willkommen und Abschied- kommt ohne einen Hinweis auf den Aufenthalt des Dichters im elsässischen Sesenheim und seine Liebesbeziehung zur Pfarrerstochter Friederike Brion (1770/71) aus. Hinter diesem Vorgehen steht unsere Annahme, im Gedicht spreche sich...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Kaum eine Interpretation von Goethes Gedicht -Willkommen und Abschied- kommt ohne einen Hinweis auf den Aufenthalt des Dichters im elsässischen Sesenheim und seine Liebesbeziehung zur Pfarrerstochter Friederike Brion (1770/71) aus. Hinter diesem Vorgehen steht unsere Annahme, im Gedicht spreche sich ein biographisches Subjekt unmittelbar aus, gieße seine Gedanken und Gefühle in eine lyrische Form der Aussage. Dieses -Lyrische Ich- wurde in der Forschung denn auch für vormoderne Epochen als selbstverständlich angenommen, und so kommt es dass man jahrzehntelang die Minnelieder der mittelhochdeutschen Autoren für das Ergebnis einer individuellen Liebesbeziehung der Dichter hielt, die von ihrer subjektiv empfundenen Liebe sangen. Als die Minnesangforschung diese Annahme dann kritisch hinterfragte, kam es zu einer recht radikalen Gegenbewegung, denn nun war das minnesängerische Ich nurmehr Rolle, waren die Ichaussagen lediglich Chiffren in einem System kultureller Praktiken. Inzwischen ist die Forschung zu einem wesentlich differenzierteren Bild gelangt, aber die Frage, wer denn nun eigentlich -Ich- sagt und was damit ausgedrückt sein soll, bleibt weiter umstritten. Das Seminar wird diese Frage nicht lösen, aber wir werden versuchen, dem Phänomen des lyrischen Ich, seinen dichterischen Präsentationen und den literaturtheoretischen Implikationen des Begriffs etwas näher zu kommen, um einen eigenen Standpunkt formulieren und verteidigen zu können. Textgrundlage des Seminars sind die beiden zweisprachigen Minnesang-Auswahlausgaben von Kasten und Wachinger: Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters. Edition der Texte und Kommentar von Ingrid Kasten. Übersetzung von Margeritha Kuhn. Frankfurt/M.: Deutsche Klassiker-Verlag 2005. Deutsche Lyrik des späten Mittelalters. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Burghart Wachinger. Frankfurt/M.: Deutscher Klassiker Verl. 2006. Als seminarbegleitende Handbücher empfehle ich: Schweikle, Günther: Minnesang. 2., korrigierte Auflage, Stuttgart [u.a.] 1995 (Sammlung Metzler 244). Hübner, Gert: Minnesang im 13. Jahrhundert. Eine Einführung. Tübingen 2008. (Narr Studienbücher). Bemerkung LitWiss HS FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WiSe 2010/11 Germanistik/Deutsch Deutsch Zweitfach Prof. Dr. Mecklenburg Michael