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Uni-Kassel
14. März 2017

Vertiefungsseminar Biographie als Material Oswald von Wolkenstein

Kaum eine populäre Darstellung des deutschen Mittelalters verzichtet auf die Präsentation des berühmten Autorporträts des Tiroler Dichters Oswald von Wolkenstein (ca 1375/78-1445). Das ist insofern kurios, als damit eine Ausnahmeerscheinung zum Signum der Epoche gemacht wird: Von den mittelalterlichen Autoren...

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Kaum eine populäre Darstellung des deutschen Mittelalters verzichtet auf die Präsentation des berühmten Autorporträts des Tiroler Dichters Oswald von Wolkenstein (ca 1375/78-1445). Das ist insofern kurios, als damit eine Ausnahmeerscheinung zum Signum der Epoche gemacht wird: Von den mittelalterlichen Autoren wissen wir in der Regeln so gut wie nichts, Autorenporträts gibt es höchstens in stilisierter Form (etwa die Dichterminiaturen in der großen Heidelberger Liederhandschrift), und Oswald ist nicht nur in dieser Hinsicht eine Ausnahme, sondern auch bezüglich seines Autorenprofils an der Wende vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit. Zahllose Urkunden geben uns Einblick in das Leben eines viel beschäftigten adligen 'Politikers', seine Lieder sind durchzogen von autobiografischen Anspielungen, die man früher umstandslos auf seine Lebensgeschichte bezogen hat. Inzwischen ist man sich einig, dass wir es hier häufig mit Selbststilisierungen zu haben, deren Grenzen allerdings schwer zu bestimmen sind. Doch gerade dieses Changieren zwischen Realitätsbezug und Stilisierung, Oswalds Wortgewalt und die variantenreiche Verarbeitung der mittelhochdeutschen Liedtradition faszinieren bis heute. Es wird im Seminar also darum gehen, vor dem Horizont der mittelhochdeutschen Lieddichtung und den darin sich abbildenden sozialen und mentalitätsgeschichtlichen Wandlungsprozessen, den Aspekt der 'Literarisierung von Autobiographischem' mit der Frage nach einer 'Biographisierung des Literarischen' zu konfrontieren. In methodischer Hinsicht bedeutet das eine kritische Auseinandersetzung mit kulturanthropologischen und geistesgeschichtlichen Theorieansätzen zur Entstehung des neuzeitlichen Individuums. Zu ersten Einführung: Cramer, Thomas: Geschichte der deutschen Literatur im späten Mittelalter. München 32000 (dtv 30779), S. 36- 38 u. 61-65. Wie immer sind Internet-Quellen und Wikipedia-Einträge immer kritisch und mit der nötigen Vorsicht zu rezipieren. Gerade im Falle von Oswald ist es sehr spannend zu sehen, was in solchen Medien eigentlich über ihn steht. Darum also die beiden folgenden Hinweise: http://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_von_Wolkenstein http://www.schlosstirol.it/ausstellungen/2011/ mit einem Link auf den virtuellen Ausstellungsrundgang Bemerkung LitWiss FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WiSe 2014/15 Germanistik binational Prof. Dr. Mecklenburg Michael