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Uni-Siegen
14. März 2017

Identifikation Medien Ich Bewusstsein und Gruppenbezug

In Form von Bildern, Klängen und Texten können wir einander zeigen, was wir sehen, hören und denken. Umgekehrt gilt aber auch: Medien formen unser Denken, unsere Wahrnehmung und unsere Affekte. Medien sind nicht lediglich Instrumente, die uns ermöglichen, unsere mentalen...

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In Form von Bildern, Klängen und Texten können wir einander zeigen, was wir sehen, hören und denken. Umgekehrt gilt aber auch: Medien formen unser Denken, unsere Wahrnehmung und unsere Affekte. Medien sind nicht lediglich Instrumente, die uns ermöglichen, unsere mentalen Zustände darzustellen, Medien wirken auch auf unsere mentalen Zustände zurück und konditionieren unsere Selbstwahrnehmung und unser Selbstkonzept. Wir können vor allem die Phänomene prägnant wahrnehmen, fühlen und bedenken, für die wir Worte haben, die wir schon einmal auf Bildern gesehen haben oder die uns klanglich vertraut sind. Und das uns Unbekannte und Neuartige bringen wir in Form der uns zur Verfügung stehenden Wörter, Bilder und Klänge auf einen gedanklichen Nenner. - Bewusstsein und Medialität verweisen aufeinander, sind aufeinander angewiesen, aber auch nicht absolut und logisch einsinnig aneinander gekettet. Was bedeutet das für den Begriff der Medien, die Praxis der Mediengestaltung, für die Medienkritik und Medienanalyse sowie für unsere Vorstellung von Mediengeschichte? Das Seminar -Identifikation. Medien, Ich-Bewusstsein und Gruppenbezug- untersucht diese zentrale Fragestellung der Medien- und Kommunikationswissenschaft unter dem Gesichtspunkt der Identifikation, eines Begriffs, der die Medien, das Ich-Bewusstsein und den Gruppenbezug gleichermaßen zentral betrifft: Identifikation bezeichnet einerseits die empathische, einfühlende, emotional engagierte Medienrezeption und andererseits bedeutet Identifikation die Selbstauffassung eines Ich-Bewusstseins als Teil einer bestimmten Gruppe (z.B. -ich bin vor allem ein Student, ich identifiziere mich mit dem Studentendasein-). Identifikationsprozesse konstituieren mediale und soziale Zugehörigkeit und Abgrenzung, mediale Intentionalität, individuelles Selbstbewusstsein und mediale Geltungsansprüche. Das Seminar erforscht, wie diese drei Aspekte in konkreten Medienangeboten und Mediennutzungsmustern ins Verhältnis gesetzt werden. Im Sinne einer theoretischen Grundlegung des Problems diskutieren wir zunächst zwei klassische, gleichsam prä-mediale Modelle des Selbstbewusstseins, nämlich Georg Friedrich Wilhelm Hegels Herrschafts-Knechtschafts-Dialektik und George Herbert Meads sozialpsychologisches Modell der Entstehung des Ich-Bewusstseins, um vor diesem Hintergrund und angestachelt durch das Hegelsche und Meadsche Reflexionsniveau zu überlegen, wie die spezifisch massenmedial konditionierte Form der Identitätsbildung und der Identifikation in Grundzügen zu verstehen ist. Im zweiten Teil des Seminars werden in exemplarischen Medienanalysen einige der typischen Identifikationsstrategien der Medien auf den Begriff gebracht und in ihren Wirkungspotenzialen erklärt: Wie provozieren Medien das Phänomen des Mit-Gefühls, das charakteristische Empfinden eines virtuellen Dabeiseins angesichts eines medial versinnlichten ‚Ereignisses'? Im dritten Teil des Seminars schließlich soll durch eine Reflexion auf die sozialen Aneigungspraktiken das Verhältnis zwischen den medialen Darstellungsstrategien und ihrer rezeptiven Übernahme bzw. Subversion thematisiert werden. Ziel des Seminars ist die Einübung der Auseinandersetzung mit anspruchsvoller Theorielektüre, die Analyse medialer Darstellungsformen mit Bezug auf soziale Rezeptionskontexte sowie die Reflexion des eigenen sozialen Orts in Bezug auf die Wirklichkeit der Medien. Medienwissenschaft, Bachelor, PO 2006 Universität Siegen SoSe 2011 Medienwissenschaftliches Seminar Dr. Venus Jochen