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Uni-Siegen
14. März 2017

Konstruktionen von Privatheit und Öffentlichkeit im 19 Jahrhundert

Privatheit und Öffentlichkeit bilden ein Begriffspaar, das seit über 100 Jahren unsere Sprache, unser Denken und unsere wissenschaftlichen Konzepte durchdringt. Während es in der frühen Neuzeit noch keine Trennung zwischen öffentlichem und privatem Bereich gab, setzte mit der Aufklärung eine...

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Privatheit und Öffentlichkeit bilden ein Begriffspaar, das seit über 100 Jahren unsere Sprache, unser Denken und unsere wissenschaftlichen Konzepte durchdringt. Während es in der frühen Neuzeit noch keine Trennung zwischen öffentlichem und privatem Bereich gab, setzte mit der Aufklärung eine Gegenüberstellung von öffentlichem Staats- und Erwerbsleben, der -feindlichen- Welt und dem häuslichen Bereich voller Frieden und Glückseligkeit im engen Kreis der Familie ein. Während die politische Öffentlichkeit sich zu einem Geflecht institutioneller und kommunikativer Regularien des öffentlichen Lebens ausdifferenzierte und sich die bürgerliche Öffentlichkeit durch diverse diskursive Infrastrukturen konstituierte, entwickelten sich gleichzeitig neue Praktiken des zurückgezogenen Privatlebens wie Hausmusik, Vorleseabende und Familienfeste. Auch das Wohnen im 19. Jahrhundert war geprägt durch eine Differenzierung der räumlichen Strukturen, die dem Bedürfnis nach der Trennung von Privatem und Öffentlichem Rechnung trugen. Die Kernfamilie trennte sich räumlich von den Bediensteten, es gab neben den Räumen zur öffentlichen Repräsentation Räume für den individuellen Rückzug, die Körperpflege wurde Privatsache. Den beiden Sphären der Öffentlichkeit und der Privatheit wurden dabei den verschiedenen Geschlechtern zugeordnet: Während die Frau als Hausfrau und Mutter für den privaten Bereich zu sorgen hatte, sollte der Mann in der Öffentlichkeit agieren. Die Unterteilung aller gesellschaftlichen Verhältnisse in eine private und eine öffentliche Sphäre wird heute für selbstverständlich und sinnvoll gehalten, doch je weniger dieses Konzept in der Gegenwart hinterfragt wird, umso mehr ist es nötig, seine Ursprünge und seine tatsächliche Umsetzung in der Geschichte zu untersuchen. Dabei werden sowohl Aspekte der Geistes- und Ideengeschichte, als auch der Kulturgeschichte als einer erweiterten Gesellschaftsgeschichte angesprochen. Geschichte - Neuere und Neueste Geschichte Die Studienleistung wird durch regelmäßige, aktive Teilnahme (vorbereitende Lektüre, Gruppenarbeiten, Diskussionen) und die Übernahme eines Referats erbracht. Die Prüfungsleistung kann in Form einer Hausarbeit erbracht werden, die bis zum 31. Januar 2016 eingereicht werden muss. Universität Siegen SoSe 2015 Dr. des. Mysliwietz Fleiß Daniela des