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Uni-Siegen
14. März 2017

Kritische Sozialwissenschaften Soziologische und politische Theorien der Gegenwart

-Die Wahrheit ist parteiisch und nur zugänglich, wenn man einen Standpunkt einnimmt, doch wird sie dadurch nicht weniger universell.- (Slavoj Zizek) Was ist und wozu betreiben wir noch Kritik? Kritik ist zwar eigentlich konstitutiver Bestandteil menschlicher Handlungen, angesichts gesellschaftlicher Verhältnisse,...

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-Die Wahrheit ist parteiisch und nur zugänglich, wenn man einen Standpunkt einnimmt, doch wird sie dadurch nicht weniger universell.- (Slavoj Zizek) Was ist und wozu betreiben wir noch Kritik? Kritik ist zwar eigentlich konstitutiver Bestandteil menschlicher Handlungen, angesichts gesellschaftlicher Verhältnisse, die so dargestellt werden als gäbe es zu ihnen keine Alternative und keine Entscheidungsspielräume, scheint die Möglichkeit von Kritik aber zu schwinden. Kritik hat keine Konjunktur. Auch nicht an Universitäten, wo die zeitgeistkonforme Praxisorientierung kurzfristigen Denkens allseits gewünscht wird und sich als beliebiges Power-Point-Lehrbuchwissen präsentiert. Nicht die kritische Reflexion und Diskussion ist gefragt, sondern das Positive, Pragmatische, Tolerante oder Bequeme. Kritik hingegen ist der methodisch-systematische Zweifel und Widerspruch. Kritische Wissenschaft sucht gültige Gewissheiten, ideenlosen Opportunismus oder technokratische Sachzwangrhetorik zu hinterfragen und die unreflektiert-naive Sicht der Alltagswelt zu überwinden. Ein voraussetzungsvolles Prinzip intellektueller Auseinandersetzung, das auf die praktische Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse gerichtet ist und die gesellschaftlich gesetzten Grenzen des Nachdenkens zu überschreiten versucht, macht sie vielen bereits verdächtig-unbequem, gibt damit aber auch bereits einen ersten Hinweis auf die Frage, warum und wie sich bestimmte Deutungs- und Identifikationsmuster in der Gesellschaft als hegemonial durchsetzen, im sozialen Habitus der Individuen verfestigen und ihr Handeln determinieren. Dabei ist eine kritische Sozialwissenschaft aber keinesfalls – wie oft fälschlicherweise angenommen – mit spezifischen (linken) politischen Strömungen oder parteipolitischen Ausrichtungen gleichzusetzen. Kritik kann eher als eine allgemeine Haltung bezeichnet werden, welche die grundlegende Frage einer Gesellschaft stellt: -Wie ist es möglich, daß man -nicht dermaßen, nicht von denen da, nicht um diesen Preis regiert- (Foucault) wird. Ziel des Seminars ist es einen Einblick in die sozialwissenschaftliche Theorienlandschaft zu geben und diese vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftspolitischer Ereignisse zu diskutieren. Hier werden wesentliche Denksysteme der Gegenwart behandelt und anhand zentraler Referenztheoretiker methodisch erschlossen. Bemerkung 1. Sitzung am 15.10. Soziologie - Allgemeine Soziologie I Leistungsanforderungen: Anwesenheitspflicht + Textkenntnisse + Referat + Hausarbeit. Universität Siegen WiSe 2012/13 6 Dr. A Jann Olaf 6 A