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Uni-München
14. März 2017

Lektürekurs Intensive Lektüre Drama Sophokles

Sophokles, Elektra Die Tat, die im Zentrum der sophokleischen Elektra steht, namlich die Rache des Orest fur die Ermordung seines Vaters Agamemnon, ist schon Gegenstand des alten Epos. In der Odyssee wird diese namlich erwahnt. Aber von Elektra ist dort...

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Sophokles, Elektra Die Tat, die im Zentrum der sophokleischen Elektra steht, namlich die Rache des Orest fur die Ermordung seines Vaters Agamemnon, ist schon Gegenstand des alten Epos. In der Odyssee wird diese namlich erwahnt. Aber von Elektra ist dort nicht die Rede. Elektra und die mit ihr verbundene Handlung, also vor allem die Wiedererkennung mit dem Bruder Orest, der zur Rache fur den ermordeten Vater fest entschlossen ist, ist sehr wahrscheinlich eine Erweiterung des Mythos durch die nachhomerische Epik. Sophokles hat die Gestalt der Elektra aus der nachhomerischen Epik ubernommen und sie als eine Figur auf die Buhne gebracht, die zwischen unterschiedlichen Gefuhlen schwankt: der Verzweiflung (die aus ihrer Situation am Atridenhof entsteht, wo sie von ihrer Mutter Klytaimnestra und von Aigisth wie eine Sklavin behandelt wird), der Hoffnung auf die Ruckkehr des Bruders Orest, der Einsamkeit (die durch die Abwesenheit des Bruders Orest und das konfliktreiche Verhaltnis zur Mutter gesteigert wird) und dem Wunsch nach Rache fur den ermordeten Vater. Schon Aischylos hatte in seinen Choephoren den Oreststoff durch die Rolle der Elektra erweitert. Doch erst Sophokles hat ihre Figur so vielseitig charakterisiert, dass der Titel Elektra gerechtfertigt ist, auch wenn Orest die Rachetat ausfuhrt. Indem Sophokles die Wiedererkennung der zwei Geschwister weit hinausgeschoben hat, hat er den geeigneten Spielraum geschaffen, in dem Elektra als selbstandige Figur handeln kann. Durch die Lekture ausgewahlter Passagen der Tragodie soll nicht nur die kunstvolle Art der Inszenierung des Sophokles erschlossen, sondern auch die Sprache des Tragodiendichters, deren maßvolle Zuruckhaltung einen Ausdruck der attischen Hochklassik vor Augen stellt, untersucht werden. Zur ersten Sitzung wird von den Teilnehmern erwartet, dass der Inhalt der Tragodie (aus einer Ubersetzung) bekannt ist und dass die V. 1-37 grundlich vorbereitet werden. Text: Sophoclis Fabulae, ed. H. Lloyd-Jones et N. G. Wilson, Oxonii 1990. Kommentare: Sophokles erklart von F. W. Schneidewin und A. Nauck, zehnte Auflage, besorgt von E. Bruhn, Berlin 1912 (alter Schulkommentar, immer noch sehr hilfreich); Sophocles: Electra, edited with Introduction. Translation and Commentary by J. March, Warminster 2001. Sekundarliteratur in Auswahl: H. Flashar, Sophokles. Dichter im demokratischen Athen, Munchen 2000; B. Zimmermann, Die griechische Tragodie, Munchen/Zurich 21992; J. Latacz, Einfuhrung in die griechische Tragodie, Gottingen 22003. Eine Kopiervorlage des Textes wird ab Mitte September in der Bibliothek gegenuber der Aufsicht ausliegen. Ebenso werden sich an gleicher Stelle Kopiervorlagen uber die wichtigsten Hintergrunde, die dem besseren Verstandnis des Dichters Sophokles sowie der Auffuhrungspraxis griechischer Tragodien dienen sollen, und eine Ubersicht uber den Inhalt der Elektra befinden. Department II - Griechische und Lateinische, Romanische, Italienische und Slavische Philologie, Sprachen und Kommunikation LMU München WiSe 1415 Dr. Casolari Sonders Federica