Uni-München
14. März 2017Lektürekurs Weltliteratur E T Hoffmann Die Elixiere des Teufels
1815 erschien der erste Band der -Elixiere des Teufels-, dem sicherlich ausführlichsten der Nachtstücke E.T.A. Hoffmanns (1776-1822). Anhand eines per Herausgeberfiktion gelieferten Bekenntnisdokumentes erfährt der/die Leser/in vom dubiosen Lebensweg des Kapuzinermönchs Medardus. Nach frevelhaftem Genuss des titelgebenden Reagenzes entwischt der...
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Jetzt Lernplan erstellen1815 erschien der erste Band der -Elixiere des Teufels-, dem sicherlich ausführlichsten der Nachtstücke E.T.A. Hoffmanns (1776-1822). Anhand eines per Herausgeberfiktion gelieferten Bekenntnisdokumentes erfährt der/die Leser/in vom dubiosen Lebensweg des Kapuzinermönchs Medardus. Nach frevelhaftem Genuss des titelgebenden Reagenzes entwischt der Glaubensbruder Kloster und Orden, um auf weltlichem Parkett durch wahlweise von Erbsünde oder von der defizitären, verbrecherischen Natur des Menschen arrangierte Verwicklungen zu balancieren. Mit Elementen des Schauerromans ausgestattet – Inspiration lieferte etwa G. E. Lewis‘ -The Monk- (1796) –, führen einerseits die vielfältigen Handlungsstränge des Textes durch die Grundzüge der phantastischen Literatur, und verweben andererseits viele von Hoffmanns Leib- und Magenthemen dergestalt, dass in ihnen bereits vorausgeworfene Schatten des modernistischen Erzählens auszumachen sind. Mit der Hervorhebung des Traumes, dem Auftritt von Doppelgängern, der Gegenüberstellung von Zufall und Schicksal, Reflektionen auf moderne Urbanität avant la lettre oder den vielseitigen Spielen mit Erzählinstanzen und Fiktionalität positioniert sich der Text jenseits des u.a. von Goethe prominent lancierten Stereotyps einer von Pathologien zersetzten Trivial- und Gespensterliteratur. So blieb es zunächst der internationalen Rezeption vorbehalten, insbesondere im angelsächsischen und französischen Raum, noch während des 19. Jahrhundert für die Nobilitierung dieses nicht nur düsteren, sondern auch mit Hoffmannesker Ironie versehenen Textes zu sorgen.
In behutsamer Lektüre werden wir erstens die jeweiligen poetischen Verfahren und punktuellen Besonderheiten rekonstruieren, mit denen der Roman seine Reize erzeugt, um zweitens anhand der anknüpfungsoffenen Bandbreite an Stoffen und Techniken, die uns dieser Klassiker serviert, die ebenso vielseitige Praxis litertaturwissenschaftlicher Textanalyse gemeinsam zu üben.
Hoffmanns Text liegt in verschiedenen zitierfähigen Ausgaben vor. Zur Anschaffung empfohlen wird in jedem Fall die vorbildlich edierte, kommentierte und auch erschwingliche Taschenbuchversion des Deutschen Klassiker Verlags:
E.T.A. Hoffmann: Die Elixiere des Teufels. Werke 1814-1816, hrsg. v. Hartmut Steinecke. Frankfurt a.M.: Deutscher Klassiker Verlag 2007. (= E.T.A. Hoffmann: Sämtliche Werke in sechs Bänden, Bd. 2/2, hrsg. von Hartmut Steinecke. Frankfurt a.M.: Deutscher Klassiker Verlag 1988).
Erwartet wird regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, die Mitverantwortung für eine Sitzung zu übernehmen.
ECTS-Punkte:
3 ECTS, unbenotet
SLK: 3 ECTS, benotet
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten.
LMU München
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Department I Germanistik Komparatistik Nordistik Deutsch als Fremdsprache