Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Hannover
14. März 2017

Literatur der Aufklärung 8211 Wege zum Selbstdenken

Das lange 18. Jahrhundert ist vor allem das Zeitalter der Aufklärung. Ein neuartiges Selbstbewusstsein des Individuums formiert sich, Vernunft und Toleranz werden als Errungenschaften einer zivilen Gesellschaft ausgerufen und entwickeln sich zu Wegbereitern für die Moderne. Für diese Umwälzungen sind...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Das lange 18. Jahrhundert ist vor allem das Zeitalter der Aufklärung. Ein neuartiges Selbstbewusstsein des Individuums formiert sich, Vernunft und Toleranz werden als Errungenschaften einer zivilen Gesellschaft ausgerufen und entwickeln sich zu Wegbereitern für die Moderne. Für diese Umwälzungen sind nicht nur politische, philosophische oder reformtheologische Bestrebungen verantwortlich, sondern im hohen Maße und in signifikanter Wechselwirkung auch die Literatur. Die Ausdifferenzierung vieler heute noch maßgeblicher literarischer Formen fällt in diese Epoche. Zu Beginn hat das Lehrgedicht seine große Zeit, flankiert von früher journalistischer Prosa in den Moralischen Wochenschriften. Satiren, Fabeln, Reisebeschreibungen und Kriminalgeschichten sind der Prosa-Spiegel der aufgeklärten Gesellschaft, während Lessing mit dem Bürgerlichen Trauerspiel das Drama weiterentwickelt. Die zentrale Gattung aber ist der Roman, der mit Sophie von La Roches -Fräulein von Sternheim- erstmals einer Frau zu Bestseller-Ruhm verhilft. Die dunkle Seite der Aufklärung, dem Optimismus und Vernunftstreben abgewandt, wird insbesondere durch Wezel (-Belphegor-) und Moritz (-Anton Reiser-) repräsentiert. Im Seminar werden verschiedene Werke der Epoche gelesen und auf ihre wirkungsästhetischen Intentionen hin überprüft. Zugleich gilt es den sich etablierenden Buchmarkt zu entdecken, Voraussetzung für einen funktionierenden öffentlichen Meinungsaustausch. Anleitung zur Ich-Repräsentation, Hinterfragung von Autoritäten, Emanzipation des Bürgertums – die literarischen Wege zum Selbstdenken im Zeitalter der Aufklärung können Vorbild für heutige Auseinandersetzungen des Individuums mit sich und der Gesellschaft sein. Für die Studienleistung ist die Mitgestaltung einer Sitzung (z.B. in Form von Impulsreferat, Thesenpapier/Handout, Moderation) erforderlich, für die Prüfungsleistung die Anfertigung einer wissenschaftlichen Hausarbeit im in der jeweiligen Prüfungsordnung festgelegten Umfang. Ein Reader wird bereitgestellt. Zur Einführung: Peter-André Alt: Aufklärung. Stuttgart, Weimar: Metzler 2001. Iwan-Michelangelo D’Aprile und Winfried Siebers: Das 18. Jahrhundert. Zeitalter der Aufklärung. Berlin: Akademie Verlag 2008. Deutsch, Master LA Gymnasium Teilnehmerzahl: 30. Universität Hannover SoSe 2015 Deutsch, Bachelor Tech. Edu. Dr. Antoine Annette