Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Siegen
14. März 2017

Literatur und Mediengeschichte des Ersten Weltkriegs

Der Erste Weltkrieg soll im Rahmen des Seminars als eine kulturelle, politische und soziale Zäsur profiliert werden, die das lange 19. mit dem kurzen 20. Jahrhundert verschränkt und somit ein langläufiges Narrationssujet für die Organisation und Relationierung unterschiedlichster Zeittendenzen zu...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Der Erste Weltkrieg soll im Rahmen des Seminars als eine kulturelle, politische und soziale Zäsur profiliert werden, die das lange 19. mit dem kurzen 20. Jahrhundert verschränkt und somit ein langläufiges Narrationssujet für die Organisation und Relationierung unterschiedlichster Zeittendenzen zu Verfügung stellt. Der Weltkrieg ist als ‚reales’ Ereignis wie als imaginäres Szenario ein Produkt und zugleich Produzent von Atavismen und Modernisierungsphänomenen, die vielgestaltige, Gleichzeitigkeiten und Ungleichzeitigkeiten artikulierende Selbstbeschreibungsformeln der Gesellschaft herausgefordert haben. So war der Krieg Folge, Ausdruck und Anlass einer umfassenden soziokulturellen Destabilisierungserfahrung, die im gesamten gesellschaftlichen Bereich Praktiken der politischen und symbolischen Konsolidierung, aber auch der forcierten Fortführung von Veränderungstendenzen nach sich gezogen hat. Literatur und Film haben die katastrophische Erfahrung des millionenfachen Sterbens in vielfältiger Weise ästhetisch bearbeitet. Vor diesem Hintergrund unternimmt das Seminar dem Versuch, im Fokus auf literarische und filmische Texte der Jahre 1914 bis 1934 die Formen gesellschaftlicher Disziplinierung und Subjektkonstitution, technisch-medialer Wirklichkeitskonstruktionen und (bio-)politisch-kultureller Formungen des Krieges zu entfalten. Zur Verhandlung steht nicht allein die Restrukturierung des Militärischen, sondern die Transformation der gesellschaftlichen Kontexte im Zuge medial, sozial und politisch bestimmten Wandels, die sich – um es mit Heinz Dietrich Kittsteiner zu formulieren – als ein Verflechtung von evolutiver und heroischer Moderne begreifen lassen. Primärliteratur: Walter Flex, Der Wanderer zwischen beiden Welten, München 1914. Edlef Koeppen, Heeresbericht, Berlin 1930. Arnolt Bronnen, O.S., Berlin: 1929. Ernst Jünger: In Stahlgewittern [1920/1978] 31. Aufl., Stuttgart: Klett Cotta 1988. Franz Kafka: Der Bau (1928), in: Ders., Nachgelassene Schriften und Fragmente 2. Herausgegeben von Jost Schillemeit, Frankfurt a.M. 1992, S. 576-632. Filme: Im Westen nichts Neues (USA 1930, R: Lewis Milestone) Wege zum Ruhm (USA 1957, R: Stanley Kubrick) Die Schlacht an der Somme (GB 1916) Sekundärliteratur: Julia Encke: Augenblicke der Gefahr. Der Krieg und die Sinne 1914-1934, München: Fink 2005. Heinz Dieter Kittsteiner: Wir werden gelebt. Formprobleme der Moderne, Berlin 2005. Lars Koch: Der Erste Weltkrieg als Medium der Gegenmoderne. Zu den Werken von Walter Flex und Ernst Jünger, Würzburg 2006. Klaus Theweleit: Männerphantasien. Bd. 1 und 2, Basel, Frankfurt am Main: Stroemfeld / Roter Stern 1986. Paul Virilio: Krieg und Kino. Logistik der Wahrnehmung [1984], München: Hanser 1986. Niels Werber: Die Geopolitik der Literatur. Eine Vermessung der medialen Weltraumordnung, München: Hanser 2007. Germanistisches Seminar Universität Siegen WiSe 2012/13 Dr. Koch Lars