Uni-Siegen
14. März 2017Männlichkeiten in populärer Musik und Kultur
Die Ansicht, dass Männlichkeit keine singuläre Eigenschaft ist, sondern nur im Plural existiert, hat sich spätestens seit den soziologischen Arbeiten von R. W. Connell in den Gender Studies etabliert. Davon ausgehend ist leicht zu erkennen, dass in populärer Musik und...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Ansicht, dass Männlichkeit keine singuläre Eigenschaft ist, sondern nur im Plural existiert, hat sich spätestens seit den soziologischen Arbeiten von R. W. Connell in den Gender Studies etabliert. Davon ausgehend ist leicht zu erkennen, dass in populärer Musik und den zu ihr gehörenden Kulturen beständig diverse Männlichkeiten performiert und transformiert, aber auch affirmiert, karikiert und kritisiert werden. Traditionelle, heteronormative Vorstellungen (Bilder) von Männern und Männlichkeit, wie sie noch dem Begriff Cock Rock (S. Frith / A. McRobbie) zugrunde liegen, werden von Künstlern wie David Bowie, den Village People, den Pet Shop Boys, Marilyn Manson oder Conchita Wurst infrage gestellt; auch schon früher tauchen queere Lesarten der tradierten dualistischen Geschlechternormen in Genres wie Kabarett oder Blues in Erscheinung.
Kulturwissenschaftliche Ansätze der Masculinity Studies stehen indes vor der Herausforderung, sich über die allseits bekannten Stars und ihre mal mehr, mal weniger subversiven Auftritte hinaus mit der größtmöglichen Bandbreite an Männlichkeiten in populärer Musik, ihren Performanzen und Diskursen auseinanderzusetzen. Dazu gehören z.B. auch Erscheinungsformen von Machismo und Hypermaskulinität, die in residualen oder in dieser Hinsicht vordergründig konservativen Kulturen wie Gangsta Rap oder Metal jeweils verschiedenartige Gestalt annehmen. Es gehören Aspekte von Sound ebenso dazu wie audiovisuelle Inszenierungen, mediale Interaktionen, subkulturelle Praktiken und diverse Formen der Aneignung durch Konsumenten und Konsumentinnen. Zu fragen ist nach dem Verhältnis von Männlichkeit und Weiblichkeit, z.B. inwiefern sich Empowerment-Strategien im Sinn von »female masculinity« (J. Halberstam) in Phänomenen populärer Musikkultur niederschlagen. Es bleibt aber auch zu fragen, wo und inwiefern Männlichkeiten nach wie vor mit hegemonialen Strukturen verknüpft sind. Nicht zuletzt steht jede Dichte Beschreibung von Kulturphänomenen vor der Herausforderung, sich mit Zuschreibungen von Männlichkeit zu spezifischen Stilen, Praktiken, Äußerungen und Einstellungen auseinanderzusetzen. Raumgreifende Bewegungen und Posen, sexistische Lyrics, virtuoses Instrumentalspiel, Kontrolle über Technologien, Plattensammeln, aggressives Tanzen etc. können als männlich assoziiert werden und bieten demnach diverse Anknüpfungspunkte zur Performanz und (De-)Konstruktion männlicher, weiblicher und Transgender-Identitäten.
Die Ringvorlesung soll also ein Versuch sein, Männlichkeiten in populärer Musik und Kultur in möglichst großer Vielfalt und unter Berücksichtigung vielfältiger interdisziplinärer Perspektiven zu diskutieren. Als Teil eines Bildungsangebots soll die Vorlesung last but not least dazu anregen, über Implikationen von popular musical masculinity studies für Bildungsprozesse nachzudenken.
19.04.16
Prof. Dr. Florian Heesch (Universität Siegen):
Populäre Musik und Männlichkeit. Eine Einführung
26.04.16
JProf. Dr. Gregor Schuhen (Universität Siegen):
Fast & Furious & Female. Wie männlich sind autofahrende Frauen?
Laura Patrizia Fleischer (Universität Siegen):
Trucks and beers and girls and then more trucks: Männlichkeitskonzepte im US-amerikanischen New Country
03.05.16
Prof. Dr. Marion Gerards (Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen):
Musik macht männlich? Zur Inszenierung von Maskulinität in inklusiven Musikbands
10.05.16
Prof. Dr. Joseph Imorde (Universität Siegen):
Haarkulturen. Zur Geschichte des männlichen Bartes
(17. Mai)
Pfingsten Vorlesungsfrei
24.05.16
Prof. Dr. Michael Rappe (Hochschule für Musik und Tanz Köln):
Männlichkeiten in Black Music
31.05.16
Univ.-Ass. Dr. Rosa Reitsamer (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien):
Männlichkeiten im Hip Hop
07.06.16
Prof. Dr. Hanjo Berressem (Universität zu Köln):
-20th Century Boy (I wanna be your toy):- Glitzer Glamour Gender
14.06.16
Prof. Dr. Rafaela Averkorn (Universität Siegen):
Transición und Movida Männlichkeitsdiskurse und populäre Musikkultur in Spanien
21.06.16
Dr. Katrin Losleben (Universität Bayreuth, Forschungsinstitut für Musiktheater):
Verdammt. Ich kann mich an nichts erinnern (Auto-)Biographien von Musiker*innen
28.06.16
Dr. Uta Fenske (Universität Siegen):
Männlichkeiten im zeitgenössischen französischen Kino die Filme von François Ozon
05.07.16
Prof. Dr. Michael Meuser (Technische Universität Dortmund):
(Neu-)Verhandlungen von Männlichkeit in Jugendkulturen und Szenen
12.07.16
Prof. Dr. Nils Werber (Universität Siegen):
Pop hoch 3: Popliteratur Popmusik Pop masculinity
19.07.16
Klausur
Leistungsnachweis
Für die Anrechnung von 3 KP wird am letzten Termin eine Klausur geschrieben.
Musik
Für die Anrechnung von 3 KP wird am letzten Termin eine Klausur geschrieben.
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Prof. Dr.
Heesch Florian