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Uni-München
14. März 2017

Masterseminar Spektakuläre Katastrophen

Spektakuläre Katastrophen VIU 23.-25.2.2015 Gegenstand des Seminars ist die spannungsreiche Verbindung, die Katastrophen und Spektakularität in ästhetischen, politischen und anderen kulturellen Praktiken eingehen. Impliziert ist dabei die These, dass Katastrophen einerseits eine Tendenz zur spektakulären Zur-Schau-Stellung, umgekehrt aber auch spektakuläre...

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Spektakuläre Katastrophen VIU 23.-25.2.2015 Gegenstand des Seminars ist die spannungsreiche Verbindung, die Katastrophen und Spektakularität in ästhetischen, politischen und anderen kulturellen Praktiken eingehen. Impliziert ist dabei die These, dass Katastrophen einerseits eine Tendenz zur spektakulären Zur-Schau-Stellung, umgekehrt aber auch spektakuläre Inszenierungen eine besondere Affinität zur katastrophischen Wendung besitzen. Vor dem Hintergrund des 20. Jahrhunderts – dem -Katastrophenzeitalter- (Hobsbawm) –, in dem sich die Katastrophe zunehmend zu einem Dauerzustand verstetigt hat, wollen wir die moderne Vorgeschichte des Katastrophen-Begriffs und des damit verbundenen Natur-, Politik- und Geschichtsverständnis ergründen und fragen, wie vor allem in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts Katastrophen narrativisiert und in Szene gesetzt werden. Es steht zu vermuten, dass das literarische Interesse an der Katastrophe in der modernen Literatur mit der Entwicklung neuer Formen der Mediatisierung, insbesondere der Theatralisierung von Katastrophen einhergeht, aber auch mit der kritischen Reflexion auf die kulturellen Zurichtungen von ungewöhnlichen Ereignissen zu Katastrophen – eine Reflexion, die auch für die aktuelle kulturtheoretische Beschäftigung mit Katastrophen noch grundlegend ist. Für das 18. Jahrhundert stehen maßgeblich die erschütternden Erfahrungen des Erdbebens von Lissabon 1755 und der weniger bekannten, aber nicht weniger verheerenden Erdbeben in Kalabrien und Messina von 1783, die philosophisch zu einer radikalen Absage an die Theodizee geführt haben; für das 19. Jahrhundert die revolutionären Umwälzungen, die häufig in Termini einer Naturkatastrophe reflektiert worden sind, letztlich aber genau die Unterscheidung zwischen natürlichen und ‚von Menschen gemachten‘ Katastrophen problematisieren. Das Seminar wird als Blockseminar auf dem Campus der -Venice International University- in Venedig stattfinden, es erfordert große Lektürebereitschaft und umfassende Vorbereitung. Die Teilnehmerzahl des Seminars ist begrenzt, die Auswahl erfolgt durch ein zweiseitiges Motivationsschreiben, das spätestens am Wochenende nach dem Termin der ersten Vorbesprechung einzureichen ist (bei der Vorbesprechung wird auch über die voraussichtlichen Unkosten für Reise und Unterkunft informiert). Die Teilnahme an den Vorbesprechungen ist verpflichtend, zusätzlich zu dem Blockseminar besteht im März 2015 die Gelegenheit zur freiwilligen Teilnahme an einer internationalen Tagung zum gleichen Thema. Auf dem Programm stehen folgende literarische Texte: • Voltaire, Candide • Kleist, Das Erdbeben von Chili • Balzac, La Peau de chagrin (Ausschnitte) • Flaubert, L’Education sentimentale (Ausschnitte) • Flaubert, Bouvard et Pécuchet (Ausschnitte) • Zola, Nana (Ausschnitte) • Verne, L’éternel Adam Literatur zur Einführung: • Braungart, Georg (2000): -Apokalypse in der Urzeit. Die Entdeckung der Tiefenzeit in der Geologie um 1800 und ihre literarischen Nachbeben-. In: Jochen Mecke/G. Leinsle (Hg.): Zeit – Zeitenwechsel – Endzeit. Zeit im Wandel der Zeiten, Kulturen Techniken und Disziplinen. Regensburg: Universitätsverlag, 107-120. • Briese, Olaf/Timo Günther (2009): -Katastrophe. Terminologische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft-. In: Archiv für Begriffsgeschichte 51, 155-195. • Lauer, Gerhard (2008) (Hg.): Das Erdbeben von Lissabon und der Katastrophendiskurs im 18. Jahrhundert. Göttingen: Wallstein. • Mercier-Faivre, Anne-Marie/Chantal Thomas (2008) (Hg.): L’invention de la catastrophe au XVIIIe siècle: du châtiment divin au désastre naturel. Geneve: Droz. • Rudwick, Martin (1992): Scenes from Deep Time. Early Pictorial Representations of the Prehistoric World. Chicago/London: Chicago University Press. • Dupuy, Jean-Pierre (2002): Pour un catastrophisme éclairé. Quand l’impossible est certain. Paris: Points essais. Anmeldung bitte auch direkt bei Judith Kasper:judith.kasper@lmu.de Vorbesprechung: Donnerstag, 23. Oktober 18-20 h Ludwigstr. 25 Raum 107 Department II - Griechische und Lateinische, Romanische, Italienische und Slavische Philologie, Sprachen und Kommunikation B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München WiSe 1415 Dr. Kasper Judith