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Uni-Siegen
14. März 2017

Medien und Gedächtnis

Gegenstand/Lernziel: Die Auseinandersetzung mit Konzepten von kulturellem, kollektivem, kommunikativem Gedächtnis und Erinnerungskulturen/-politiken wird seit den 1980er Jahren zu einem zentralen Diskursgegenstand der Kulturwissenschaften. Ausgelöst etwa von Tendenzen zur Rückschau auf das zu Ende gehende 20. Jahrhundert oder durch einschneidende historische,...

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Gegenstand/Lernziel: Die Auseinandersetzung mit Konzepten von kulturellem, kollektivem, kommunikativem Gedächtnis und Erinnerungskulturen/-politiken wird seit den 1980er Jahren zu einem zentralen Diskursgegenstand der Kulturwissenschaften. Ausgelöst etwa von Tendenzen zur Rückschau auf das zu Ende gehende 20. Jahrhundert oder durch einschneidende historische, politische oder technologische Wandlungsprozesse. Gedächtnis und Erinnerung sind darüber hinaus konstitutive Medien der gesellschaftlichen Selbstbeschreibung und Selbstbeobachtung. Gesellschaften brauchen Selbstbeschreibungen, um sich ihrer gegenwärtigen Form zu vergewissern und sie als Konsensmodell politisch ins Werk zu setzen. Sie ermöglichen, wie Niklas Luhmann betont, »in der Gesellschaft zwar nicht mit der Gesellschaft, aber über die Gesellschaft zu kommunizieren«, also Gesellschaft über sich selbst aufzuklären. Gesellschaften brauchen dazu prägnante Formeln zur Selbstbeschreibung, um eine möglichst große Anschlussfähigkeit zu ermöglichen. Gesellschaft ist wesentlich auf zwei Modi des selbst beschreibenden und selbst beobachtenden Vergangenheitsbezugs verwiesen: auf die wissenschaftlich-historische Forschung und auf das mediengestützte kulturelle Gedächtnis. Gerade die Entwicklung der Computertechnologie bietet neue Möglichkeiten der Speicherung und Verfügbarkeit von Wissen mit sich. In diesem Kontext stellen sich Fragen nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten menschlicher und elektronischer Gedächtnisse. Im Seminar werden die zuvor skizzierten Themenfelder aus kultur-, medien- und sozialwissenschaftlicher Perspektive sowie fallorientiert diskutiert. Hierbei werden Gedächtnisdiskurse stets auf ihre Medienkonzepte hin gelesen, d.h. die wechselseitigen Bezugnahmen von Gedächtnis und Medien fokussiert. Douwe Draaisam betont entsprechend: »Unsere Auffassungen über den Hergang des Erinnerns werden von den Verfahren und Techniken gespeist, die wir für das Konservieren und Reproduzieren von Informationen erfunden haben.« Das Seminar gliedert sich in sechs Abschnitte: I. Gedächtniskonzepte (Kollektives Gedächtnis, Kulturelles Gedächtnis, Kommunikatives Gedächtnis, Mediatisiertes Gedächtnis) II. Das Archiv als Gedächtnisort? III. Erinnerungskulturen. Am Beispiel: Populäre Kultur und soziales Gedächtnis IV. Vom Vergessen V. Das Internet als Archiv, Speicher und digitales Nirvana. Am Beispiel: Anti-Globalisierungsbewegung VI. Medialisierte Erinnerungspolitik. Am Beispiel: RAF/Deutscher Herbst Anforderungen: Im Zentrum des Seminars stehen Textarbeit und Theoriediskussion sowie die Auseinandersetzung mit Fallbeispielen. Es wird daher von allen Teilnehmern erwartet, dass sie regelmäßig am Seminar teilnehmen, die jeweilige Basislektüre gründlich vorbereiten, sich aktiv an der Diskussion beteiligen, sich über das Seminar hinaus mit dem Thema »Medien und Gedächtnis« befassen, eigene Recherchen in die Diskussion einbringen und bereit sind, eine Seminarpräsentation zu übernehmen. Basisliteratur: Ein virtueller Reader mit allen Texten, die im Seminar behandelt werden, sowie weiteren Seminarunterlagen, werden auf Moodle zur Verfügung gestellt. Medienwissenschaft Universität Siegen 20102 WiSe 2010/11 Dr. Kleiner Marcus S