Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Siegen
14. März 2017

Menschenwürde zwischen Universalismus und Kulturrelativismus Eine Diskursanalyse

Menschenwürde und das zugrunde liegende Konzept werden inflationär gebraucht, lautet eine häufig vorgebrachte Kritik an der Verwendung des Würdebegriffs. Besonders in bioethischen Debatten taucht die -Würde des Menschen- im amerikanischen und europäischen Diskurs immer wieder auf, in so unterschiedlichen Kontexten...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Menschenwürde und das zugrunde liegende Konzept werden inflationär gebraucht, lautet eine häufig vorgebrachte Kritik an der Verwendung des Würdebegriffs. Besonders in bioethischen Debatten taucht die -Würde des Menschen- im amerikanischen und europäischen Diskurs immer wieder auf, in so unterschiedlichen Kontexten wie Forschung mit embryonalen Stammzellen, Hirntod und Organtransplantation, Sterbehilfe oder Klonen auf. Aber auch das Leben mit -Hartz IV- wird als -würdelos- bezeichnet und Amnesty International startete unter dem Slogan -Demand Dignity- eine Kampagne zu würdevollen Wohnsituationen. Wer beruft sich auf -Würde-? Welche Positionen werden durch den Rekurs auf -Würde- markiert? Was genau bedeutet -Würde- in diesen unterschiedlichen Zusammenhängen und was soll durch den Verweis auf sie geschützt werden? Fungiert -Würde- vielleicht tatsächlich als Totschlagargument oder ist der Begriff mittlerweile so ausgedehnt, dass er inhaltlich (fast) leer ist? Dieser Diskurs soll mit dem Begriff und seiner Funktion in japanischen Diskussionen um würdevolles Sterben, Embryonenforschung und Sterbehilfe verglichen werden. Anhand von Gerichtsurteilen, Zeitungsartikeln und Sekundärliteratur wird eine exemplarischen Analyse des Gebrauchs des Menschenwürdebegriffs vorgenommen. Dazu werden wir in unserem Seminar den Begriff der -(Menschen)Würde- vorbereitend aus zwei verschiedenen Richtungen nähern. Ablaufplan: • Zunächst werden wir die Geschichte des Rechtsbegriffs und seine Aufnahme in die Verfassungen der UN, Deutschlands und Japans in der Situation nach 1945 untersuchen. In diesem juristischen Teil bearbeiten wir die Frage -Wie kommt die Menschenwürde ins Recht?-. • Im darauf folgenden philosophischen Seminarteil zeichnen wir die europäische Traditionslinie des Würdekonzeptes von Cicero über die Theologie des Mittelalters, Schriften der Renaissance bis in die Neuzeit nach. Dazu werden die Naturrechtslehre mit der Unverletzlichkeit der Person sowie Kant, die Autonomie des Menschen und die Objektformel besprochen und zwischen autonomischen und heteronomischen Konzepten unterschieden. Weiter wird uns der Begriff im Spannungsfeld zwischen Universalismus und Relativismus hier beschäftigen. • Daraufhin werden wir uns dem Begriff in den genannten Diskursen widmen und uns zuerst mit der Übernahme und Übersetzung des Würdekonzepts im japanischen Kontext beschäftigen. Hier werden wir vor allem an konkreten Beispielen herausarbeiten, in welchen Zusammenhängen -Würde- ins Spiel gebracht wird und welche konzeptuellen Besonderheiten dem Begriff in der japanischen Diskussion häufig zugeschrieben werden. Somit sind wir auch in unserem Diskurs-theoretischen Themenblock angelangt, wo wir anhand der Frage -Was soll durch Menschenwürde geschützt werden?- die Funktion der Menschenwürde in gegenwärtigen Debatten zu aktuellen Themen wie Hirntod, Sterbehilfe und würdevollem Sterben untersuchen werden. Vorbereitung: Sammeln Sie Artikel und Mitteilungen, in denen der Begriff -Würde- verwendet oder auf das Konzept angespielt wird. Mit dieser Sammlung werden wir in aktuelle Debatten einsteigen und eine systematische Analyse der Diskussionen vornehmen, um daraus eine Diskursanalyse abzuleiten. Pflichtlektüre für alle zur Vorbereitung: • Birnbacher, Dieter (2004) Menschenwürde – abwägbar oder unabwägbar? In: Kettner, Matthias (Hg.) Biomedizin und Menschenwürde, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 249-271. • Hilgendorf, Eric; Joerden, Jan C.; Thiele, Felix (2011): -Bielefelder Memorandum zur Bedeutung der Menschenwürde in der Medizin-. In: Abschlusskonferenz der ZiF-Forschungsgruppe (Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld) -Menschenwürde und Medizintechnik-. Menschenwürde in der Medizin – quo vadis? (19. – 21. Mai 2011) – Abstracts. (Wurde in der ersten Sitzung ausgeteilt!) • Komatsu, Yoshihiko (2007): The Age of a -Revolutionized Human Body- and the Right to Die. In: LaFleur, William/Böhme, Gernot/Shimazono, Susumu (Hg.) Dark Medicine. Rationalizing Unethical Medical Research. Bioethics and the Humanities. Bloomington/Indianapolis: Indiana University Press, S. 180-200. • Ritter, Joachim (Hg.) (2007): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. S. 19.239-19.340 bzw. HWPh Band 5, S. 1124-1127 (Eintrag zu -Menschenwürde”). • Ritter, Joachim (Hg.) (2007): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. S. 51.770-51.785 bzw. HWPh Band 12, S. 1089-1093 (Eintrag zu -Würde”). Im Seminar wird gelesen: • Ausschnitte aus Inoue, Kyoko (1991) MacArthurs Japanese Constitution. A Linguistic and Cultural Study of Ist Making. Chicago/London: The University of Chicago Press • Ausschnitte aus Maki, John M. (1980) Japan’s Commission on the Constitution. The Final Report. Seattle/London: University of Washington Press • Ausschnitte aus Steineck, Christian (2008) -Embryonenforschung in Japan-. In: Steineck, Christian/Joung, Phillan/Döring, Ole (Hg.) Embryonenforschung in Japan, Korea und China. Freiburg/München: Verlag Karl Alber. • Ausschnitte aus Kant, Immanuel (1998): -Grundlegung zur Metaphysik der Sitten-. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche. (Digitale Bibliothek Band 2: Philosophie). Berlin: directmedia. S. 25016-25044 (bzw.70-98). • Ausschnitte aus Schopenhauer • Ausschnitte aus Sorgner, Stefan Lorenz (2010). Menschenwürde nach Nietzsche. Die Geschichte eines Begriffs. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Bemerkung ACHTUNG: Unbedingt im LSF für den Kurs vom 15. August (9 Uhr) bis 23. September über -jetzt belegen- anmelden bzw. abmelden, wenn man doch nicht an dem Kurs teilnimmt. Germanistik - Sprachwissenschaft I Für 2 KP wird aktive Vorbereitung und Teilnahme, sowie ein Leseprotokoll erwartet. Für diejenigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die mehr als 2 KP erwerben wollen, gibt es die Möglichkeit, ein Seminarthema vorzubereiten. Bitte melden Sie sich dafür bis zum 10.10. in meiner Sprechstunde oder kontaktieren Sie mich per Email. Universität Siegen WiSe 2011/12 M.A. Dießelmann Anna Lena M.A