Uni-Siegen
14. März 2017Migration und Multikulturalität
Ursprünglich erwartete man in klassischen Einwanderungsländern (USA, Kanada, Australien, Frankreich, Großbritannien), dass sich Einwanderer dadurch integrieren würden, indem sie die kulturellen Orientierungen der Aufnahmegesellschaften mit der Zeit vollständig übernehmen würden. Es wurde aber zunehmend sichtbar, dass sich die ursprünglichen kulturellen...
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Jetzt Lernplan erstellenUrsprünglich erwartete man in klassischen Einwanderungsländern (USA, Kanada, Australien, Frankreich, Großbritannien), dass sich Einwanderer dadurch integrieren würden, indem sie die kulturellen Orientierungen der Aufnahmegesellschaften mit der Zeit vollständig übernehmen würden. Es wurde aber zunehmend sichtbar, dass sich die ursprünglichen kulturellen Prägungen von Migranten keineswegs in der erwarteten Weise auflösten, vielfach existierten kulturelle Prägungen von MigrantInnen fort, teilweise über mehrere Generationen. Toleranz und Akzeptanz verschiedener Kulturen, also die multikulturelle Gesellschaft, galt daraufhin als integrationspolitische Antwort auf dieses Phänomen. Gegenwärtig scheint die Pendelmigration zuzunehmen, das Zirkulieren zwischen Herkunfts- und Aufnahmeländern. Diese als -transnationale Räume- bezeichneten Phänomene stehen dem ursprünglichen Integrations- bzw. Assimilationskonzept entgegen.
In der Migrationsforschung stehen sich zwei Positionen gegenüber. Angesichts der Zunahme der Pendelmigrationen und der transnationalen Netzwerke wird einerseits für eine Politik des Multikulturalismus plädiert. Andererseits wird Politik des Multikulturalismus stellenweise kritisch beurteilt, denn es zeigte sich, dass viele MigrantInnen, die sich in ihren jeweiligen ethnischen oder kulturellen Nischen einrichteten, erheblich von der sozialen Teilhabe in wesentlichen gesellschaftlichen Bereichen (Bildung, Arbeit, materieller Wohlstand) abgehängt oder gar ausgeschlossen wurden.
In diesem Seminar gehen wir auf der Grundlage empirischer Studien diesem Phänomen, verminderter sozialer Teilhabe bestimmter MigrantInnengruppen, nach. Auf der Grundlage zu Forschungen über die Integration von MigrantInnen in das Bildungs-, das Erwerbs- und das Wohlfahrtssystem werden wir diskutieren, wie diese Einschätzung, dass ein Festhalten an den kulturellen Orientierungen der Herkunftsregionen einen beabsichtigten sozialen Aufstieg erschwert, auf der Basis vorliegender Forschungsergebnisse zu beurteilen ist. Dabei richten wir das Hauptaugenmerk auf die jeweiligen Familien-, Arbeits- wie auch religiösen Kulturen von MigrantInnen.
Seminar für Sozialwissenschaften
Universität Siegen
WiSe 2014/15
Univ.-Prof. Dr.
Kutzner Stefan