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Uni-Hannover
14. März 2017

Mind Games

Mit dem steigenden Einfluss von Psychiatrie, Psychopathologie und Neurowissenschaften haben sich erst in der Literatur, dann auch im Film, Formen der Auflösung narrativer Linearität, Kausalität, Chronologie und Verlässlichkeit entwickelt. Die -zerebrale Moderne- ist gezeichnet von Bewusstseins-, Wahrnehmungs- und Identitätsstörungen der...

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Mit dem steigenden Einfluss von Psychiatrie, Psychopathologie und Neurowissenschaften haben sich erst in der Literatur, dann auch im Film, Formen der Auflösung narrativer Linearität, Kausalität, Chronologie und Verlässlichkeit entwickelt. Die -zerebrale Moderne- ist gezeichnet von Bewusstseins-, Wahrnehmungs- und Identitätsstörungen der Protagonisten – allesamt Merkmale, die sich unter dem Stichwort -Mind Games- in den Narrativen des 20. und 21. Jahrhunderts ausfindig machen lassen. Während die deutsche Literatur Wahrnehmungsstörungen und im weiteren Verlauf die psychischen Erkrankungen bereits um die Jahrhundertwende (Hugo von Hofmannsthals -Reitergeschichte-, 1899) und im Expressionismus (Georg Heyms -Der Irre-, 1911, und Gottfried Benns -Gehirne-, 1916) entdeckt und in den letzten Jahren insbesondere um den Aspekt der virtuellen Realität erweitert (Benjamin Steins -Replay-, 2012) erhöht sich die narrative Komplexität des Films erst zum Ende des 20. Jahrhunderts. Zu den wichtigsten Mind Game Movies gehören -Fight Club- (1999), -Matrix- (1999), -eXistenZ- (1999), -Memento- (2000), -Donnie Darko- (2001), -Mulholland Drive- (2001), -Vanilla Sky- (2001), -Identity- (2003), -A Beautiful Mind- (2003), -Vergiss mein nicht- (2004) und -Black Swan- (2010). Gemein sind den literarischen wie den filmischen Mind Games die totale Fokussierung auf das kognitive Innenleben einer Figur; Allwissenheit, Wirklichkeit und Zusammenhang scheinen in dieser subjektivistischen Perspektive einzubrechen. Die Welt verlagert sich in die Psyche des Einzelnen. Das Seminar möchte exemplarische literarische Mind Games vorzugsweise des 20. Jahrhunderts sowie Mind Game Movies der letzten 20 Jahre vor diesem Hintergrund untersuchen. Wenn es die Zeit zulässt, soll ein kurzer Ausflug in die amerikanische Virtual-Reality-, bzw. KI-Literatur unternommen werden (William Gibsons -Neuromancer- und Philip K. Dicks -We Can Remember it for You Wholesale- – verfilmt unter dem Titel -Total Recall-). Hinweis: Einige der zu untersuchenden Filme (die genaue Auswahl wird zu Beginn des Semesters getroffen) sollen gemeinsam gesehen werden, idealerweise im Anschluss an einzelne Seminarsitzungen (also donnerstags ab ca. 18:00 Uhr). Bitte planen Sie hierfür etwas Zusatzzeit ein. Benn, Gottfried: Gehirne. Novellen, Stuttgart: Reclam 1986. Hofmannsthal, Hugo von: Reitergeschichte und andere Erzählungen. Stuttgart: Reclam 2005. Fritz, Martini (Hrsg.): Prosa des Expressionismus. Stuttgart: Reclam 1972. Stein, Benjamin: Replay. München 2012. Deutsch, Master LbS Teilnehmerzahl: 30. Universität Hannover SoSe 2015 Deutsch, Bachelor Tech. Edu. Dr. phil. Bode Philipp phil