Uni-Hannover
14. März 2017Musik und Literatur
Unter den vielen Paradigmenwechseln, die sich im deutschsprachigen Raum um 1800 ereignen, spielt der Übergang von einer hauptsächlich ‚visuellen‘ zu einer ‚akustisch-musikalischen‘ Ästhetik eine herausragende Rolle. Ging der aus heutiger Sicht gewichtigste Text der ästhetischen Theorie im 18. Jahrhundert, Lessings...
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Jetzt Lernplan erstellenUnter den vielen Paradigmenwechseln, die sich im deutschsprachigen Raum um 1800 ereignen, spielt der Übergang von einer hauptsächlich ‚visuellen‘ zu einer ‚akustisch-musikalischen‘ Ästhetik eine herausragende Rolle. Ging der aus heutiger Sicht gewichtigste Text der ästhetischen Theorie im 18. Jahrhundert, Lessings Laokoon (1766), noch von einem Vergleich zwischen bildender Kunst und Literatur aus, avancierte Musik in der Ästhetik und Literatur der Romantik zu einem zentralen, vielleicht gar zum wichtigsten Mitspieler, weil sie als ‚a-semiotische‘ Kunst am besten die Subjektivität von Empfindungen und Gefühlen zu transportieren schien. Musikästhetische Reflexionen bilden bei Wackenroder und Tieck einen der Schwerpunkte ihres Werks. Zahlreiche Gedichte von Lyrikern der Weimarer Klassik (Goethe, Schiller) und der Romantik (Brentano, Eichendorff, Heine) wurden von Komponisten wie Schubert, Schumann, Wolf, Brahms und Mahler vertont und in den Erzählungen und Romanen des Musikkritikers und -theoretikers E.T.A. Hoffmann treten immer wieder Musiker, Komponisten und Kapellmeister auf.
Mit Friedrich Nietzsches bahnbrechenden Thesen in der Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik (1872) sowie in weiteren späteren Schriften gewinnt das Verhältnis von Musik und Literatur bzw. Kultur an neuen Konturen und Fragestellungen (etwa zur Musik der décadence), die das musikästhetische Verständnis um 1900 und darüber hinaus entscheidend prägen werden.
Das Seminar wird zunächst anhand von musikästhetischen Texten der Romantik die theoretische Auffassung von Musik um 1800 untersuchen, um sich dann den verschiedenen intermedialen Konstellationen von Musik und Literatur zu widmen. Von der Romantik über Wagners Musikdramen (für die er immer selbst die Texte schrieb) und Nietzsches Musikästhetik bis Strauss‘ und Hofmannsthals Zusammenarbeit (etwa in Elektra und Ariadne auf Naxos) sowie, abschließend, Albans Bergs ‚expressionistischer‘ Oper Wozzeck (1925), bietet das Seminar einen Einblick in diese so komplexe wie faszinierende intermediale Beziehung. Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist ein ausgeprägtes Interesse an Musik und an deren Verhältnis zur Literatur (musiktheoretische Vorkenntnisse sind nicht notwendig) sowie die Bereitschaft, sich intensiv mit musikästhetischen Fragen und mit zahlreichen Hörbeispielen auseinanderzusetzen.
Nicola Gess: Gewalt der Musik. Literatur und Musikkritik um 1800. Freiburg i.B.: Rombach 2006.
Thorsten Valk: Literarische Musikästhetik. Eine Diskurgeschichte von 1800 bis 1950. Frankfurt/Main: Klostermann 2008.
Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, MA
Teilnehmerzahl: 30.
Universität Hannover
WiSe 2015/16
Deutsch, Master LA Gymnasium
Dr.
Mengaldo Elisabetta