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Uni-Siegen
14. März 2017

Mythen im französischen Parnasse und Symbolismus

Der Parnasse ist ein literarischer Stil, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich entwickelte und als Übergangsphänomen zwischen Romantik und Symbolismus angesehen werden kann. Der Name geht auf den griechischen Berg Parnass zurück, der in der...

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Der Parnasse ist ein literarischer Stil, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich entwickelte und als Übergangsphänomen zwischen Romantik und Symbolismus angesehen werden kann. Der Name geht auf den griechischen Berg Parnass zurück, der in der griechischen Mythologie als Wohnsitz Apollons, des Gottes der Dichtkunst, und der Musen betrachtet wird. Die Bewegung zeichnet sich durch die Distanzierung von der romantischen Gefühlslyrik und bürgerlichen bon sens-Dichtung aus und vertritt das Prinzip des lartpourlart, d.h. der Zweckfreiheit und Eigengesetzlichkeit der Kunst. Dem Parnasse geht es um die Loslösung der Literatur von religiösen, moralischen und sozialpolitischen Implikationen, das einzige Ziel der Kunst besteht in ihrer Schönheit. Die Literatur des Parnasse zeichnet sich durch eine enorme, artistisch ausgefeilte Formstrenge aus und richtet sich gegen den Subjektivismus der Romantik. Der Symbolismusstellt gleichzeitig sowohl eine Reaktion auf den Parnasse als auch dessen Weiterführung dar. Er bezeichnet eine internationale Stilrichtung in Literatur und bildender Kunst um ca. 1885-1914, die auf den Prinzipien von Suggestivität, Imagination und Musikalität beruht. Der Symbolismusrichtet sich gegen den Naturalimus und Realismus, er macht das Symbol, das als Äquivalentbegrifflich nicht fassbarer Seelenzustände fungiert, zur Bedingung der Kunst.Die symbolistische Bewegung führte zu einer fundamentalen Erneuerung der poetischen Sprache, wobeieine neue Bild- und Wortverwendung, grammatische Verfremdung, neue Klangkonstruktionen, die Flexibilisierung des Metrums und die Verwendung des verslibrezu den bedeutendsten Elementen symbolistischer Technikzählen.Der Symbolismus gestattet einen freieren Umgang mit dem Vers als der Parnass und lehnt dessen Klarheit und Objektivität ab, folgt allerdings, wie die Parnassiens, dem Prinzip des lartpourlart. Beide Stilrichtungen zeichnen sich u.a. durch mystische, spirituelle und exotische Elemente sowie einen Rückgriff auf die griechisch-römische sowie die germanische Mythologie aus. Im Seminar wird zunächst ein literarischer und kulturhistorischer Überblick über den Parnasse und den Symbolismus in Frankreich gegebenundauf formale und ästhetische Innovationen der beiden Stilrichtungen eingegangen. Anschließend wird die Adaption mythischer Stoffe in der Literatur des Parnasse und des Symbolismus einen thematischen Schwerpunkt des Seminars darstellen. In diesem Zusammenhang werden zunächst grundlegende Termini wie -Mythos-, -Stoff- und -Motiv- definiert und erläutert. Auf dieser Basis werden Gedichte, Prosatexte und Dramen französischer Schriftsteller des Parnasse und des Symbolismus analysiert.Die theoretische Basis hierzu bilden moderne Theorien und Konzepte zur Mythentheorie und Mythopoetik, u.a. von Blumenberg, Vöhlerund Wunenburger,anhand dererdie Prinzipien der Mythenvariation, -korrektur und -kritik aufgezeigt werden. Auf dieser Grundlage werden die inhaltlichen und strukturellen Modifikationen der in den zu analysierenden Texten enthaltenen mythischen Stoffe aus vergleichender Perspektive herausgearbeitet. Das Seminar bietet die Gelegenheit, die im Grundkurs erworbenen Kenntnisse bezüglich Lyrik-, Dramen- und Prosaanalyse anzuwenden und zu vertiefen. Die Texte, die im Seminar besprochen werden, sind auf Moodle elektronisch verfügbar. Romanisches Seminar Zur Einführung und Vorbereitung empfehle ich: Illouz, Jean-Nicolas, Le symbolisme, Paris: Librairie Générale Française, 2004. Barner, Wilfried (Hrsg.),Texte zur modernen Mythentheorie, Stuttgart:Reclam, 2007. Es werden gute Französischkenntnisse vorausgesetzt. Es können 2/3 (Studienleistung) KP durch ein Referat erworben werden und 3 (Prüfungsleistung)5/7 KP durch eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit. Universität Siegen SoSe 2014 Kühne Ina