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Uni-Hannover
14. März 2017

Nichtfiktionale Kurzprosa vom 17 bis 20 Jh

-Was man euch in Stücken geben muss, braucht deshalb noch nicht Stückwerk zu sein-, schrieb Friedrich Nietzsche in Menschliches, Allzumenschliches und beanspruchte damit für seine essayistisch-aphoristische Prosa eine Geltung, die ihr oft gegenüber der klassischen, ‚systematischen‘ Form philosophischer Abhandlungen abgesprochen...

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-Was man euch in Stücken geben muss, braucht deshalb noch nicht Stückwerk zu sein-, schrieb Friedrich Nietzsche in Menschliches, Allzumenschliches und beanspruchte damit für seine essayistisch-aphoristische Prosa eine Geltung, die ihr oft gegenüber der klassischen, ‚systematischen‘ Form philosophischer Abhandlungen abgesprochen wurde. Gleichzeitig steht im Zentrum seiner Poetik – wie der vieler Essayisten und Aphoristiker – der Versuch einer ‚anderen‘ Schreibweise, die durch Knappheit und Zuspitzung einerseits, eine Programmatik des ‚Nicht-Wissens‘ und des experimentellen Gestus andererseits gekennzeichnet ist. Das Seminar bietet einen Überblick über die Entwicklung der nicht fiktionalen Kurzprosa in Deutschland (mit einem Vorspiel in Frankreich) zwischen dem 16. und dem 20. Jahrhundert. Dabei liegt der Fokus auf den Gattungen Essay und Aphorismus/Maxime/Sentenz. Die gemeinsame Lektüre und Analyse wird sich auf sieben bis acht Autoren konzentrieren (Montaigne, Lichtenberg, Goethe, F. Schlegel, Novalis, Nietzsche, Benjamin, Adorno) und um einige zentrale Fragestellungen kreisen: Welche formalen Eigenschaften weist die nicht fiktionale Kurzprosa auf? Wie lässt sich zwischen den vielen benachbarten Genres (Essay, Aphorismus, Sentenz, Maxime, usw.) unterscheiden und wie lassen sich diese Texte in Hinblick auf Fragen der Gattungspoetik lesen? Wieso hat diese Literatur ein ausgeprägtes Interesse für anthropologische bzw. psychologische Fragen, also für den Menschen? Welche Beziehungen existieren zwischen dem versuchsartigen Charakter dieser kurzen Prosa und der mit der Entstehung der modernen Wissenschaft einhergehenden Experimentalkultur? Michael Gamper / Christine Weder: -Gattungsexperimente. Explorative Wissenspoetik und literarische Form: Aphorismus/Fragment/Notat – Essay – Novelle/Roman – Lyrik – Märchen-. In: M. Gamper (Hrsg.): Experiment und Literatur. Themen, Methoden, Theorien. Göttingen: Wallstein 2010, S. 96-178. Gerhard Neumann: Ideenparadiese. Untersuchungen zur Aphoristik von Lichtenberg, Novalis, Friedrich Schlegel und Goethe. München 1976. Ludwig Rohner: Der deutsche Essay. Materialien zur Geschichte und Ästhetik einer literarischen Gattung. Neuwied und Berlin 1966. Christian Schärf: Geschichte des Essays. Von Montaigne bis Adorno. Göttingen 1999. Friedemann Spicker: Kurze Geschichte des deutschen Aphorismus. Tübingen 2007. Klaus Weissenberger (Hrsg.): Prosakunst ohne Erzählen. Die Gattungen der nichtfiktionalen Kunstprosa. Tübingen 1985. Zweitfach Deutsch, MA Lehramt Sonderpädagogik Teilnehmerzahl: 30. Universität Hannover SoSe 2015 Deutsches Seminar Dr. Mengaldo Elisabetta