Uni-Siegen
14. März 2017Nuevo cine argentino
Nach dem Ende der Militärdiktatur (1976-1983), die Lateinamerikas drittgrößte Filmindustrie in eine tiefe Kreise gestürzt hatte, erlebte das argentinische Kino um die Mitte der 1990er Jahre einen spektakulären Aufschwung, der im Grunde bis heute anhält, wie nicht zuletzt die Verleihung...
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Jetzt Lernplan erstellenNach dem Ende der Militärdiktatur (1976-1983), die Lateinamerikas drittgrößte Filmindustrie in eine tiefe Kreise gestürzt hatte, erlebte das argentinische Kino um die Mitte der 1990er Jahre einen spektakulären Aufschwung, der im Grunde bis heute anhält, wie nicht zuletzt die Verleihung des Oscars für den besten ausländischen Film an Juan José Campanellas melodramatischen Thriller El secreto de sus ojos (2009) belegt. Diesem Aufschwung, der bald das Etikett -Nuevo Cine Argentino- erhielt, konnte auch der Zusammenbruch der argentinischen Wirtschaft in den Jahren 2001/2002 nicht grundsätzlich etwas anhaben. So verkündete zum Beispiel Der Spiegel im April 2007: -Nach der Krise schlägt nun die Stunde der Kreativen: Das argentinische Kino erobert die Welt-. Und der bekannte Filmwissenschaftler Michael Chanan nannte das argentinische Kino erst kürzlich -one of the most significant and exciting Latin American cinemas of recent years-. In der Tat könnte die Vielfalt exzellenter Filme nicht größer sein: von den Wegbereitern des neuen Kinos – Adrián Caetanos Pizza, birra, faso (1997), Pablo Traperos Mundo grúa (1999) – über die Aufarbeitung der Militärdiktatur – Marco Bechis’ Garage olimpo (1999), Marcelo Piñeyros Kamchatka (2002) – bis zu perfekt gebauten Komödien – Fabián Bielinskys Nueve reinas (2000), Juan José Campanellas El hijo de la novia (2001) – und originellen Neuauflagen des Film noir – Fabián Bielinskys El aura (2005), Pablo Traperos Carancho (2010). Nicht zu vergessen ist der Beitrag von Regisseurinnen wie Lucrecia Martel, La ciénaga (2000), oder Luisa Puenzo, XXY (2007). Im Bereich des Dokumentarfilms ist der Altmeister Fernando Solanas mit seiner dreiteiligen Polemik gegen den Neoliberalismus präsent: Memoria del saqueo (2004), La dignidad de los nadies (2005) und Argentina latente (2007). Was den argentinischen Film aktuell so anziehend macht, ist die Tatsache, dass die Erfahrung einer tief greifenden ökonomischen, politischen und sozialen Krise nicht nur die Herausbildung neuer Filmästhetiken begünstigte, sondern auch zu einer besonderen Sensibilität gegenüber den Problemen der zeitgenössischen Gesellschaft führte. Das ist selbst in dem seit einiger Zeit wieder aufblühenden Genrekino zu beobachten. So identifiziert Joanna Page den gemeinsamen Nenner des Neuen Argentinischen Kinos in der Konstruktion von -certain modes of subjectivity relating to Argentina’s experience of capitalism, neoliberalism, and economic crisis-, und Gonzalo Aguilar verweist auf -las tentativas de muchos directores del nuevo cine, que no hacen un cine estrictamente político pero que trabajan con percepciones, experiencias y formas de lo social determinantes para comprender los cambios de los últimos años-. Anhand einer repräsentativen Auswahl von Filmen aus der oben genannten Liste werden wir in exemplarischen Einzelanalysen diesen Thesen genauer nachgehen.
Ein genaues Programm und eine Auswahlbibliographie sowie Material zur vorbereitenden Lektüre werden ab Anfang September auf Moodle zu finden sein.
Romanistik - Französische und spanische Literaturwissenschaft
Gute Spanischkenntnisse sind hilfreich, aber nicht obligatorisch. Bei den Filmen werden wir nach Möglichkeit synchronisierte oder englisch untertitelte Versionen verwenden. Die Seminardauer ist vorsorglich mit vier Stunden angegeben, damit wir uns gemeinsam die behandelten Filme ansehen können, auch wenn das nicht in jeder Sitzung der Fall sein wird. Die Bereitschaft dazu müssen die SeminarteilnehmerInnen aber mitbringen.
Für 2/3 (Studienleistung) KP: Referat (Vortrag, Präsentation, Thesenblatt) einzeln oder, je nach Teilnehmerzahl, in der Gruppe; für 3 (Prüfungsleistung)/5/7 KP: zusätzlich längere schriftliche Arbeit.
Universität Siegen
WiSe 2012/13
Univ.-Prof. Dr.
von Tschilschke Christian