Uni-Siegen
14. März 2017Nuevo Cine Argentino II
Das Seminar beschäftigt sich mit der Entwicklung, die in Argentinien seit Ende der 1990er Jahre zur Abkehr vom kulturpolitischen Auftrag des Neuen Lateinamerikanischen Kinos der 1970er und 1980er Jahre und zur Entstehung des sogenannten Nuevo Cine Argentino geführt hat. Nach...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Seminar beschäftigt sich mit der Entwicklung, die in Argentinien seit Ende der 1990er Jahre zur Abkehr vom kulturpolitischen Auftrag des Neuen Lateinamerikanischen Kinos der 1970er und 1980er Jahre und zur Entstehung des sogenannten Nuevo Cine Argentino geführt hat. Nach der Militärdiktatur (1976-1983), in der die argentinische Filmindustrie ihre bis dahin größte Krise erlebte, kam es ab 1984 zu einer schnellen Erholung der Filmproduktion, die jedoch trotz internationaler Anerkennung, wie etwa durch den Oscar für Luis Puenzos La historia oficial (1984), nicht lange anhielt. Zu Beginn der 1990er Jahre geriet das argentinische Kino erneut in eine tiefe Krise, die sich u.a. in einem starken Rückgang der Filmproduktion und des Publikumsinteresses äußerte. Bereits Mitte der 1990er Jahre entwickelte sich allerdings aus der Krise heraus ein neues und zunächst von staatlicher Förderung unabhängiges Kino mit jährlich steigenden Produktions- und Zuschauerzahlen. Mittlerweile sorgen argentinische Regisseurinnen und Regisseure auf zahlreichen Festivals weltweit für Aufsehen und werden mit Preisen und Würdigungen bedacht. Getragen wurde diese Entwicklung von einer neuen Generation junger Filmemacherinnen und Filmemacher, die sich verstärkt der ästhetischen Reflexion der veränderten politischen Relevanz des Kinos im Spannungsfeld partikularer Interessen und globaler Entwicklungen widmeten. Unter dem zentralen Gesichtspunkt des veränderten Verhältnisses von Ästhetik und Politik werden wir diese Entwicklungen anhand verschiedener, thematisch und formal/ästhetisch breit gefächerter Beispiele analysieren.
Erst vor einem Jahr, im letzten Wintersemester 2012/13, haben wir schon einmal ein Seminar mit dem Titel -Nuevo cine argentino- angeboten. Warum steht nun schon wieder ein Seminar zum Neuen Argentinischen Kino auf dem Programm? Zwei Gründe gibt es dafür. Zum einen ist das Phänomen des neuen argentinischen Kinos so reichhaltig, dass ein einzelnes Seminar bei weitem nicht reicht, um auch nur annäherungsweise einen Eindruck von der Vielfalt der so bezeichneten Filme zu vermitteln. Darüber hinaus hatten wir uns beim letzten Mal auch vor allem auf so publikumswirksame, kommerziell erfolgreiche und den Ruf des Neuen Argentinischen Kinos international begründende Filme wie Marcelo Piñeyros Kamchatka (2002) oder Fabián Bielinskys Nueve reinas (2000) und El aura (2005) konzentriert. Dabei ist es in der Kritik durchaus umstritten, ob und inwiefern dieseals Konkurrenz zu einem eingängigen Hollywoodkino aufzufassenden Produktionen überhaupt der Strömung des Neuen Argentinischen Kinos zuzurechnen seien, zumindest wenn man dieses eher mit ästhetisch innovativen, vom europäischen Autorenkino geprägten Ansätzen identifizieren möchte. Deshalb werden wir uns dieses Mal schwerpunktmäßig Filmen widmen, die eine stärker persönliche Handschrift tragen und ästhetisch eigenwilliger, experimenteller sind – deren Betrachtung aber auch möglicherweise etwas mehr Geduld und Bereitschaft voraussetzt, sich auf neue, ungewohnte Seherfahrungen einzulassen.
Der andere Grund indessen, warum das Neue Argentinische Kino schon wieder Thema ist, liegt darin, dass vom 7.-9. November 2013 an der Universität Siegen eine große internationale Fachtagung mit dem Titel -Nuevo Cine Argentino: nuevas relaciones entre estética y política (Das Neue Argentinische Kino: neue Verhältnisse zwischen Ästhetik und Politik)- stattfinden wird, an der zahlreiche bekannte Fachleute sowie zwei namhafte argentinische Regisseure teilnehmen werden. Zu dieser Tagung sind auch alle Studierenden und insbesondere die SeminarteilnehmerInnen, herzlich eingeladen. Nähere Auskünfte finden Sie unter http://www.uni-siegen.de/phil/cine-argentino/index.html?lang=de. Die Teilnahme ist kostenlos, man sollte sich nur per Mail dort anmelden.
Konkret werden wir gemeinsam und unter Anleitung von jeweils zu bildenden ‚Expertengruppen‘ voraussichtlich die folgenden Filme unter verschiedenen Gesichtspunkten analysieren, diskutieren und in ihre jeweiligen kulturellen und filmhistorischen Kontexte einordnen: Pizza, birra, faso (1997) von Adrián Caetano, Silvia Prieto (1998) von Martín Rejtman, Garage olimpo (1999) von Marco Bechis, Bolivia (2002) von Adrián Caetano, Los rubios (2003) von Albertina Carri, La niña santa (2004) von Lucrecia Martel, El niño pez (2007) von Lucía Puenzo und Historias extraordinarias (2008) von Mariano Llinás.
Zur Einführung empfehle ich die Lektüre der beiden folgenden Aufsätze, die ab sofort auf Moodle elektronisch verfügbar sind: Carolina Rocha, -Contemporary Argentine Cinema during Neoliberalism-, in: Hispania 92.4 (2009), 841-851 und David Oubiña, -Historias breves und Historias extraordinarias: Innovation im zeitgenössischen argentinischen Kino-, in: Peter Birle/Klaus Bodemer/Andrea Pagni (Hrsg.), Argentinien heute. Politik, Wirtschaft, Kultur, 2. vollständig neu bearbeitete Auflage, Frankfurt am Main: Vervuert, 2010, 383-401.
Romanistik - Französische und spanische Literaturwissenschaft
Regelmäßige Anwesenheit (Anwesenheitspflicht!), möglichst gute Spanischkenntnisse (denn wir werden auch Filme behandeln, die nicht synchronisiert sind oder nur englischsprachige Untertitel besitzen) und die Bereitschaft sich intensiv mit den behandelten Filmen auseinanderzusetzen.
Für 2/3 (Studienleistung) KP: Referat (Vortrag, Präsentation, Thesenblatt) einzeln oder, je nach Teilnehmerzahl, in der Gruppe; für 3 (Prüfungsleistung)/5/7 KP: zusätzlich längere schriftliche Arbeit.
Universität Siegen
WiSe 2013/14
Univ.-Prof. Dr.
von Tschilschke Christian