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Uni-Hannover
14. März 2017

Öffentliche Güter in der postnationalen Konstellation

In den letzten Dekaden haben zahlreiche Reformen, die die Bereitstellung ‚öffentlicher Güter‘ betreffen, auf nationaler wie auf transnationaler Ebene einen tiefgreifenden Wandel im Verständnis des ‚Gemeingutcharakters‘ zum Ausdruck gebracht und das Verhältnis zwischen öffentlicher und privater Verantwortung bzw. zwischen kollektiven...

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In den letzten Dekaden haben zahlreiche Reformen, die die Bereitstellung ‚öffentlicher Güter‘ betreffen, auf nationaler wie auf transnationaler Ebene einen tiefgreifenden Wandel im Verständnis des ‚Gemeingutcharakters‘ zum Ausdruck gebracht und das Verhältnis zwischen öffentlicher und privater Verantwortung bzw. zwischen kollektiven und individuellen Handlungsfeldern verschoben. Auf der nationalen Ebene steht dabei vor allem der ‚aktive‘ und ‚sorgende‘ Staat als hauptverantwortlicher Akteur zur Bereitstellung kollektiver Vorsorge- und Sicherungssysteme in einem kritischen Fokus. Vermarktlichungen öffentlicher Güter sowie eine Rückführung in private Verantwortlichkeiten werden auf der Ebene trans- und internationaler Regulierung potenziert. Externe Interdependenzen, globale Verflechtungen, neue neoliberale Strukturen des globalen Kapitalismus bestärken einerseits die Öffnung von Märkten für ‚öffentliche Güter‘, andererseits entstehen durch die Wahrnehmung negativer Effekte neue Handlungs- und Regulierungsbedarfe (z.B. durch Marktversagen, durch globale Herausforderungen wie Nachhaltigkeit, Sicherheit und Gerechtigkeit oder durch konkrete ‚Güter‘ wie z.B. Biodiversität, Weltklima, Treibhauseffekt, Ozonloch, das Internet, sauberes Wasser und saubere Luft, weltweiter Mülltourismus, globale Korruption, globale Gendergerechtigkeit, Wissen und Bildung, gerechte Teilhabe am Weltsozialprodukt etc., was häufig unter der Entgegensetzung von ‚public goods‘ und public bads‘ diskutiert wird). In der Veranstaltung werden wir die Arten öffentlicher Güter in konzeptioneller Hinsicht sowie die Vielzahl der z.T. sehr heterogenen (globalen) öffentlichen Güter, die aktuell kontrovers diskutiert werden, betrachten sowie die strukturellen Herausforderungen und gesellschaftlichen Lernprozesse, die zur Realisierung der Bereitstellung erforderlich wären, analysieren. Die Veranstaltung ist lektüreintensiv, d.h. die Bereitschaft, Texte größeren Umfangs zu lesen, wird vorausgesetzt! Garrett Hardin, The Tragedy of the Commons, in: Science 162, Nr. 3859, 1243-48, 1968. Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.), Der Wert öffentlicher Güter. Bericht der -Kommission Öffentliche Güter- der Heinrich-Böll-Stiftung, Band 15 der Schriftenreihe Wirtschaft und Soziales , 2015. Angela Kallhoff, Why Democracy Needs Public Goods, Lanham, Md., Lexington Books, 2011. Inge Kaul/ Isabelle Grunberg/ Marc A. Stern, Defining Global Public Goods, in: dies., Global Public Goods. International Cooperation in the 21st Century, New York and Oxford, Oxford University Press 1999, 2-19. Matthias Maring (Hrsg.), Globale öffentliche Güter in interdisziplinären Perspektiven, Schriftenreihe des Zentrums für Technik- und Wirtschaftsethik am Karlsruher Institut für Technologie, Band 5, 2012. Christian Seidel, The Moral Problem, in: Kühler, Michael/Rüther, Markus (Hrsg.), Handbuch Handlungstheorie. Stuttgart: Metzler, 2016. Cass R. Sunstein / Edna Ullmann-Margalit, Solidarity Goods, in, The Journal of Political Philosophy, 9, Nr. 2, 2001, 129-149. Politikwissenschaft, Master of Arts M VI Universität Hannover WiSe 2016/17 PD Dr. phil Hitzel Cassagnes Tanja phil