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14. März 2017Paradies Texte Bilder Karten Gärten
Paradies, das ist die Vorstellung vom vollkommenen Glück in einer vergangenen oder einer zukünftigen Zeit oder an einem weit entfernten, (noch) unbekannten Ort. Es ist die Imagination eines Anderswo, in dem Zeitlosigkeit und Vollkommenheit herrschen. Paradies ist, ähnlich wie Glück,...
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Jetzt Lernplan erstellenParadies, das ist die Vorstellung vom vollkommenen Glück in einer vergangenen oder einer zukünftigen Zeit oder an einem weit entfernten, (noch) unbekannten Ort.
Es ist die Imagination eines Anderswo, in dem Zeitlosigkeit und Vollkommenheit herrschen. Paradies ist, ähnlich wie Glück, eine Zeitfigur: Erst verloren wird es erkannt, vermisst und ersehnt.
Das Repertoire der Motive und Kennzeichen des Paradieses ist auch in verschiedenen kulturellen Traditionen relativ einheitlich. Ob wir auf die Erzählungen aus 1001 Nacht, das Buch Genesis, Texte des Koran, die Heiligen Schriften des Amitabha-Buddhismus, auf Ovids Metamorphosen, Vergils Eklogen oder die Erzählungen vom Schlaraffenland oder die Berichte der Entdeckung der Südsee schauen, im Paradies herrscht Frieden, Fülle und Gerechtigkeit. Es gibt keine Mühe und keinen Schmerz, das Klima ist mild und die Natur üppig und fruchtbringend. Das Wort Paradies stammt aus dem Persischen, wo es einen eingefriedeten, wasser-, pflanzen- und tierreichen Park meint, in dem die Könige jagten.
Im Buch Genesis wird aus dem altorientalischen Jagdpark der vollkommene Urgarten der Erde (Scafi, S. 10), das Paradies in Eden und das Paradies der Wonne (Gen. 2,8, Gen. 3,23), zu dem bald die Vorstellung eines Ortes der Glückseligkeit im Himmel, als einem Ort, an dem die Frommen weiterleben, hinzu tritt. Auch wenn die heilsgeschichtliche Dimension von Paradiesvorstellungen seit der Aufklärung weitgehend verloren ist (so jedenfalls Delumeau), so ist doch die Sehnsucht nach paradiesischen Zuständen geblieben ebenso wie die Versuche, solche Zustände doch noch vorzufinden, sie (künstlich) zu erzeugen und zu inszenieren.
Im Seminar wollen wir den Imaginationen und Inszenierungen von Paradiesen nachgehen. Ausgehend von der gemeinsamen Lektüre der grundlegenden Texte und anhand der kulturgeschichtlichen Sekundärliteratur wollen wir quer durch unterschiedliche Kulturen und Jahrhunderte nachvollziehen, wie das Paradies die Vorstellungskraft beflügelt und das tägliche Leben mit gestaltet, ob sich das nun in Altarbildern des Mittelalters (s. etwa Delumeau), in der Suche der Seefahrer nach dem Paradies und deren Kartographie (s.
Scafi), in der Gestaltung von Gärten und Tiergärten, in den Bildern der Tourismusindustrie oder in Entscheidungen zum Landschaftsschutz niederschlägt.
Heinrich Krauss, Das Paradies. Eine kleine Kulturgeschichte, München 2004
Herbert Vorgrimler, Die Geschichte des Paradieses und des Himmels, München 2008 Alessandro Scafi, Mapping Paradise, London
Alessandro Scafi, Die Vermessung des Paradieses. Eine Kartografie des Himmels auf Erden, Mainz/Darmstadt 2015 (deutsche gekürzte Version der englischen Ausgabe)
Jean Delumeau, L'histoire du paradis, Band I - III, Paris 1992 ff. (es gibt auch eine gekürzte englische Ausgabe)
Hg. Andrea Müller, Hartmut Röder, 1001 Nacht. Wege ins Paradies, Mainz 2006
Kunst
Die Teilnahme an der Einführungsveranstaltung ist Voraussetzung für die weitere Teilnahme an dem Blockseminar!!!
Referat und Diskussion
Universität Siegen
WiSe 2016/17
Priv.-Doz. Dr.
Quast Antje Priv Doz