Uni-Siegen
14. März 2017Pragmatik und Ästhetik des Hörbuchs Peter Kurzeck und die akustische Literatur
Der Autor Peter Kurzeck galt lange Zeit ‚nur’ als einer der bedeutendsten Romanautoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Die Kritik nannte ihn den -hessischen Proust-, weil er wie dieser ein obsessives Erinnerungsprojekt verfolgt, das aber nicht Combray, sondern die Kindheit in der...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Autor Peter Kurzeck galt lange Zeit ‚nur’ als einer der bedeutendsten Romanautoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Die Kritik nannte ihn den -hessischen Proust-, weil er wie dieser ein obsessives Erinnerungsprojekt verfolgt, das aber nicht Combray, sondern die Kindheit in der oberhessischen Provinz zum Gegenstand hat (Der Nußbaum gegenüber vom Laden, in dem du dein Brot kaufst, Frankfurt am Main 1979; Das schwarze Buch, Frankfurt am Main 1982; Kein Frühling, Frankfurt am Main 1987. Erweiterte Neuauflage, Frankfurt am Main 2007; Keiner stirbt, Frankfurt am Main 1990; Mein Bahnhofsviertel, Frankfurt am Main 1991; Übers Eis, Frankfurt am Main 1997; Als Gast, Frankfurt am Main 2003; Ein Kirschkern im März, Frankfurt am Main 2004; Oktober und wer wir selbst sind, Frankfurt am Main 2007 und jüngst Vorabend, Frankfurt am Main 2011.) Einem breiteren Publikum wurde er aber erst 2007 bekannt, als er das Hörbuch Ein Sommer, der bleibt vorlegte. Man tut sich schwer, es ein Hörbuch zu nennen, denn Kurzeck liest keinen Roman vor, sondern stattdessen erzählt er frei und ohne Vorlage ein spontan-mündliches Werk.. Man hat dies die Geburtsstunde der -akustischen Literatur- genannt. Seit dem Erfolg vom Sommer gibt es noch zwei weitere solcher Erzähl-Werke auf cd: Da fährt mein Zug (2010) und Mein wildes Herz (2011). Die Ästhetik und Pragmatik dieser sehr merkwürdigen Werkform der akustischen Literatur werden wir in diesem Projektseminar einer genauen Analyse unterziehen.
Der Autor selber wird sich für diese Lehrveranstaltung auch zu einem Experiment zur Verfügung stellen: er wird uns in Siegen besuchen und wird uns etwas Spontan-Mündliches erzählen. Wir werden es aufzeichnen und uns anschließend auch praktisch operativ fragen, welche Vorkehrungen zu treffen wären, damit daraus ein Stück -akustische Literatur- entstehen könnte.
Sehr willkommen sind TeilnehmerInnen, die praktische Erfahrungen in Audio-Schnitt gesammelt haben.
Zu Semesterbeginn sollte gelesen sein: Der Roman Kein Frühling. Wer es schafft, könnte auch in den Sommer schon hineinhören.
Germanistik - Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft
Universität Siegen
SoSe 2011
Univ.-Prof. Dr.
Döring Jörg