Uni-München
14. März 2017Praxisorientierte Übung Kulturgüterschutz und Recht für Archäologen
Just im Januar 2016 forderte die Arbeitsgemeinschaft ‚Kulturgüterschutz‘ des DASV (Dachverband archäologischer Studierendenvertretungen) in einem offenen Brief dazu auf, das Thema Kulturgüterschutz in die universitäre Lehre einzubinden: mit dem Ziel, bei angehenden Archäologinnen und Archäologen das -Interesse am Erhalt des...
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Jetzt Lernplan erstellenJust im Januar 2016 forderte die Arbeitsgemeinschaft ‚Kulturgüterschutz‘ des DASV (Dachverband archäologischer Studierendenvertretungen) in einem offenen Brief dazu auf, das Thema Kulturgüterschutz in die universitäre Lehre einzubinden: mit dem Ziel, bei angehenden Archäologinnen und Archäologen das -Interesse am Erhalt des kulturellen Erbes- zu befördern und -ein Problembewusstsein für die Auswirkungen des illegalen Antikenhandels- zu schaffen.
Diese Forderung ist mehr als berechtigt. Das Thema ‚Kulturgüterschutz‘ war in den letzten Jahren Gegenstand einer breiten und hitzig geführten Debatte, die durch die Zerstörungen archäologischer Fundstätten im Nahen Osten erschreckende Aktualität gewonnen hat. Diese Debatte hat zu einer zunehmenden Sensibilisierung einer breiteren Öffentlichkeit für die Vernichtung kulturellen Erbes und für die Probleme des illegalen Antikenhandels geführt: also des Handels mit solchen antiken Objekten, die aus dunklen Quellen (wie Raubgrabungen oder geplünderten Museen) stammen, rechtswidrig aus ihren Herkunftsländern entfernt werden, um dann, mit gefälschter Provenienz-Angabe, auf dem boomenden internationalen Kunstmarkt lukrativen Gewinn abzuwerfen und letztlich die Nachfrage privater und öffentlicher Sammler zu befriedigen. In Deutschland wird dies derzeit kontrovers und heftig im Rahmen der Neufassung des Kulturgutschutzgesetzes debattiert, das sich mit dem illegalen Kulturguthandel, Sorgfaltspflichten und Strafbarkeit der Marktteilnehmer, der Überwachung der Aus- wie der Einfuhr von Antiken und Rückführungsansprüchen zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten befasst. Der Umgang mit Kulturgütern und deren Schutz ist freilich ein altes Streitthema, dessen Geschichte bis in die Antike zurückreicht: So prangerte bereits Cicero in seiner fiktiven Prozessrede In Verrem die wüsten Plünderungen von Kunstschätzen auf Sizilien an. Zum Kristallisationspunkt wurde und wird dieses Thema vor allem bei und nach bewaffneten Konflikten.
In der Übung wollen wir uns mit der aktuellen Debatte aus der doppelten Perspektive der Archäologie (Besorgnis um die Zerstörung kulturhistorischer Kontexte) sowie des Völker- und des Kunstrechts (Wahrung der Interessen passionierter Kunstsammler) vertraut machen. Welche Gesetze zum Schutz von antiken Kulturgütern gibt es auf internationaler wie nationaler Ebene, und wie tauglich sind sie zur Eindämmung illegaler Machenschaften?
In Kurzreferaten und Diskussionen sollen die vielfältigen Aspekte des Themas und die gegensätzlichen Positionen hierzu beleuchtet werden, wobei die Teilnehmer zu eigenständiger Recherche (in Büchern, Auktionskatalogen und im Internet) ermuntert werden.
Sitzungstermine:
• Mi 11.05., 12:15 – 13.45 Uhr: Institut für Klassische Archäologie, ‚Griechensaal‘ (2. OG)
(Vorbesprechung und Verteilung der Kurzreferate)
• Sa 04.06., 09:30 – ca. 15:30 Uhr: Kanzlei Buse Heberer Fromm, Barer Str. 7
• Sa 09.07., 09:30 – ca. 15:30 Uhr: Kanzlei Buse Heberer Fromm, s. o.
Interessierte Teilnehmer mögen sich bitte nur anmelden, wenn alle drei Termine wahrgenommen werden können!
Leitfragen für die Kurzreferate:
• Die Akteure: Wer alles hat mit dem Thema Kulturgüterschutz zu tun? Welche Rolle spielen Raubgräber, Plünderer, Kunsthändler, private Sammler, Museumsleiter, Archäologen, Politiker etc.?
• Aktualität: Wie ist die Diskussion in den letzten 20 Jahren verlaufen, und was hat sie jeweils angeheizt? Wie hängen Entwicklungen auf dem Kunstmarkt und die aktuelle politische Situation in den Herkunftsländern des Vorderen Orients zusammen?
• Museumspolitik: Wie hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten, international und hierzulande, die Ankaufspolitik der Museen verändert? Welche Rolle spielen dabei Verhaltensrichtlinien (‚Code of Ethics‘)? (Fallbeispiel zum Einstieg: Die Kykladen-Ausstellung 1976 in Karlsruhe)
• Antikensammeln zwischen finanziellem und kulturhistorischem Interesse: Welche Rolle spielt das private Sammeln von Antiken, und was hat sich in diesem Bereich in den letzten Jahrzehnten verändert?
• Der Kunstmarkt: Wie funktioniert der Handel mit Kulturgütern? Wer sind die Akteure, wie operieren und kommunizieren sie?
• Legaler vs. illegaler Handel: Wo verlaufen die Trennlinien? Wo beginnen Strafbarkeit und Illegalität?
• Preispolitik: Was lässt sich mit antiken Artefakten verdienen? Welche Antiken werden zu welchen Preisen angeboten, welche bringen besonders viel Gewinn und warum?
• Wert-Vorstellungen: Welche Rolle spielen bei der Preisgestaltung im Antikenhandel Kriterien wie Material oder Zeitstellung der Artefakte, und was sagt die preisliche Bewertung über das dahinterstehende Bild von der Antike aus? (Fallbeispiele: Euphronios-Krater, Getty-Kouros, Alexanderkopf Stendal)
• Provenienzangaben als Grauzone: Welche Herkunftsangaben erscheinen in aktuellen Auktionskatalogen? Was wird offengelegt und was nicht, und welche Trends sind dabei in den letzten Jahren zu beobachten?
• Dunkle Kanäle: Woher kommen illegale Antiken, wenn es sich nachweisen lässt? (einige prominente Fallbeispiele)
• Eigentumsfragen: Wem gehören archäologische Kulturgüter? Die Diskussion um Allgemein- und Privateigentum sowie zwischenstaatliche Streitfälle (Fallbeispiele: Nofretete, Schatz des Priamos, Elgin Marbles)
• Kulturgüterschutz früher und heute: Wie hat sich der Kulturgüterschutz in Krieg und Frieden im Völkerrecht entwickelt?
• Die aktuelle Debatte um das neue Kulturgutschutzgesetz: Was soll, will und kann die Archäologie erwarten?
Einführende Literatur:
• W.-D. Heilmeyer – J.C. Eule (Hrsg.), Illegale Archäologie? Internationale Konferenz über zukünftige Probleme bei unerlaubtem Antikentransfer, 23 - 25.5.2003 in Berlin aus Anlass des 15. Jahrestages der Berliner Erklärung (Berlin 2004)
• H. Hartung, Kunstraub in Krieg und Verfolgung. Die Restitution der Beute- und Raubkunst im Kollisions- und Völkerrecht (Berlin 2005)
• R. Karl, Unseres? Deins? Meins? Wem gehören archäologische Kulturgüter?, Archäologische Informationen. Mitteilungen zur Ur- und Frühgeschichte 36, 2013, 139–152
• G. Wessel, Das schmutzige Geschäft mit der Antike. Der globale Handel mit illegalen Kulturgütern (Berlin 2015)
• dazu: http://archaeologik.blogspot.de (Wissenschaftsblog zu Themen aus den Feldern Archäologie und Kulturgutschutz)
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Cornelia Gersch - Tagungsbericht_Kulturgut_2014.pdf Gersch, Kulturgutschutztagung Berlin 2014 09.07.2016
Frank Hildebrandt - Museales Sammeln.pdf Hildebrandt, Museales Sammeln 09.07.2016
ICOM - Ethische Richtlinien_d_2010.pdf ICOM - Richtlinien 09.07.2016
Michael Müller-Karpe - Antikenhandel_._._Kulturguterschutz KUR_2010.pdf Müller-Karpe 2010 09.07.2016
Übung Kulturgüterschutz - Referate.pdf Referatsliste 09.07.2016
Michael Müller-Karpe - Antikenhandel_._._Kulturguterschutz KUR_2014.pdf Müller-Karpe 2014 09.07.2016
M_Bender - Handout Restitutionsfalle.pdf M_Bender - Handout_Restitutionsfälle 09.07.2016
RA Dr. Hartung, Kulturgüterschutz und Recht für Archäologen, LMU SoSe 2016.pdf Hartung - Textsammlung 09.07.2016
UNESCO convention.pdf Karl, Eigentumsfrage 09.07.2016
UNESCO convention.pdf UNESCO 09.07.2016
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