Uni-Dortmund
14. März 2017Projekt A 13 Kirche und Quartier 8211 Zwischen Entfremdung und Neuanfang
Der Wandel unserer Gesellschaft lässt sich nicht nur mit Schrumpfung oder wirtschaftlichen Veränderungen beschreiben, sondern auch in einer Ausdifferenzierung von menschlichen Lebensweisen. Die Beschreibung dieser gesellschaftlichen Veränderungen mit den Stichworten -weniger, älter, bunter- beinhaltet auch, dass bisherige Institutionen und soziale...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Wandel unserer Gesellschaft lässt sich nicht nur mit Schrumpfung oder wirtschaftlichen Veränderungen beschreiben, sondern auch in einer Ausdifferenzierung von menschlichen Lebensweisen. Die Beschreibung dieser gesellschaftlichen Veränderungen mit den Stichworten -weniger, älter, bunter- beinhaltet auch, dass bisherige Institutionen und soziale Infrastruktureinrichtungen ihre ursprünglichen Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können und anders aufgestellt sein müssten.
Die Kirchen als besondere Dienstleister in einem Quartier bemerken diesen Wandel schon seit einigen Jahren. Gemeinden verkleinern sich, Kirchenaustritte sind an der Tagesordnung, Menschen mit anderen Glaubensrichtungen ziehen zu und verändern das Bild eines Quartiers. Am Ende scheint das einst wichtige Gebäude seine Rolle und Bedeutung gänzlich verloren und sich von seinem Quartier entfremdet zu haben. Im Zuge von Umstrukturierungsprozessen und Kostenmanagement der beiden großen christlichen Kirchen müssen immer mehr Kirchengebäude geschlossen und im schlimmsten Falle sogar abgerissen werden. Vielerorts werden daher Nachnutzungsoptionen für die historisch und vor allem städtebaulich sehr wertvollen Gebäude gesucht und manchmal auch gefunden. Bei vielen dieser Umnutzungen stellt sich jedoch die Frage, ob auch das Quartier davon profitiert und welche Ansprüche es an die Neunutzung des Kirchengebäudes gestellt hätte.
Im konkreten Fall steht die evangelische Auferstehungskirche in der Gelsenkirchener Neustadt zur Disposition. Das Quartier Neustadt ist in das Stadtteilprogramm Gelsenkirchen Südost/ Soziale Stadt eingebettet und erhält daraus Fördermittel. Das Ziel dieser Maßnahmen ist die nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen für die Menschen im Programmgebiet. Durch die Zusammenarbeit von Vereinen, Verbänden, Unternehmen, engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie der Stadtverwaltung wird die Erneuerung des Programmgebietes vorangetrieben.
Die Kirche an der Josefstraße wurde 1911 erbaut und steht unter Denkmalschutz. Seit längerem ist der Gemeinde bewusst, dass die Kirche saniert werden müsste. Aus Sicherheitsgründen ist das Gebäude momentan geschlossen worden, da herunterfallende Bauteile Besucherinnen und Besucher gefährden könnten. Die Gelder für eine Sanierung kann die Gemeinde jedoch nicht mehr aufbringen. Die Zahl der Gemeindeglieder ist seit Mitte der 50er Jahre von über 3000 auf derzeit 788 Mitglieder gesunken. Das Gebäude wurde daher von der Gemeinde in diesem Jahr bereits aufgegeben und entwidmet.
Das Projekt ist auf Initiative des Presbyteriums und der Pfarrer der Gemeinde entstanden. Kontakte zu wichtigen Initiativen, zur Gemeinde und zur städtischen Verwaltung, zur Denkmalbehörde sowie zum Stadtteilbüro bestehen und können bei Bedarf aktiviert werden. Hierzu steht der Baukirchmeister der Gemeinde, Albert Ude, als Ansprechpartner und Vermittler gern zur Verfügung.
Als mögliches Projektziel gilt es zu klären, welche Nachnutzungsoptionen sich aus dem Quartier mit seinen Bewohnerinnen und Bewohner, die heute dort leben, ergeben könnten. Ziel kann es sein, ein langfristiges Konzept zu entwickeln, das der Kirche als Bestandteil des Quartiers eine Zukunftsperspektive bieten kann. Die Projektarbeit kann auch zu konkreten Entwürfen kommen, die aus einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Quartier entstehen. Es ist zusätzlich geplant, gelungene Umnutzungsprozesse in Deutschland und im benachbarten Ausland zu besichtigen.
Raumplanung
Technische Universität Dortmund
SoSe 2012
Bachelor Raumplanung (2007)
Dipl.-Ing.
Schulz Frank