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Uni-Kassel
14. März 2017

Projekt Climatic Layering Ein Wohnhaus mit permeablen Raum und Klimakonzept

Ausgangslage // Wird unsere Baukultur zunehmend von klimapolitischen Trends bestimmt? Die nationale und globale Politikszene hat ihre Ziele klar formuliert: in nächster Zukunft soll der Gesamt-Energiebedarf und die damit einhergehende CO2-Emmission um 20% gesenkt werden. Da der Betrieb von Gebäuden...

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Ausgangslage // Wird unsere Baukultur zunehmend von klimapolitischen Trends bestimmt? Die nationale und globale Politikszene hat ihre Ziele klar formuliert: in nächster Zukunft soll der Gesamt-Energiebedarf und die damit einhergehende CO2-Emmission um 20% gesenkt werden. Da der Betrieb von Gebäuden mehr als 40% des weltweiten Energiebedarfs beansprucht, wird das Feld der Gebäudeplanung und -sanierung ab sofort ein Kernthema darstellen müssen und sich zwischen den forschungsrelevanten Fakultäten einreihen können. Der Innovationswille für Wohngebäude beschränkt sich allerdings auf den energetisch-technischen Bereich der Planung, ohne die Wohnung notwendigerweise funktional und strukturell hinterfragen zu wollen. Vor dem Hintergrund einer immer flexibleren, mobileren und schneller modulierenden Gesellschaft, müssen statische Siedlungsformen ebenso wie die statische Form der Wohnung in Frage gestellt werden. Die Wohnung sowie das Wohnverhalten haben sich in der Masse während der letzten hundert Jahre so gut wie gar nicht weiterentwickelt. Problemstellung und Stand der Technik // Nach wie vor gehen wir davon aus, dass jeder Wohnraum, jede Wohnfunktion und jeder Nebenraum ganzjährig in vollem Umfang beheizt und in der Folge mechanisch gelüftet werden muss – Wohngebäude werden zu diesem Zweck in der äußersten Ebene mit immer dickeren Dämmschichten und mit immer aufwändigerer Haustechnik versehen. Vor diesem Hintergrund werden immer höhere Energiestandards für Wohngebäude eingeführt: Im Ergebnis werden einfache Wohngebäude immer teurer und komplizierter. Durch das unselektive „Einpacken“ des Innenraumes steigt die Masse des zu beheizenden Wohnraumes kontinuierlich an. Der hohe Materialeinsatz, insbesondere von industriellen Dämmstoffen und Dämmverbundstoffen lässt am Ende der Gebäude-Lebenszyklen ein Entsorgungsproblem enormen Ausmaßes erwarten. Gebäudehüllen werden zu immer komplexeren Verbundbauteilen, die in Zukunft nur schwer getrennt und recycled werden können. Zudem werden die Nutzer der Gebäude als potentielle Fehlerquelle im Planungs- und Betriebsprozess weitestgehend ausgegrenzt, anstatt sie als intelligente und lernende Regulierungsinstanz in den Betrieb und das Selbstverständnis der Gebäude einzubeziehen. Nicht zuletzt werden die gestalterischen Möglichkeiten und das Innovationspotential im Planungs- und Bauprozess durch immer engere Planungsnormen, Konstruktions- und Industriestandards zunehmend eingeschränkt. Die Wohnung und ihre Benutzbarkeit entwickelt sich dabei keinen Schritt weiter – eine absurde Situation vor dem Hintergrund der rasanten gesellschaftlichen Entwicklung. Fragestellung /// Wie zukunftsfähig ist der Konsens des landläufigen Wohnungsgrundrisses? Müssen sämtliche Räume und Zonen einer Wohnung rund um die Uhr und ganzjährig maximal beheizbar sein? Sind unterschiedliche klimatische Bedingungen innerhalb einer Wohnung denkbar? Wie sehen die zyklischen funktionalen Abläufe in einer Wohnung mit festem Kernklima und veränderlichen Zwischen- und Rand-Klimata aus? Sind diese Wohnungstypen langfristig sogar energieeffizienter, als aktuelle Passivhäuser und können Sie besser auf veränderliche Nutzungsanforderungen reagieren? Sind diese Wohnungen eher in der Lage, gesellschaftliche Veränderungen abzubilden? Erhöht sich hierbei die Gestaltungsmöglichkeit von Gebäudehüllen und damit die baukulturelle Vielfalt? Ist die einzig denkbare Möglichkeit der Energiesenkung die Erhöhung des Materialeinsatzes? Ist es sinnvoll, alle Aufgaben der Wand in einer komplexen zweidimensionalen Ebene abzubilden? Sind komplett gedämmte Baukonstruktionen und -massen klimatechnisch sinnvoll, oder bietet eine räumliche Trennung unterschiedlicher Wandaufgaben ein größeres Potential? Ist es funktional und technisch möglich, teilbeheizte Wohnungsbauten zu erstellen, deren klimatische Regulierung über monolithische, „atmende“ und flexible Wandschalen mit nutzbaren Zwischenzonen unterschiedlicher Mikro-Klimata gewährleistet wird? Welche Bautechnologien sind notwendig, um gebäudeinterne Klimagrenzen auszubilden? Könnte so mehr Wohnraum für weniger Geld mit geringerem Gesamtenergieeinsatz erstellt werden? Aufgabe und Organisation /// Vor dem Hintergrund dieser Fragestellungen wollen wir, aufbauend auf den Untersuchungsergebnissen des Seminars, zu neuartigen Wohnkonzepten und Gebäudeideen kommen. Konkretes Planungsziel in diesem Semester ist die Entwicklung eines funktionalen und technischen Raumplanes sowie eines dreidimensionalen Gebäudemodells für ein Doppel- bzw. Mehrpersonenhaus im verdichteten Kontext der Stadt. Das Wohnhaus soll ein Prototyp eines permeablen Gebäudes sein, dessen Raumzonen graduelle Übergänge von innen nach außen, von warm nach kalt, von privat nach öffentlich ausbilden. Das Wohnen soll sich innerhalb gestaffelter Raumschichten unterschiedlicher Mikro-Klimata vollziehen und eine neue Qualität der Raumaneignung ermöglichen. Im darauf folgenden Semester wollen wir die technische Umsetzung der entwickelten Typen untersuchen und bis in die Erfindung der Schichtkonstruktionen, der Gebäudetechnik und in die Gebäudesimulation vordringen. Dieses Projekt ist offen für Studierende des Masterstudienganges UBP als Profilprojekt Pro-2.103 sowie äquivalent für alle Studierenden im Bachelor-, Haupt- und Vertiefungsstudium als zweisemestriges Projektmodul Pro-1.002. Die projektbegleitende Teilnahme am Proseminar C 2.116 „Climatic Layering“ ist für den erfolgreichen Abschluss des Projektes erforderlich. Für alle Masterstudenten wird zur Vertiefung und Dokumentation im Sommersemester 2008 das diesem Profilprojekt zugeordnete Recherchestudio „Climatic Layering“ angeboten. FB 06 Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung Uni Kassel WS 2007/2008 Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Augustin Geor