Uni-Kassel
14. März 2017Projekt Dorf 21 die radikale Zukunft eines alten Siedlungstyps
Die Urbanisierung zählt zur dominanten Tendenz der Raumentwicklung am Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Stadt steht also im Fokus. Dabei gerät aus dem Blick, dass für eine nachhaltige Raumentwicklung nicht nur nachhaltige Städte erforderlich sind, sondern der gesamte Raum unter...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Urbanisierung zählt zur dominanten Tendenz der Raumentwicklung am Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Stadt steht also im Fokus. Dabei gerät aus dem Blick, dass für eine nachhaltige Raumentwicklung nicht nur nachhaltige Städte erforderlich sind, sondern der gesamte Raum unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten betrachtet werden muss. Darin spielen die Dörfer eine meist wenig beachtete Rolle. Doch etwa 30% aller Menschen in Deutschland wohnen in Dörfern (in anderen Ländern noch mehr). Dörfer werden oft bestenfalls als Gegenstand romantisierender Substanzerneuerung oder touristischer Inwertsetzung betrachtet. Das ist unzureichend für eine zukünftige Raumentwicklung. Vielmehr lauten die Fragen: Stehen wir vielleicht vor dem Beginn einer Renaissance des (neuen) Dorfes? Welche Rolle kann das Dorf in Zukunft in sozialer, ökonomischer, ökologischer oder raumstruktureller Weise spielen? Wie sieht eigentlich das (neu erfundene) Dorf des 21. Jahrhunderts aus? Diese letzte Frage wird fast nie gestellt. Eine Beantwortung dieser Frage aber entscheidet nicht unwesentlich darüber, ob sich die Region nachhaltig entwickelt oder nicht, ob sie resilient ist oder fragil.
Das Projekt richtet sich an Masterstudierende aller drei Fachrichtungen. Im Projekt wird den historischen Entwicklungstendenzen, den grundlegenden Veränderungen, die das Dorf in Mitteleuropa durchlebt hat, nachgegangen, um dann die Frage nach einer Neudefinition des Dorfes als Siedlungstypus des 21. Jahrhunderts zu entwickeln. Es werden zunächst Analysen der historischen Typologien vorgenommen und raumökonomische Betrachtungen angestellt sowie Trends analysiert. Dies bildet die Grundlage für Strategien, Szenarien und neue Typologien dieser nicht nur nicht aussterbenden Raumspezies, sondern eines neuen Typus des Siedlungsraumes, der so die These für eine Überlebensstrategie im Zeitalter von Klimawandel, sozialer Spannung und ökonomischer Dauerkrise unumgänglich ist. Als Ergebnisse werden zunächst ein theoretisches Modell für Typologien eines Dorf 21 und deren historische Grundlagen entwickelt. Darauf fußend wird ein Raumsystem der neuen Dorfstrukturen erarbeitet. Auf dieser Grundlage wird an dem Beispiel der Internationalen Bauausstellung Thüringen IBA Stadt-Land in einem zu definierenden konkreten Raum dieses theoretische Modell auf die Realität angewandt. Dabei werden Planungen für ein System von Dörfern der Zukunft gestaltet, die auch als eine neue Raumkategorie zu verstehen sein können. Diese Ergebnisse werden in Zusammenarbeit mit der IBA Thüringen in einer Ausstellung präsentiert und in einem Kolloquium der Öffentlichkeit vorgestellt.
Es wird eine Exkursion an markante Dorforte in Thüringen und ggf. an einen weiteren, noch zu definierenden Ort vorgenommen. Diese wird in der Kompaktwoche vom 5. bis 6.11.2015 durchgeführt. Im Verlaufe des Projektes folgt ggf. eine Vertiefungsexkursion (1-2 Tage).
Das Projekt findet im Raum 2142 statt und beginnt am 15.10. 2015.
8 SWS, 12 Credits
Literatur: Guerra, M.W. (2010): Kulturlandschaft Thüringen, Weimar
Weitere Literatur wird am Beginn des Projektes ausgegeben.
FB 06 Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung
Uni Kassel
WiSe 2015/16
Architektur
PD Dr. habil.
Kegler Harald habil