Uni-Kassel
14. März 2017Projekt Eine Stadt geht an den Hafen Realismus
Eine Stadt geht an den Hafen! _Vision (Bachelorprojekt) Zwei Projektangebote setzen sich mit der Stadt Bremerhaven auseinander. Sie richten sich an Studenten der Landschaftsarchitektur, Stadtplanung und Architektur: eines für Bachelorstudenten (ab dem 7. Semester), ein zweites für Masterstudenten. • 1....
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(Bachelorprojekt)
Zwei Projektangebote setzen sich mit der Stadt Bremerhaven auseinander. Sie richten sich an Studenten der Landschaftsarchitektur, Stadtplanung und Architektur: eines für Bachelorstudenten (ab dem 7. Semester), ein zweites für Masterstudenten.
• 1. Bachelorprojekt
Vision = Rückbau, Aufbau und Neue/s Zentren/um – Eine Stadt erfindet sich neu!
Den Bachelorstudenten soll eine größtmögliche Freiheit eingeräumt werden. Die regionalen Bedingungen werden gegen eine globale Betrachtungsweise ausgetauscht, um eine entsprechende fachliche Relevanz des projektinternen Diskurses zu erlangen. Schrittweise sollen unter den Überschriften wie beispielsweise -Situation, Potentiale und vergleichbare Ansätze-, -Konzepte für eine attraktivere Stadt-, -was heißt/ist Urban?-, -Welche Qualitäten braucht die moderne Stadt?-, -Infrastrukturen und Schönheit-, -Aufregung und Attraktionen-, -Investoren und Planbarkeit-, innovative planerische Ansätze diskutiert und getestet werden – fast alles ist erlaubt. Erwartet wird im besten Fall ein innovativer Ansatz, der das Bild Bremerhavens verändert und der Stadt neue Entwicklungsperspektiven eröffnet.
• 2. Masterprojekt
Realismus = Was wäre wenn…? – Die Füllung eines urbanen Vakuums!
Wie die Bachelors sollen sich die Masterstudenten mit den Möglichkeiten, die der Raum bietet möglichst frei auseinandersetzen um im gegeben Kontext relevante Ansätze anbieten zu können. Allerdings wird erwartet, dass die gewählten planerischen Ansätze vertieft auf ihre Machbarkeit und Funktionalität untersucht werden. Die Programmierung der vorgeschlagenen Interventionen, ob Freiräume, Infrastrukturen oder Hochbauten, neuen Attraktionen oder Entwicklungsansätze ist zu detaillieren und mit dem vorgeschlagenen planerischen Ansatz konsequent in Einklang zu bringen.
Zum Thema:
Immer mehr Menschen leben in urbanen Strukturen. Die Bedeutung autogerechten Wohnens in der -Natur- nimmt auch in Deutschland ab. Zentralität ist zu einem vorrangigen Ziel geworden und Lebensqualität misst sich zunehmend an kultureller Dichte, Fußläufigkeit, Sicherheit, Ökologie, Nähe zum Arbeitsplatz etc. … Nachdem diese Entwicklung bis vor kurzem von nicht wenigen Fachleuten als vorrübergehend betrachtet wurde und manchmal bloß als ein Problem der Verfügbarkeit von Energie betrachtet wurde, setzt sich die Erkenntnis durch, dass es sich um eine globale, nachhaltige Entwicklung handelt, die auf allen Planungsebenen behandelt werden muss.
Während einige Städte diesen Wandel aktiv mitgestalten könn(t)en und alternative Strategien für den immer stärker werdenden Entwicklungsdruck auf die Zentren entwickeln müss(t)en, haben andere infolge von Abwanderung, sozialer Degradation, Leerstand und ökonomischen Stillstand nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten diese Prozesse zu beeinflussen.
Eine besondere Herausforderung stellen mittelgroße urbane Räume dar, in denen beide Tendenzen gleichzeitig stattfinden: etwa wenn neue Wirtschaftszweige mit speziellen Anforderungen an ihre Mitarbeiter und Entwicklungsbedingungen und grundlegende gesellschaftliche Veränderungen nur eingeschränkt oder gar nicht an die Potentiale der überkommenen Strukturen anknüpfen können und entsprechende urbane Parallelwelten erzeugen, oder wenn überkommene bauliche Strukturen den Status-Quo einer Stadt gerade so sichern, die Entwicklungsfähigkeit aber beeinträchtigen und manchmal sogar unmöglich machen. Ganz entscheidend für die Attraktivität einer Stadt ist aber gerade das Bild, das sein Zentrum und seine Hauptattraktionen nach außen vermitteln.
Bremerhaven steht exemplarisch für den aktuellen Wandel mittelgroßer urbaner Räume. Viel wurde in den letzten 15 Jahren investiert, um Innenstadt und Hafen zu beleben:
Die Fertigung der Offshore-Windkraftanlagen für den Umbau der deutschen Energiewirtschaft findet nun auch auf Bremerhavener Terrain statt, viele Start-Ups beginnen hier und der Tourismus entwickelt sich positiv. Es ist eine Stadt, die eigentlich fast alles hat, was man im Norden braucht: das weite Meer, eine großzügige Innenstadt mit durchaus ansprechenden Einkaufsmöglichkeiten, einen schönen Freizeithafen mit international bedeutenden touristischen Attraktionen, eine kleine aber feine Universität, niedrige Lebenshaltungskosten und eine wirtschaftsfreundliche Verwaltung.
Gleichzeitig kämpft Bremerhaven aber nach wie vor mit den Spätfolgen des Niedergangs der klassischen Hafen- und Werftwirtschaft seit den 60er Jahren, mit einer relativ hohen Arbeitslosigkeit und daraus resultierenden Sozialstruktur, einer entsprechenden Veränderung der Versorgungsstrukturen und des Stadtbildes. Es dominieren nach wie vor zweckorientierte, überdimensioniert wirkende Verkehrsinfrastrukturen, die zentrale Bremerhavener Attraktionen zerschneiden.
Das Zentrum von Bremerhaven: Die Kolumbusstraße, eine 5 bis 8-spurige massive Erschließungsachse, erscheint als negativ trennender Raum zwischen Innenstadt und Hafen, die Lloydstraße, eine 4- bis 6-spurige Haupteinfallsstraße trennt Stadtkern und nördliche Stadtteile. Diese wichtigen Verkehrsräume dominieren die Wahrnehmung der Stadt. Entsprechend ist hier auch die Investitionsbereitschaft ausgeprägt. Von Verwaltung und Bevölkerung werden die Verkehrsinfrastrukturen und entstehenden Nebenräume zwar überwiegend als hochproblematisch erkannt, aber dennoch als -halt unveränderbar-, -notwendig-, von manchen sogar als -Vorteil Bremerhavens- gesehen – Veränderungen erscheinen als utopisch, auch wenn es das Bild Bremerhavens als positive Stadt zum Leben und Arbeiten nachhaltig verbessern könnte.
Welche Möglichkeiten sind uns Planern gegeben, die zentrale Situation im Zentrum der Stadt Bremerhaven zu verändern? Mit welchen freiraumplanerischen, städtebaulichen und/oder hochbaulichen Maßnahmen kann die Verknüpfung von zentraler Innenstadt und Hafen am besten gelingen? Welche Leitbilder bestehen und welche sind gewünscht? Was ist -richtig- für Bremerhaven? Utopie oder Realismus: Was für eine Stadt wollen wir?
Der komplexe Stadtraum Bremerhavens soll in Gruppen von je 3 Studenten systematisch untersucht und bis zum Entwurf bearbeitet werden.
Leistungsnachweis:
Arbeitsmodell im Maßstab 1:500 in weißer Farbe mit farbiger Darstellung der vorgeschlagenen Interventionen; digitale 3D-Darstellung des Gebietes als Grundlage für die Überprüfung der vorgeschlagenen Dimensionen und Ansichten im Detail, 3D-Schemata und andere räumliche Darstellungen sowie mindestens zwei perspektivische Renderings (Bachelors können Schemata, räumliche Darstellungen und Renderings auch 2D anfertigen); Analyseplan des Stadtgebietes im Maßstab 1:5000 (mit notwendigen Schemata in Plan und Schnitt); Strategieplan im Maßstab 1:2000 mit notwendigen Schemata in Plan und Schnitt; Gestaltungsplan im Maßstab 1:500 mit allen zum Verständnis des Entwurfs notwenigen Geländeschnitten; charakteristische Detailausschnitte im Maßstab 1:200 mit Schnittdarstellungen und Details bis zum Maßstab 1:50; zum Verständnis des Entwurfs notwendige textliche Erläuterungen auf den Plänen; Reader mit mindestens 50 Seiten Entwurfsbeschreibung unter Zuhilfenahme des produzierten grafischen Materials und Darstellung des Entwurfsprozesses. Plangrößen können individuell gewählt werden. Zusätzliche Leistungen (Video, Modelle, Pläne) sind willkommen. Eine erfolgreiche Rundgangausstellung wird Teil der bewerteten Leistungen. Im Master werden tiefergehende städtebauliche Berechnungen gefordert.
Die Bewertung der Bachelor und Masterarbeiten erfolgt anhand der Durchdringungstiefe der einzelnen Maßstabsebenen.
Die Projekte werden zusammen mit dem Tutor Ralf-Niklas Hirsch und an einigen Terminen mit dem Lehrbeauftragten Dipl.Ing. Wolfgang Schück betreut. Gastkritiken durch Prof. Wigbert Riehl und Vertreter der Stadt Bremerhaven werden fest eingeplant.
Das Projekt ist optional auf 2 Semester ausgerichtet. Angedacht ist eine Detaillierung als Folgeprojekt am Fachgebiet Landschaftsarchitektur/Technik (Prof. Riehl).
Am 17.Oktober 14:30 Uhr, findet das erste Projekttreffen, mit Vorstellung und Organisation statt.
Vom 18. - 20.10., Freitagnachmittag bis Sonntagabend wird eine Exkursion nach Bremerhaven unternommen.
FB 06 Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung
Uni Kassel
WiSe 2013/14
Architektur
Dipl.-Ing.
Latz Tilman