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Uni-Kassel
14. März 2017

Projekt Prothesen oder quot das passt ja wie angegossen quot

Neuerdings ersetzt eine Prothese nicht nur fehlende Gliedmaßen, sie verbessert auch die menschliche Fortbewegung, wie der Fall des Läufers Oscar Pistorius beweist, der kürzlich trotz amputierter Unterschenkel in der regulären südafrikanischen Leichtathletikmeisterschaft den zweiten Platz über 400 Meter erreichte. Vom...

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Neuerdings ersetzt eine Prothese nicht nur fehlende Gliedmaßen, sie verbessert auch die menschliche Fortbewegung, wie der Fall des Läufers Oscar Pistorius beweist, der kürzlich trotz amputierter Unterschenkel in der regulären südafrikanischen Leichtathletikmeisterschaft den zweiten Platz über 400 Meter erreichte. Vom Rollstuhl lief er mithilfe von biomechanischen Prothesen direkt aufs Siegertreppchen. In Zukunft will jeder zum Maschinenmenschen werden. „Zum Beispiel zu einem mit drei Armen“ sagt der Leiter des Media Lab am MIT in Cambridge, Prof. Hugh Herr, der die Prothesen entwickelt, ohne Augenzwinkern. Meint er das ernst? „Piercing ist doch schon beliebt. Was werden unsere Enkel erst machen, wenn sie ihre Körper tatsächlich verbessern können?“ (Thomas Häusler in DIE ZEIT Nr. 27) Und nicht nur Körper können mit Prothesen verbessert werden - eine Bestandsaufnahme: zunächst einmal behebt eine Prothese einen Mangel. Sie ersetzt das „Fehlende“, sie füllt einen negativen Raum aus. So können Mängel nicht nur am menschlichen Körper auftreten, sondern auch an Häusern, der Stadt, der Landschaft oder an (Alltags-)Gegenständen. Wird der Mangel nicht nur ausgeglichen sondern die vorherige Funktion verbessert, so verschmelzen die Grenzen zwischen Maschine und Mensch, zwischen Umgebung und Subjekt. Schon Le Corbusier sprach von „prothetischer Architektur“ - in den Sechzigerjahren und den frühen Siebzigerjahren entwickelten dann Architekten wie Archigram, Buckminster-Fuller und die Metabolisten aus Japan utopisch-prothetische Architektur. In der jüngeren Kunst waren es unter anderem Walter Pichler, Rachel Whiteread, Atelier Van Lieshout oder auch Joseph Beuys (um nur einige zu nennen), die einen Mangel feststellten, den es „prothetisch“ zu beheben galt. Im Projekt „Prothesen“ werden ganz praktisch Abform- und Gusstechniken erprobt, mithilfe derer ein persönlich - dringlicher Mangel ausgeglichen werden soll. Die Gusstechnik beeinhaltet sowohl das Giessen in „verlorene“ und auch in „wiederverwendbare“ Formen, das Modellieren mit Ton und spätere Abgiessen mit Beton oder Gips, verschiedene Gusstechniken mit Kunststoffen, eventuell sogar den Eisenguss und andere, weniger bekannte Techniken. Ziel des Projektes ist es, wahrhaftig skulpturale Prothesen im Maßstab eins zu eins herzustellen. Der zu behebende Mangel kann dabei körperlicher, architektonischer, gegenstandsbezogener oder künstlerischer Natur sein. Das Projekt ist einsemestrig konzipiert und kann bei Bedarf auf zwei Semester erweitert werden. Der praktisch-technische Aspekt wird begleitet von einem Projektseminar mit theoretischen Hintergrund zum Thema Prothetik in Kunst, Architektur und Design. „Normale Menschen altern, Cyborgs kaufen ein Upgrade“ FB 06 Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung Uni Kassel WS 2007/2008 Univ.-Prof. Klussmann Heike