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Uni-München
14. März 2017

Seminar Cyberanthropology 8211 virtuelle Praxen Räume Strukturen und Akteure

#Neuland: nach Meinung der promovierten Physikerin und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich der moderne Mensch 2013 in Deutschland noch nicht in der -schönen neuen Welt- des Digitalzeitalters zurechtgefunden. Es überrascht wenig, dass diese Behauptung vielerorts auf Ablehnung gestoßen ist und...

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#Neuland: nach Meinung der promovierten Physikerin und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich der moderne Mensch 2013 in Deutschland noch nicht in der -schönen neuen Welt- des Digitalzeitalters zurechtgefunden. Es überrascht wenig, dass diese Behauptung vielerorts auf Ablehnung gestoßen ist und mehr oder minder offen belächelt wurde. Dennoch gestaltet sich der Umgang mit virtuellen Phänomenen in den kulturanthropologischen Disziplinen schwieriger, als man als -digital native- zunächst annehmen möchte. Begrifflichkeiten müssen geklärt, Methoden erarbeitet und Vorurteile dekonstruiert werden. Es gilt, Theorien auf ihre Anwendbarkeit im digitalen Kontext zu prüfen und die Möglichkeiten der Erforschung auszuloten. Angesichts der Fülle neuer Phänomene ist man geneigt, den Vergleich zu einer -kolonialen Entdeckerstimmung- zu ziehen. Endlich gibt es wieder eine Terra incognita, die dazu einlädt, ausgerüstet mit Tropenhelm, Zollstock und Fotoapparat die unbekannten Weiten zu durchstreifen und sie dem Rest der Welt zu erklären. Leider hat diese -Entdeckerstimmung- vor allem zu Beginn der Popularisierung und Verbreitung des Internets zahlreiche, teils wenig reflektierte Beiträge aus Wissenschaft und Medien beflügelt, die noch immer machtvolle Diskurspositionen besetzen und unseren Blick auf die Früchte des digitalen Zeitalters in vorbestimmte Bahnen zu lenken vermögen. Diese Veranstaltung möchte dazu anregen, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und sich den Strukturen, Praxen, Räumen und Akteuren der digitalen Welt unvoreingenommen zu widmen. Computerspiele, Foren, Videoplattformen, Imageboards, Online-Protest, Kommunikationsprogramme, Suchmaschinen, Konsumpraxen, die Messung von Biodaten und elektronische Bezahlsysteme wie -paypal- und -bitcoins- - die Liste potentieller Forschungsgegenstände ist lang. Ausgehend von der gemeinsamen Erarbeitung möglicher theoretischer Zugänge sollen eigene Forschungsansätze entwickelt, diskutiert und praktisch umgesetzt werden. Department für Kulturwissenschaften und Altertumskunde LMU München SoSe 2016 Dozent