Uni-Kassel
14. März 2017Projektseminar Ethik im klinischen Bereich
Im Krankenhaus können nicht zuletzt aufgrund der Erweiterung des medizinisch-technischen Handlungsspielraums ethische Probleme auftreten, die bewältigt werden müssen. So ist etwa zu fragen, ob die Lebensverlängerung in dem jeweils konkreten Fall auch eine Steigerung der Lebensqualität darstellt oder letztlich nur...
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Jetzt Lernplan erstellenIm Krankenhaus können nicht zuletzt aufgrund der Erweiterung des medizinisch-technischen Handlungsspielraums ethische Probleme auftreten, die bewältigt werden müssen. So ist etwa zu fragen, ob die Lebensverlängerung in dem jeweils konkreten Fall auch eine Steigerung der Lebensqualität darstellt oder letztlich nur als eine Leidverlängerung anzusehen ist.
Stellt man sich etwa einen 78-jährigen Patienten vor, bei dem man einen metastasierenden Lungenkrebs im Endstadium diagnostiziert hat, dem vielleicht noch mit Hilfe einer intensivmedizinischen Betreuung und Chemotherapie wenige Wochen ‚geschenkt’ werden können. Im Gespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen wird deutlich, dass der Patient auf ein erfülltes Leben zurückblickt und er darauf verzichten möchte. Er greift stattdessen das Angebot auf, sich über Möglichkeiten der Palliativversorgung zu informieren.
Stellt man sich nun einen 38-jährigen Patienten vor, der auch an Krebs erkrankt ist und dem man mit Hilfe einer Operation ebenfalls höchstens wenige Wochen ‚schenken’ kann. Dieser Patient hinterlässt aber zwei kleine Kinder und eine alkoholkranke Frau. Hier wird im Gespräch deutlich, dass ihm die geschenkte Zeit die Möglichkeit eröffnen wird, seine Verhältnisse zu ordnen und seine Familie auf seinen Tod vorzubereiten. Man kommt daher miteinander zu dem Entschluss, die Operation durchzuführen und die Lebensverlängerung als Chance anzusehen.
Um mit ethischen Herausforderungen im Krankenhaus möglichst gut und angemessen umgehen zu können, gewinnt die ethische Fallbesprechung in zunehmendem Maße im Krankenhaus an Bedeutung. Sie dient dazu, den Umgang mit ethischen Fragen zu moderieren, zu strukturieren und zu organisieren.
Ziel des Projektseminars ist es, zunächst das sogenannte 4-Prinzipien-Modell von Tom L. Beauchamp und James F. Childress, mit dessen Hilfe eine Fallbesprechung durchgeführt werden kann, zu erarbeiten. Die vier Prinzipien werden dann in einer ‚theoretischen Handreichung’ in ihren Grundzügen dargestellt werden. Bei einer Sitzung des Klinischen Ethikkomitees des Städtischen Klinikums Kassels wird diese Handreichung von den Studierenden vorgestellt. Im nächsten Schritt wird das Seminar vom Klinischen Ethikkomitee ethische Probleme im Kontext von Fallbesprechungen an die Hand bekommen, die im Seminar ethisch reflektiert werden. Die Antworten werden wiederum dem Klinischen Ethikkomitee zugänglich gemacht. Auf diese Weise soll zunächst eine theoretische Durchdringung des Praxisfeldes erfolgen, die dann aufgrund der Anforderungen aus der Praxis modifiziert und korrigiert werden kann.
Textgrundlage: Ein Reader mit den wichtigsten Texten wird zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt.
Anforderungen: Um einen ‚Sitzschein’ zu erhalten, ist es erforderlich, ein Ergebnisprotokoll zu erstellen.
Literatur: Wird im Laufe des Seminars bekannt gegeben
Besonderheit: Persönliche Anmeldung erforderlich! Vorausgesetzt wird eine regelmäßige Anwesenheit der Teilnehmenden, um das Ziel des Projektseminars umsetzen zu können.
Diese Veranstaltung wird als Blockseminar angeboten.
FB 02 Institut für Philosophie
Uni Kassel
WiSe 2014/15
Philosophie
Prof. Dr.
Joisten Karen