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Uni-Kassel
14. März 2017

Projektseminar In Gesellschaft von Bäumen Gestalterische Prozesse inder digitalen Jacquardweberei

Die Jacquardgewebetechnik ist eine komplexe Technik der Bildweberei. Sie wurde von Joseph Maria Jacquard um 1806, in vorindustrieller Zeit, entwickelt und nach 1830 auch für die mechanische Produktion erschlossen. Bebilderte Stoffe konnten bis ins 19. Jahrhundert hinein nur mit einfachen...

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Die Jacquardgewebetechnik ist eine komplexe Technik der Bildweberei. Sie wurde von Joseph Maria Jacquard um 1806, in vorindustrieller Zeit, entwickelt und nach 1830 auch für die mechanische Produktion erschlossen. Bebilderte Stoffe konnten bis ins 19. Jahrhundert hinein nur mit einfachen Webgeräten und immensem Zeitaufwand hergestellt werden. Jacquard gelang es die Herstellung von Bildgeweben wesentlich zu vereinfachen. Massenproduktion wurde möglich. Die Einführung der Jacquardmaschine hatte zur Folge, daß die Exklusivität der Stoffe verloren ging. Die schnellere neue Technik führte zu einer großen Menge an technisch perfekten, aber gestalterisch beliebigen Textilien. Seit etwa 15 Jahren gibt es digitale Jacquardmaschinen mit Handbetrieb. Damit ist die Technik des Bildwebens noch einmal erheblich einfacher geworden. Das aufwendige Patronieren und das Lochkartenschlagen fallen weg. Das Muster wird mit Hilfe des Programms Adobe Photoshop bearbeitet und die Mustereinrichtung am Webstuhl per Computer gesteuert. Was bedeutet diese Veränderung für die Gestaltung von Jacquardgeweben? Damit man nicht der Gefahr des Banalen unterliegt, muß dem Entwurfsprozeß und den Feinheiten der Weberhandwerks viel Aufmerksamkeit zuteil werden. Das gestalterische Thema dieses Projektes ist der Wald. Wälder üben seit jeher eine Faszination auf den Menschen aus. Gerade den Deutschen sagt man eine besondere Beziehung zum Wald nach. Vor etwa zweihundert Jahren entwickelte sich in der deutschen Romantik der Wald zur Sehnsuchtslandschaft schlechthin. Das romantische Waldbewußtsein hat sich seitdem schicht- und generationsübergreifend bis ins 21.Jahrhundert gehalten. Wald wird gleichgesetzt mit Natur und Wildnis. Der Wald war nie Lebensraum für Menschen, aber er entwickelte sich zum Erholungsort und als Fluchtort aus der urbanen Welt. Trotz einer über 200 jährigen geregelten Fortwirtschaft regt der Wald unsere Phantasie und unsere Sinne an. Wer sich in -Gesellschaft von Bäumen- befindet, ist meist im Wald. Das Zitat von Arno Schmidt (aus -Zettel's Traum-), bringt sprachlich pointiert Menschen und Bäume in Zusammenhang. Wenn man in Gesellschaft von Bäumen ist, ist man mit ihnen auf Augenhöhe, lebt mit ihnen, steht in gegenseitiger Abhängigkeit. In diesem Sinne: Hinaus in den Wald! Kunsthochschule Kassel Voraussetzung zur Teilnahme: Bindungslehre- und Webereigrundkenntnisse Uni Kassel WS 2009/2010 Produktdesign V.-Prof. Feyll Cornelia V