Uni-Düsseldorf
14. März 2017Aufbauseminar Einführung in die jiddische Moderne Yiddish Modernism An Introduction
Die jiddisch-literarische Moderne entfaltete sich vornehmlich nach dem Ersten Weltkrieg in kulturellen Kontakten mit der europäischen Moderne und dem angloamerikanischen Modernismus. Kernfragen wie Säkularisierung, Autonomie, Individualisierung, Entwurzelung, Entfremdung und Fortschrittsglaube fielen mit jenen der jüdisch-nationalen Renaissance zusammen, obwohl diese Bewegungen...
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Jetzt Lernplan erstellenDie jiddisch-literarische Moderne entfaltete sich vornehmlich nach dem Ersten Weltkrieg in kulturellen Kontakten mit der europäischen Moderne und dem angloamerikanischen Modernismus. Kernfragen wie Säkularisierung, Autonomie, Individualisierung, Entwurzelung, Entfremdung und Fortschrittsglaube fielen mit jenen der jüdisch-nationalen Renaissance zusammen, obwohl diese Bewegungen aus grundlegend unterschiedlichen historischen Zusammenhängen hervorgingen. Die polyglotte jiddische Intelligenz war je nach Lebensort mit dem Kulturschaffen der jeweiligen Mehrheitskultur vertraut, vor allem mit dem russischen, deutschen, französischen und amerikanischen. Die jiddisch-literarische Moderne war verankert in der Tradition, gegen welche sie rebellierte, und griff sowohl auf hebräische als auch auf jüdische und nichtjüdische europäische Traditionen zurück. Neben Symbolisten, Impressionisten und Expressionisten gab es avantgardistische Gruppen, die Manifeste verfassten und zeitweilig eigene Organe hatten: Di yunge in New York (1908), Eygns in Kiew (1918 – 1920), Yung-yidisch in Lódz (1919), Khalyastre [Bande] in Warschau und Paris (1922), Albatros in Warschau (1922) und Berlin (1923), Shtrom in Moskau (1922 – 1924), Milgroym [Granatapfel] in Berlin (1922 – 1924), In zikh in New York (1922 – 1939).
Im Fokus des Seminars stehen Fragen nach dem Zusammenspiel von programmatischer Theorie und literarischer Praxis und nach dem Selbstverständnis moderner jiddischer Dichter. Einige Manifeste dieser literarischen Gruppen werden im Zusammenhang mit Beispielen ihres Schaffens gelesen und analysiert.
Jiddische Kultur, Spr. u.Lit (BA, PO 2006) ErgFach
Universität Düsseldorf
WiSe 2015/16
apl. Prof. Dr.
Gal Ed Efrat